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  4. Lehrstellensuche: Hilfe auf dem Weg zum Traumberuf

«Typisch männlich» – «typisch weiblich»

Her mit Schreinerinnen und Fachmännern Gesundheit!

Schweizweit sind Jugendliche auf der Suche nach der passenden Lehrstelle. Junge Männer und Frauen bleiben dabei oft in den Kategorien «typisch männlicher» und «typisch weiblicher» Beruf stecken. Helena Trachsel von der Fachstelle für Gleichstellung arbeitet mir ihrem Team daran, dass diese Denkmuster aufgebrochen werden.

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Die Grenzen durchbrechen: Junge Frauen machen sich auch in «typisch männlichen» Berufen gut.

Getty Images

Herbstzeit ist Lehrstellensuche-Zeit. Immer wieder im Oktober werden die freien Ausbildungsplätze online veröffentlicht. Für Oberstufenschülerinnen und -schüler fällt spätestens jetzt der Startschuss für die Bewerbungsphase

Das Berufsangebot ist riesig – und keiner weiss es

Wer nicht schon längst weiss, was der Berufswunsch ist, kommt bei der riesigen Auswahl womöglich schnell ins Wanken. Und dann ist da auch noch das Klischee von typischen Frauen- oder Männerberufen. Junge Männer sollen Schreiner und Elektriker werden und junge Frauen gehören in den Detailhandel oder in einen Pflegeberuf – dieser Glaubenssatz war lange Realität. Und es gibt immer noch einiges zu tun, damit Jugendliche dazu ermutigt werden, die Hürden auf dem Weg zum Traumberuf zu überwinden, egal, ob dieser als typisch männlich oder typisch weiblich gilt.

Davon ist man auch bei der Zürcher Fachstelle für Gleichstellung überzeugt. Deshalb ist Leiterin Helena Trachsel mit ihrem Team an der Berufsmesse mit einem Stand vertreten. «Unser Berufswahl-Factsheet zeigt uns, dass Mädchen im Kanton Zürich von über 150 angebotenen Berufen nur aus vierzehn, Jungen aus 29 auswählten», sagt sie. Dass das Lehrstellen-Angebot aber um ein Vielfaches grösser ist, will die Fachstelle den Jugendlichen an der Messe bewusst machen. Dies gelingt dank umfassender Infos zu Berufsbildern und Löhnen, Statistiken, einem Onlinespiel und der Vernetzung zu Ausbildungsbetrieben und weiterführenden Schulen.

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Fachstelle für Gleichstellung sorgt für Aha-Momente

Und wie knackt man den Coolnesspanzer eines 14-Jährigen, der losprustet, wenn er «medizinischer Praxisassistent» hört? «Wir haben engagierte, junge und coole Mitarbeiter, die sehr gut auf Jugendliche zugehen können. Zum Beispiel, dass auf der Fachstelle auch Männer arbeiten und einer davon sogar ein Rugbyspieler ist. Das löst Erstaunen und Fragen aus und ermöglicht ein Gespräch über unbewusste Vorurteile.»

Die Fachstelle für Gleichstellung ist seit einigen Jahren präsent und macht Aufklärungsarbeit «von der Kita bis an die ETH», sagt Trachsel. Sie führen regelmässig Workshops durch in Oberstufen, Lehrbetrieben oder Berufsschulen – und sorgen so bei Jugendlichen immer wieder für Aha-Momente: «Wir zeigen ihnen Fotos von Frauen und Männern in Freizeitkleidung und lassen sie ihnen Berufe zuordnen», sagt sie. «Sie staunen nicht schlecht, wenn sie die Leute dann in ihrer Arbeitskleidung sehen und merken, dass die Frau Försterin ist oder der Mann Fachmann Betreuung gelernt hat.

«Mich wühlt auf, dass Mädchen schon früh daran denken, einen Beruf zu erlernen, der später Teilzeitarbeit ermöglicht.»

Helena Trachsel

Stadt und Land sehen Gleichstellung unterschiedlich

Die Fachstelle hat den Auftrag, das Gleichstellungsgesetz umzusetzen, ganz zentral sind die Themen Berufs-und Studienwahl, denn diese Entscheidung ist eine fürs Leben – und über Lohn, Perspektiven und gegen eine mögliche Armut im Alter. Dazu gehört die Sensibilisierung, dass nicht jede Frau Kosmetikerin oder Pflegefachfrau und nicht jeder Mann Handwerker werden muss. «Wir haben es hier sehr oft mit anerzogenen und kulturell bedingten Denkmustern zu tun», weiss Helena Trachsel, denn Nationalfond-Studien belegen dies. «Mich wühlt auf, dass Mädchen schon früh daran denken, einen Beruf zu erlernen, der später Teilzeitarbeit ermöglicht, um so die Verantwortung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf übernehmen zu können .»

Es kommt immer wieder vor, dass Eltern ihren Kindern davon abraten, geschlechts-untypische Berufe auszuüben. «Wir bemerken in der Schweiz eine Stadt-/Land-Differenz. Auf dem Land sind die Rollenbilder eher stereotyper, als in urbanen Gebieten. Zudem ist die Offenheit, sein Kind in eine atypische Lehre zu schicken bei bildungsnahen Familien deutlich akzeptierter», erklärt Trachsel.

Berufsmesse Zürich 2019

An der Berufsmesse Zürich werden 240 Lehrberufe und ebenso viele Weiterbildungsmöglichkeiten vorgestellt. Viele Tätigkeiten können die Besucher selber ausprobieren. An jedem Stand sind Ausbildner und Lernende anwesend. Bei den Drogisten zum Bespiel wird eine geheimnisvolle Rheumacrème hergestellt. Zudem gibt es im Forum Referate über Berufswahl, Bewerbung, Berufsmaturität und vieles mehr. Die Berufsmesse auf dem Messegelände Zürich (neben dem Hallenstadion) findet vom 19. bis 23. November statt. Der Eintritt ist frei. Weitere Infos findet ihr hier.

Von Edita Dizdar am 20.11.2019
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