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Keine Schwäche

Mit diesen 5 Tipps stärken wir unsere schüchternen Kids

Eltern wünschen sich selbstbewusste Kinder, die sich schnell und problemlos an neue Situationen anpassen können. Was aber soll man tun, wenn das eigene Kind sehr schüchtern ist? Diese fünf Tipps können helfen.

schüchternes kind

Am sichersten ist es mit Teddy und hinter Mamas Beinen.

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Jedes Kind ist anders. Auch Geschwister können komplett unterschiedliche Persönlichkeiten haben. Während das eine vor Selbstsicherheit strotzt, ist das andere womöglich das komplette Gegenteil davon: sehr schüchtern. Der Umgang mit schüchternen Menschen fällt vielen von uns nicht leicht. Oft neigen wir dazu, ein schüchternes Kind aus der Reserve locken und es verändern zu wollen. Doch ist dies eine angemessene Reaktion, die dem Kind dabei hilft, sich selbst so anzunehmen, wie es ist? Eher nicht.

Weil sie diese Situation mit ihren beiden Kindern nur zu gut kennt, hat Journalistin Catherine Pearson für die «Huffington Post» fünf Punkte zusammengestellt, die Eltern von schüchternen Söhnen und Töchtern im Kopf behalten sollten.

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Lieber aus der Distanz beobachten: Schüchterne Kinder brauchen oft länger, um mit neuen Situationen warm zu werden.

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1. Schüchternheit nicht als Schwäche sehen

In ungewohnten Situationen sind viele Kinder schüchtern. «Die meisten Kinder sind zurückhaltend, wenn sie neue Leute kennenlernen. Das ist völlig normal. Diese anfängliche Schüchternheit ist nur die Art und Weise, wie wir neue Räume betreten und uns orientieren», sagt Koraly Pérez-Edgar, stellvertretende Direktorin des Social Science Research Institute am Child Study Center an der Pennsylvania State Universität. Man stelle sich ein Kindergartenzimmer am ersten Tag vor. Vielleicht sind da ein oder zwei ausgelassene Kinder, die herumlaufen und alles erkunden. Die meisten werden jedoch in der Nähe ihrer Bezugsperson bleiben oder brauchen gar etwas Überredung, damit sie den Raum überhaupt betreten. «Für kleine Kinder ist es entwicklungspolitisch völlig angemessen, sich in neuen Umgebungen schüchtern zu fühlen», sagt Pérez-Edgar.

Auch bei älteren Kindern ist Schüchternheit weder untypisch noch schlecht, obwohl viele Eltern und andere Erwachsene immer noch dazu neigen, Aufgeschlossenheit als das Ideal zu sehen. «Ich habe noch nie erlebt, dass ein Elternteil zu mir gekommen ist und gesagt hat, dass es sich Sorgen um seine Tochter macht, weil sie so viele Freunde hat und immer im Mittelpunkt des Geschehens steht», sagt die Wissenschaftlerin. Man könne ein schüchternes Kind sein und ein oder zwei wirklich gute Freunde haben, mit denen man reden und von denen man Unterstützung erfahren könne. Das sei grossartig und kein Grund zur Sorge.

Tatsächlich kann Schüchternheit ein Vorteil sein. Sie kann Menschen helfen, nachzudenken, bevor sie handeln, was bedeutet, dass sie schützend wirkt und sie sogar beruhigender und vertrauenswürdiger erscheinen lässt. Experten, die zum Thema forschen, sprechen deshalb auch nicht von besserer oder schlechterer Art des Sozialseins, sondern einfach von einer anderen Art.

2. Dem Kind keinen Stempel aufdrücken

Als Mutter eines süssen, vorsichtigen Kleinkindes, das ständig von anderen Erwachsenen gegrüsst werde und welches sich dann hinter ihren Beinen verstecke, erwische sie sich oft dabei, wie sie den Leuten sage, das Kind sei halt schüchtern, so Catherine Pearson. Damit wolle sie dem Gegenüber signalisieren, dass das Kind nicht unhöflich ist. An ihre eigene Kindheit als schüchternes Mädchen zurückerinnert, merkt sie, dass sie solche Situationen immer hasste. «Es ist seltsam, wenn jemand in deiner Anwesenheit darüber spricht, wie er deine Persönlichkeit wahrnimmt», sagt sie. Es fühle sich einschränkend an und könne zum Selbstläufer werden. 

«Etikettieren Sie Ihr Kind nicht als schüchtern», zitiert Pearson deshalb auch die Kinderkrankenschwester Kasey Rangan, welche dies in einem Blogbeitrag für ein Kinderkrankenhaus in Los Angeles schrieb. «Versuchen Sie, anderen zu erklären, dass Ihr Kind langsam mit Menschen warm wird, aber tun Sie Ihr Bestes, um das Verhalten nicht zu benennen.» 

3. Kontrolliertes Kontakte-Knüpfen ermöglichen

Laut Pearson ist es wichtig, dass Eltern schüchterne Kinder nicht in überwältigende soziale Situationen drängen, in denen sie sich wirklich unwohl fühlen. Aber es ist auch wichtig, den Kindern viele Möglichkeiten zu geben, neue Dinge auszuprobieren und neue Leute kennenzulernen. Der Trick dabei ist, dass es kontrolliert abläuft. «Es gibt eine Reihe von Studien, die zeigen, dass es ausreichen kann, wenn gehemmte, schüchterne Kinder ein paar Tage in der Woche in den Kindergarten gehen, in einem Verein oder in einem Team sind, um neue soziale Fähigkeiten zu erlernen», sagt die Wissenschaftlerin Koraly Pérez-Edgar. «Es ist nur eine Frage der Übung. Diese sollte aber strukturiert sein.»

Man darf nicht vergessen, dass ein Kind immer etwas Zeit braucht, bis es mit neuen Situationen warm wird. Das Ziel ist, dass es spielt und seine Umgebung erkundet, egal ob es dafür 20 Minuten oder länger braucht und zunächst lieber zurückhaltend beobachtet.

4. Offen über Gefühle sprechen

Auch wenn man das eigene Kind nicht in die Schüchtern-Schublade stecken möchte, ist es laut Pearson dennoch wichtig, ihm die Chance zu geben, offen über seine Gefühle zu sprechen, wenn es in die Welt hinausgeht und neue Situationen erforscht.

Dabei soll man es einfach halten und offene Fragen stellen: «Was hast du heute gedacht? Hat es dir im Schwimmkurs gefallen?», schlägt Pérez-Edgar vor. Solche Gespräche können helfen, ein Gefühl dafür zu bekommen, ob sich das Kind an der eigenen Schüchternheit stört oder ob es sich unwohl fühlt, ohne dass die Eltern das Verhalten benennen oder ihm  die eigenen Bedenken auferlegen. 

«Es geht darum, sich von Ihrem Kind sagen zu lassen, wo seine Grenzen sind, und das zu respektieren», sagt Pérez-Edgar. Dies wird besonders wichtig, wenn das schüchterne Kind heranwächst und wir Eltern seine Persönlichkeit unterstützen und gleichzeitig befähigen möchten, mit uns zu sprechen – insbesondere dann, wenn es Schwierigkeiten hat.

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Mit dem schüchternen Kind im Austausch bleiben und über Gefühle sprechen, ist besonders wichtig.

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5. Rechtzeitig Hilfe holen

Wenn man merkt, dass die Schüchternheit des Kindes in eine extreme Richtung geht – es möchte nicht in die Schule gehen, es fällt ihm sehr schwer, Freunde zu finden und nichts scheint zu helfen – lohnt es sich, mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt zu sprechen. «Das Kind, um das Sie sich Sorgen machen sollten, ist das Kind, das nie warm wird, das in neuen Situationen nie glücklich ist, das einfach nicht seine Nische findet», sagt Pérez-Edgar. Frühe Interventionen können laut der Forscherin sehr wirksam sein. 

Und zum Schluss der wichtigste Punkt: Akzeptanz ist der Schlüssel. Es spricht nichts gegen eine zurückhaltende Persönlichkeit. Eltern sollten ihren Kindern das Gefühl vermitteln, es so zu mögen, wie es ist.

Den ganzen «Huffington Post»-Artikel auf Englisch findet ihr hier.

Von Edita Dizdar am 04.07.2021
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