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Emotionales Video über Fehlgeburt

Fiona Erdmann erzählt die Geschichte ihres Sternenkinds

Vor einem Monat hat Fiona Erdmann ihr zweites Kind verloren. Nun erklärt das Model in einem Youtube-Video, warum sie öffentlich trauert und welche Gedanken ihr beim Verarbeiten des Verlusts helfen.

Fiona Erdmann

In ihrem halbstündigen Video kämpft Fiona Erdmann mehrmals mit den Tränen.

Screenshot aus dem Video

Alles perfekt. Ein sonniger Tag. Zwei Tage vor der 18. Schwangerschafts-Woche. Fiona Erdmann ist mit ihrer Familie unterwegs zum Ultraschall. Übermütig, euphorisch, glücklich! Normalerweise hat die ehemalige Germany's-next-Topmodel-Kandidatin vor Ultraschalluntersuchungen jeweils Sorgen, ob denn auch alles in Ordnung sein wird bei der Arztkontrolle. Nicht so an diesem Morgen. «Wir waren total happy, es war ein schöner und aufregender Tag», erinnert sich Fiona in ihrem neuesten Youtube-Video. Ihr Baugesuch war soeben bewilligt worden, die Location und Ballonfarbe für die Gender-Reveal-Party bereits ausgesucht ...

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Nichts deutet an diesem frühen Maitag 2021 darauf hin, dass ihr Leben eine traurige Schicksalswendung nehmen wird. «Ich ging überhaupt nicht mit dem Gedanken in den Ultraschall, dass etwas Schlimmes passieren könnte.»

Der Moment in dem kein Herzschlag mehr zu hören ist

Doch als die Ärztin ihr den Ultraschallkopf auf den Bauch legt, merkt Fiona Erdmann sofort, dass etwas nicht stimmt. Sonst hatte sich ihr Baby, das nur wenige Monate nach ihrem Erstgeborenen Leo Luan, ihr zweites Kind werden sollte, immer bewegt. Sie habe sofort gefragt, ob alles ok sei, sagt Fiona. Die Ärztin antwortet lange nicht und sucht weiter. Irgendwann schaut sie auf und sagt die Worte, die Fiona Erdmanns Leben für immer verändern werden: «Es tut mir leid, aber da ist leider kein Herzschlag mehr zu sehen.»

«Das kam echt wie ein Hammerschlag», sagt Fiona Erdmann. «Der fachliche Ausdruck heisst Missed Abortion. Das heisst, dass man einfach nicht mitkriegt, dass das Kind nicht mehr lebt. Dass das Herz aufgehört hat, zu schlagen. Bei anderen Fehlgeburten hat man Unterleibskrämpfe, Rückenschmerzen, Blutungen. Hier war nichts, was darauf hätte hindeuten können, dass an diesem Tag etwas nicht in Ordnung ist. Es war ein echt krasser Schock und ein richtig tiefer Schlag in die Magengrube.»

Das Einzige, wozu sie in diesem schrecklichen Moment in der Lage ist: Sie nimmt ihr Bab Leo in den Arm und drückt ihn. Hält sich an ihm fest.

Wie Fiona Erdmann es schafft, ihre Fehlgeburt zu akzeptieren

Leo ist es, der seiner Mama in den vergangenen vier Wochen Halt gab. Denn seit sie ihr zweites Kind verloren habe, sei sie noch dankbarer dafür, ihn zu haben, sagt Erdmann, die sich bereits ihr Leben lang eine eigene Familie gewünscht hatte. «Auch wenn ich sehr traurig bin, habe ich das Gefühl, dass ich sehr stark mit dieser Situation umgehe», sagt sie. «Einfach, weil ich in der Vergangenheit viele harte Schicksalsschläge verarbeiten musste und ich einfach gelernt habe, nach vorne zu schauen.» Es sei wichtig, sich an positiven Dingen festzuhalten. Und das sei in ihrem Fall Leo.

«Wir können Dinge im Leben zum Teil einfach nicht steuern und sie nicht rückgängig machen und nichts daran ändern. Das Einzige, was wir können, ist, das Beste daraus zu machen.» 

Das hat Fiona Erdmann von ihrem Sternenkind gelernt

Obwohl ihr Sternenkind nur wenige Wochen im Bauch bei ihr war, habe es sie eine wichtige Lektion gelehrt: «Ich war in den letzten Tagen häufiger dankbar und glücklich, als dass ich traurig war», erklärt sie.

«Weil dieser kleine Wurm uns gezeigt hat, wie dankbar wir für Dinge sein können. Allein das macht dieses kleine Wesen so besonders! Es hat uns gezeigt, wie dankbar wir für uns sein können. Es hat uns gezeigt, wie dankbar wir für Leo sein können. Es hat uns gezeigt, wie schön die Welt eigentlich die ganze Zeit ist, ohne dass wir es bemerken.»

Darum trauert Fiona Erdmann öffentlich

Warum Fiona Erdmann diese Gedanken mit ihrer Follower-Gemeinde teilt, erklärt sie ebenfalls im Video. Sie verarbeitet ihre Trauer ganz bewusst öffentlich, weil sie erst jetzt feststellt, wie oft geschwiegen wird rund um das Thema Fehlgeburt. Und wie viele Frauen mit denselben Gefühlen kämpfen, wie sie. Obwohl einige Menschen sie tatsächlich beschämen wollten, weil sie ihre Trauer um den Verlust ihres Kindes öffentlich macht, hält sie daran fest, dass jeder Mensch das Recht hat, so zu trauern, wie er oder sie es für richtig hält.

«Ich glaube, das Schlimmste, was man tun kann, ist, nicht darüber zu reden», sagt Fiona Erdmann. Sie rede öffentlich darüber, um anderen Frauen Mut zu machen und zu helfen. Und um den Austausch zu diesem Thema zu fördern. «Ich wünsche mir, dass unter diesem Video Frauen sich austauschen und ihre Erfahrungen teilen können.»

Fiona Erdmann glaubt, dass ihr Baby irgendwann wieder zu ihr zurückkommt

Zum Ende des Videos teilt Fiona Erdmann einen berührenden Gedanken, der ihr Kraft gibt. Eine Frau habe ihr geschrieben, «dass unser Baby da war, um uns Dinge zu lehren. Und jetzt halt einfach noch ein paar Sachen braucht und noch einmal zurückgeht und dann wiederkommt, mit Allem, was es braucht.» Dieser Glaube, dass ihr Kind irgendwann zu ihr und ihrem Mann Moe zurückkehre, gebe ihr die nötige Stärke für das, was ihr noch bevorstehe: die Totgeburt ihres Kindes im Spital, sagt Fiona Erdmann.

Sie kündigt an, dass sie in einem nächsten Video erklären wolle, weswegen sie ihr totes Kind noch immer im Bauch trägt.

Von KMY am 01.06.2021
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