1. Home
  2. Family
  3. Familien-Geschichten
  4. Prinz Harry über Vaterschaft und Diagnosen, ADS, posttraumatische Belastungsstörung und Kindheitstrauma

Öffentliche Therapiesitzung

Wie Prinz Harrys Kindheitstrauma ihn als Vater prägt

Was Prinz Harry von seinem eigenen Vater, König Charles, gelernt hat? Wie man es nicht macht als Papa. Das verrät der Herzog von Sussex in einer öffentlichen Therapiesitzung.

Artikel teilen

LONDON, ENGLAND - JANUARY 16: Prince Harry, Duke of Sussex watches children from a local school play rugby league in the Buckingham Palace gardens before the Rugby League World Cup 2021 draws for the men's, women's and wheelchair tournaments at Buckingham Palace on January 16, 2020 in London, England. (Photo by Mark Cuthbert/UK Press via Getty Images)

Prinz Harry soll unter weit mehr als einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden. 

UK Press via Getty Images

Prinz Harry (38) hat sein Innerstes gegen Aussen gekehrt. In einer öffentlichen Therapiesitzung mit dem kanadischen Traumaexperten Dr. Gabor Maté sprach der Ehemann von Herzogin Meghan (41) über prägende Momente in seinem Leben: Den Tod seiner Mutter, Prinzessin Diana. Den Krieg in Afghanistan, in dem er diente. Seinen Drogenmissbrauch in jungen Jahren. 

Das 90-minütige Gespräch wurde am Wochenende in einem kostenpflichtigen Livestream ausgestrahlt – und förderte Erstaunliches zutage. 

Dr. Maté eröffnet Prinz Harry vier Diagnosen

Nach der Lektüre von Prinz Harrys Autobiografie «Reserve» sowie unter dem Eindruck des Gesprächs über Traumata, Verletzlichkeit und Heilung diagnostiziert der Experte beim Prinzen gleich mehrere Konditionen:

  • Depression
  • Angststörung
  • posttraumatische Belastungsstörun
  • Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ADS

«Wenn ich das Buch lese, diagnostiziere ich ADS, ich sehe es als normale Reaktion auf normalen Stress, nicht als Krankheit», so der Mediziner. «Wenn ein Kind in einer stressigen Umgebung ist, ist eine Art, damit umzugehen, dass es seine Aufmerksamkeit zerstreut, um sich von dem Stress zu entfernen.» 

Harry bestätigt, dass bereits früher bei ihm eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert wurde. Als Hauptursache gilt der frühe Verlust der Mutter, den der Prinz im Alter von nur 12 Jahren erlebte. 

So prägen Prinz Harrys Traumata sein Familienleben

Lange habe er sich gegen Therapien gesträubt, so Harry. Doch der erste Streit mit seiner heutigen Ehefrau, Herzogin Meghan, habe ihn zur Kehrtwende bewogen. Der Streit war offenbar heftig und Herzogin Meghan erwog, die Beziehung zu beenden. Sie habe ihn gefragt, wo er gelernt habe, so mit jemandem zu sprechen.

Dies sei für ihn ein Moment der Offenbarung gewesen, sagt Harry. Er habe sich selbst zum ersten Mal als Spiegelbild seiner Erziehung wahrgenommen. 

«Ich fühle eine grosse Verantwortung, weder Traumata noch negative Erfahrungen weiterzugeben, die ich als Kind oder als erwachsener Mann erlebt habe.»

Prinz Harry

Für seine beiden Kinder Archie (3) und Lilibet (1) möchte der Royal mit Mustern brechen, unter denen er selbst als Kind litt. «Ich und meine Frau tun das Beste, was wir als Eltern tun können – wir lernen aus unserer eigenen Vergangenheit», so Harry. «Ich fühle eine grosse Verantwortung, weder Traumata noch negative Erfahrungen weiterzugeben, die ich als Kind oder als erwachsener Mann erlebt habe.» 

Harry spricht laut «Daily Mail» von einem «Mangel an Berührungen und Umarmungen», unter dem er als Kind litt. 

«Als Vater möchte ich meine zwei Kinder mit Liebe überschütten»

Prinz Harry

In einem früheren Interview sagte Harry: «Wenn der Schmerz und das Leid meiner Erziehung dadurch begründet sind, dass mein Vater oder meine Eltern ebenfalls gelitten haben, dann werde ich hier einen Schlussstrich ziehen und diesen Zyklus durchbrechen, sodass ich diese Dinge selber nicht weitergebe.»

Er wolle es als Papa anders machen als sein eigener Vater und die Royal-Generationen vor ihm. «Ich möchte meine Kinder mit Liebe überschütten.» 

Charles, Prince of Wales with his sons Prince Harry of Wales at winter sports in Klosters.  (Photo by Pascal Le Segretain/Sygma via Getty Images)

Prinz Harry hat in seiner Kindheit unter seinem distanzierten Vater, damals Prinz Charles, gelitten. Das Foto zeigt die beiden während der Skiferien in Klosters im Jahr 1999, zwei Jahre nach dem Tod von Prinzessin Diana. 

Sygma via Getty Images

Unter anderem deswegen hat sich Prinz Harry auch mit «Ancestral Healing» beschäftigt. Dies ist eine Therapieform, die darauf ausgerichtet ist, toxische Muster, welche während Generationen von Eltern an ihre Kinder weitergegeben werden, zu durchbrechen. Wie das genau funktioniert, erfahrt ihr hier. 

Darum sollten alle Väter ihre Kinder mit Liebe und Nähe überschütten

Dass Kinder von der emotionalen aber auch körperlichen Nähe ihrer Eltern profitieren, liegt auf der Hand. Hier ein paar gute Gründe, warum wir alle häufiger mit unseren Kinder kuscheln, raufen und schmusen sollten: 

Körperkontakt kann heilend wirken: Es gibt wissenschaftliche Studien dazu, dass Babys, die keine körperliche Zuneigung bekommen, krank werden und sterben können. Und umgekehrt kann Hautkontakt sogar heilend wirken. Wusstet ihr, dass fiebrige Kinder durch körperlicher Nähe genesen können? Mehr dazu erfahrt ihr in unserem Dossier «Erkältungszeit».

Elterliche Liebe beeinflusst die psychische Gesundheit ein Leben lang: Mit Umarmungen drücken wir unsere Zuneigung und Unterstützung aus. Wir geben Wärme und Liebe. Diese Erfahrung verhilft einem Kind zu mehr Selbstvertrauen – und letztlich zu mehr Resilienz, also psychischer Widerstandsfähigkeit. «Ein gemeinsamer Nenner von resilienten Menschen sind Bezugs- und Vertrauenspersonen, die sie lieben und die an sie glauben», sagt Resilienz-Expertin Antoinette Wenk im Interview.

Nähe ist lehrreich: Damit Kinder ein gutes Körpergefühl entwickeln können, brauchen sie Umarmungen, Küsse und Kitzelattacken – auch durch ihre Väter. Durch Berührungen lernen Kinder, was sich gut anfühlt und was nicht. Sie lernen, die körperlichen Grenzen ihrer Mitmenschen zu akzeptieren – was für ihr späteres Leben essenziell ist. 

Von KMY am 6. März 2023 - 18:00 Uhr