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Loslassen will gelernt sein

Tanja Frieden verrät, wie sie und Luam den Kindsgi-Start meistern

Luam ist jetzt Kindergärtler! Ex-Snowboarderin und Olympiasiegerin Tanja Frieden verrät, wie es gelaufen ist. Und wie sie als Mental Coach das Thema Loslassen anpackt.

Tanja Frieden mit Luam

Mit Leuchtgurt und einem riesigen Lachen im Gesicht: Tanja Frieden und Luam am ersten Kindergartentag.

ZVG

Tanja Frieden, Ihr Sohn Luam ist seit Kurzem Kindergärteler. Gefällt ihm der neue Lebensabschnitt?
Wir sind sehr gut gestartet. Es ist ja nicht nur für ihn ein neuer Lebensabschnitt, sondern für die ganze Familie. Diese neue Phase beeinflusst unseren Rhythmus und unsere Themen als Familie. Für Luam ist es allerdings ein ganz besonderer Moment im Leben. Er darf nun einen Schritt ins Leben hinausgehen, mehr Verantwortung übernehmen, selbständiger werden, Neues lernen. Es ist ein Milestone!

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Sie haben ein Foto von Luam am ersten Kindergartentag geteilt, auf dem er aussieht, als würde er Geburtstag feiern. Gabs eine Party?
Tatsächlich finde ich es wichtig, dem Beginn eines neuen Lebensabschnitts Beachtung zu schenken. Wir haben den Kindergarteneintritt mit Luam wie einen Geburtstag gefeiert. Mit Ballons und Girlanden am Frühstückstisch. Um den Moment wahrzunehmen und wertzuschätzen. Yeah, cool, jetzt passiert etwas Wichtiges. Das mache ich bei allen Milestones so.

Tanja Frieden und Luam

Tanja Frieden feiert die Milestones ihres Sohnes Luam wie Geburtstage.

ZVG

Fand Luam die erste Loslösung vom Elternhaus denn cool?
Ehrlich gesagt hat es mich erstaunt, wie viele Leute so tun, als wäre der Kindergarteneintritt einfach nur fägig. Luam wurde immer wieder gefragt, ob er sich freue. Und ich sagte ihm, der dürfe gerne ehrlich sein. Da antwortete er jeweils, er freue sich zwar, aber ein Teil von ihm fühle sich auch nicht so wohl dabei. Es ist wichtig, allen Emotionen Raum zu geben. Unsere Gesellschaft erwartet oft, dass man nur positiv denkt. Damit vermittelt man Kindern den Eindruck, ihre Gefühle wie Unsicherheit, Angst oder Nervosität seien falsch. Auch diese Gefühle sind ok. Wenn unsere Kinder lernen, darüber zu sprechen, können wir gemeinsam mit ihnen Strategien entwicklen, um damit umzugehen. Wichtig ist, jedem Kind sein Tempo und seinen Raum zuzugestehen.

Wie liefs am ersten Tag?
Luam ist einer, der auf den ersten Blick sehr offen und gut drauf wirkt. Aber wenn er neu in eine Gruppe kommt, dann kann er auch sehr schüchtern sein. Ich kenne das von mir selbst. Und wie ich, braucht auch er für solche Momente eine Strategie. Wir haben bereits am Kennenlerntag - das war noch vor den Sommerferien -  angefangen, ihn in seinem Tempo an den Kindergarten heranzuführen. Es ist wichtig, dass jedes Kind seinen Rhythmus haben darf. Damals wollte er noch nicht in den Kreis sitzen zu den anderen Kindern. Also blieb ich mit ihm abseits stehen. Ich drängte ihn nicht, sondern sagte: Kein Problem, wir schauen einfach von hier aus zu. Am ersten Kindergartentag achtete ich darauf, dass wir frühzeitig vor Ort waren, damit er von Anfang an dabei war und sich nicht in eine bestehende Gruppe einfügen musste. So ging es sehr gut. Am Mittag war er sogar fast ein wenig enttäuscht, wie schnell so ein Vormittag im Kindergarten vorbei geht. Er ist sich von der Kita gewöhnt, dass er viel länger mit seinen Freunden spielen kann.

Fällt Ihnen das Loslassen leicht?
Ich habe die ganze erste Kindergartenwoche in meinem Kalender Luam gewidmet, um in meiner Energie voll für ihn da zu sein. Nicht, weil ich nicht loslassen kann, sondern weil das auch für mich eine wichtige Phase ist und ich sie geniessen will. Gemeinsam als Familie in diesen neuen Lebensabschnitt zu gehen, war mir wichtig. Ich lerne all die anderen Kindergarten-Eltern kennen und habe Freude an dieser neuen Welt, die sich mir auftut.

«Kinder, denen wir etwas zutrauen, trauen sich auch selbst mehr zu»

Tanja Frieden, Energie-Coach

In der zweiten Kindergartenwoche sind Sie an ein Retreat nach Island geflogen. Fiel Ihnen die Abwesenheit leicht?
Es gibt eine schöne praktische Übung aus der Energiearbeit. Wir sind ja auf verschiedene Weisen verbunden miteinander, nicht nur körperlich, sondern auch energetisch. Wenn ich also aus der Ferne das Gefühl habe, dass mein Kind mich braucht, stelle ich mir einen Lichtstrahl vor, der mein Herz mit dem meines Kindes verbindet. Über diese Verbindung kann ich ihm Liebe oder eine Umarmung senden. Das gibt mir Ruhe und Frieden. Man kann das anwenden, bevor man in einem Zustand der Angst oder Sorge landet.

Was raten Sie Eltern, denen das Loslassen nicht so leicht gelingt?
Ich glaube, dass die Art und Weise, wie Eltern – und vor allem Mütter – mit diesem Thema umgehen, einen grossen Teil davon ausmacht, wie leicht es den Kindern fällt, ihren eigenen Weg einzuschlagen. Als Mutter fühle ich mich dieser kleinen Seele natürlich mehr verbunden als jeder andere Mensch. Aber ich darf mir auch vor Augen führen, dass dieser kleine Mensch mir nicht gehört. Er ist ein eigenständiges Wesen. Loslassen fängt bei mir selber an. Wenn ich bereit bin, loszulassen, dann fällt das auch dem Kind leichter. Es kann für das Kind sogar eine stärkende Komponente haben: Ich vertraue diesem kleinen Menschen, dass er das schon schafft.

Haben Sie das selbst so von Ihren Eltern erfahren?
Wenn ich zurückblicke auf meine Kindheit, habe ich zwei sehr wertvolle Geschenke von meinen Eltern erhalten: eine Monsterportion Liebe und ein Riesenpaket Vertrauen. Das will ich auch meinem Sohn mit auf den Weg geben. Denn Kinder, denen wir etwas zutrauen, trauen sich auch selbst mehr zu.

Loslassen lernen: Ein Angebot von Tanja Frieden

Snowboard-Olympiasiegern Tanja Frieden, 45, hat als Energie-Coach ihre Berufung gefunden. In ihrer Friedens-Academy gibt die ehemalige Lehrerin ihr Wissen aus 14 Jahren Spitzensport weiter und begleitet Menschen auf dem Weg, mentale Stärke zu erlangen und zu ihren Herzenszielen zu finden. Am 17. und 18. September behandelt sie im Workshop FriedensZEIT live das Thema «Loslassen», der sich auch für Eltern eignet.

Von KMY am 01.09.2021
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