GaultMillau-Restaurant Viel Herzblut. Und Blutorangen!

Er hat das Emmental verlassen, kocht jetzt aus lauter Liebe im Berner Oberland. Stefan Kläy hat mit viel Herzblut das bescheiden eingerichtete «Schönbühl» übernommen. Adelboden ist um eine Gourmetadresse reicher.
Stefan Kläy im Restaurant Schöhnbühl
© Kurt Reichenbach

Ihretwegen ist er in Adelboden gelandet: Stefan Kläy und Partnerin Martina von Deschwanden.

Schon auf der «Lueg», dem Emmentaler Aussichtspunkt, schaffte Stefan Kläy souverän den Spagat zwischen Ausflügler- und Gourmet-Ansprüchen an ein und derselben Adresse. Die Erfahrung kann er jetzt im «Schönbühl» etwas abseits des Dorfkerns von Adelboden einbringen. Die Liebe hat ihn ins Weltcup-Dorf gebracht. Seine Frau und auffallend tüchtige Geschäftspartnerin Martina von Deschwanden ist Adelbodnerin. Aller Anfang ist schwer: Im neu eröffneten Restaurant (mit Postauto-Haltestelle vor der Tür) werden noch weit öfter Spaghetti und «Gordon blöö» (die Speisekarte ist konsequent in Berndeutsch geschrieben) geordert als das Gourmetmenü, das (zu) diskret an der Wand notiert ist.

Nachfragen lohnt sich. Der fast täglich wechselnde Fünfgänger ist seine 100 Franken mehr als wert und beweist das Talent des Chefs auch am neuen Wirkungsort. Bereits das Amuse-Bouche in Form einer Quittensuppe mit Lachs-Sashimi lässt Gutes erahnen. Die folgende Mais-Espuma krönt Kläys nachgerade berühmtes 50-Minuten-Ei, garniert mit Frutiger Oona-Kaviar. Applaus auch für das wunderbar zarte Lämmlein auf würzig geschmortem Endiviengemüse mit einer fein abgeschmeckten Orangensauce.

Der Chef mag Blutorangen: Er setzt sie unerschrocken auch zu Meerestieren ein, zum Forellenfilet auf Selleriepüree oder zur blitzsauber gebratenen Languste. Deutlich weniger genial der zwar sehr grosszügig bemessene, aber eher trockene Hauptgang: «Grand cru porc» mit Sandkarotten auf Venere-Reiskugeln. Besser der «Tagesteller»: rassiges Gulasch mit Spätzli.

Das Dessert versöhnt sogleich: Die Variation von fünf einheimischen Käsen mit passenden Chutneys macht Freude, die geschmorte Birne Hélène mit Schokomousse samt lauwarmem Schokoküchlein mit flüssigem Innenleben erweist sich als idealer winterlicher Abschluss des gut komponierten Menüs. Der Wein? Gute Auswahl, auffallend moderate Preise. Die GaultMillau-Wertung? 14 Punkte als Startkapital.

14/20 GaultMillau-Punkten
Restaurant Schönbühl 
Ausserschwandstrasse 43 
3715 Adelboden
el. 033 673 13 36
Mittwoch geschlossen 
www.schoenbuehl-adelboden.ch

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