Ernährung Volksdroge Zucker: Überall hier ist sie versteckt!

Achtung, Suchtgefahr! Die Weltgesundheitsorganisation sagt dem Zuckerkonsum den Kampf an. 25 Gramm pro Tag sollten reichen. Aufpassen heisst es vor allem bei Fertigprodukten und Süssgetränken. Wir zeigen, wo wie viel drinsteckt.
Dr. Samuel Stutz analysiert Schicksale, die unter die Haut gehen.
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Die Weltgesundheitsorganisation WHO will ihre Empfehlung zum Zuckerkonsum drastisch senken. Demnach soll er nur noch fünf Prozent der täglichen Kalorien liefern, also höchstens 25 Gramm pro Tag, was etwa sechs Teelöffeln (ca. sechs Würfelzuckern) entspricht. Das ist nur halb so viel wie gemäss den bisherigen WHO-Vorgaben. Der neuen Empfehlung liegt eine Auswertung von 9000 Studien zugrunde. Die WHO-Experten begründen ihren Vorschlag damit, dass Zucker die Gefahr von Fettleibigkeit erhöhe. Der Wert von fünf Prozent schliesst jede Art von Zucker ein, die Nahrungsmitteln zugegeben wird, sowie Honig, Sirup und die Süsse in Fruchtsäften. Der in Obst enthaltene Fruchtzucker wird dagegen nicht auf den Wert angerechnet.

Dr. Philipp Gerber, Oberarzt an der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung am Universitätsspital Zürich, begrüsst die neuen Empfehlungen: «Den heutigen Zuckerkonsum hat die Evolution niemals vorgesehen. Zucker ist von Natur her etwas Rares.» Heute aber steckt in praktisch jedem Fertigprodukt Zucker. «Das überfordert den Stoffwechsel, stumpft die Insulin-Empfindlichkeit der Zellen ab, begünstigt Diabetes und Übergewicht in noch nie gekanntem Ausmass.» Ungünstig ist, so der Ernährungsexperte, neben den vielen enthaltenen Kalorien, dass der Blutzuckerspiegel nach dem Konsum von Zucker schnellen und starken Schwankungen unterworfen ist und dies bald ein erneutes Verlangen nach Süssem auslöst.

Man weiss aus Tierexperimenten, dass es beim Zuckerkonsum Analogien zur Sucht gibt. Die Gründe sind unter anderem in der Entwicklungsgeschichte zu suchen. Dr. Gerber: «Der süsse Geschmack zeigte dem Menschen während Jahrtausenden an, dass etwas essbar und sehr wahrscheinlich

Er warnt vor allem vor verstecktem Zucker. Ein Grossteil der Menge, den wir Tag für Tag aufnehmen, befinde sich in verarbeiteten Lebensmitteln, die gar nicht als eigentliche Süssigkeiten angesehen werden würden. Als Beispiel nennt Dr. Gerber Ketchup: In einem Esslöffel der Tomatensauce steckt etwa ein Teelöffel Zucker. Noch bedeutender sind Süssgetränke: Ein Glas davon enthält mit 27 Gramm bereits mehr Zucker, als wir am Tag konsumieren sollten.

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