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Frisch verheiratet

So wohnt SRF-Aushängeschild Jennifer Bosshard

Vor dem ersten TV-Auftritt dachte sie kurz ans Davonlaufen, dann stand Jennifer Bosshard tapfer vor die Kamera. Heute ist die Moderatorin eine der Hoffnungsträgerinnen des Schweizer Fernsehens. Die Wohnung in Zug ist ihr Rückzugsort.

Jennifer Bosshard, G&G Moderatorin SRF, Homestory, Zug, SI 43/2021

Jennifer Bosshard beim Abschalten mit Musik in ihrem Lieblingssessel.

Geri Born

Die Sonne war schuld. Jennifer Bosshard, 28, und ihr Ehemann, FC-Luzern- Stürmer Pascal Schürpf, 31, hatten sich monatelang nach einer Wohnung in Zug umgesehen – erfolglos. Bis sie schliesslich zufällig eine Neubauwohnung besichtigen konnten. Es war Abend, Pascal sofort begeistert, Jennifer hingegen unschlüssig. Als dann aber die Sonne im orangefarbenen Himmel über dem Zugersee unterging, war es um die Moderatorin und Redaktorin der SRF-Sendung «Gesichter & Geschichten» geschehen. «Die ganze Wohnung erstrahlte in einem goldenen, gleissenden Licht», erinnert sie sich. «Wow! Die nehmen wir!» Seit vergangenem Frühling wohnt das Paar nun in der Dreieinhalbzimmer- Mietwohnung in der Nähe des Bahnhofs. Seit dem 3. Juni als Ehepaar.

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Sabrina Licata

«Wir haben keine traditionelle Rollenteilung und wollen, dass beide gleichgestellt sind», betont Jennifer Bosshard. «Mir ist wichtig, dass ich finanziell unabhängig bin.» Zu Beginn ihrer Beziehung sei das schwierig gewesen, da sie als Studentin ohne fixe Anstellung, ihr Freund hingegen bereits Fussballprofi gewesen sei. «Aber auch damals schaffte ich es mit drei Nebenjobs, die Hälfte unserer Ausgaben selber zu bezahlen», so die Baslerin. Heute gehört Bosshard zu den festen Grössen von «Gesichter & Geschichten» beim Schweizer Fernsehen. Als Moderatorin interviewt sie Gäste und führt durch die Sendung, als Redaktorin recherchiert und realisiert sie Beiträge. «Ich möchte nie nur vor der Kamera stehen, die journalistische Arbeit ist mir genauso wichtig.»

Neue SRF-Generation in den Startlöchern

Die Zeiten bei SRF sind turbulent: Der Sender muss digitalisieren, kämpft mit Zuschauerschwund und hat Abgänge von grossen und beliebten Aushängeschildern zu verkraften. Nik Hartmann, Stefan Büsser, Ueli Schmezer, Steffi Buchli, Jann Billeter sind nur einige. SRF braucht also dringend neue Identifikationsfiguren. Die neue Generation steht bereits in den Startlöchern, jüngere Moderatorinnen und Moderatoren, die sich zu TV-Lieblingen mausern.

Jennifer Bosshard, G&G Moderatorin SRF, Homestory, Zug, SI 43/2021

«Etwas zu wagen, gab mir Selbstvertrauen.» Die gebürtige Baslerin ist glücklich in ihrem Beruf.

Geri Born

Dazu gehört Jennifer Bosshard. Sie hat einen Bachelor in Germanistik und Geschichte, wollte ursprünglich Printjournalistin werden, arbeitete bei der «Basler Zeitung» im Kulturteil und landete als Praktikantin bei«Glanz & Gloria», dem heutigen «Gesichter & Geschichten». Beim Gesellschaftsmagazin hat sie sich sofort sehr wohlgefühlt, «aber überhaupt nicht den Wunsch verspürt, vor die Kamera zu treten». Als Moderatorin Annina Frey zurücktrat, habe ihre Chefin, Redaktionsleiterin Paola Biason, sie motiviert, beim Casting mitzumachen. «Ich nahm etwas contre cœur teil, sagte mir aber: Hey, in jedem Fall kann ich Erfahrungen sammeln.»

Immer wieder Neues lernen

Der Rest ist Geschichte. «Heute habe ich einen Job, von dem ich mir vor drei, vier Jahren nicht hätte vorstellen können, ihn zu erreichen», sagt sie, die routiniert und kompetent durch die Sendungen führt. Noch immer präsent ist ihr aber ihr erster Liveauftritt. «Am liebsten wäre ich davongelaufen. Ich hatte nicht wie viele andere Erfahrungen in Privatsendern gesammelt, sondern startete gleich beim renommiertesten Sender.» Sie ist froh, den Schritt gewagt zu haben: «Es brauchte Überwindung – nicht einmal, sondern mehrmals. Doch heute weiss ich, wenn ich mutig bin, kann ich Grenzen verschieben, mich weiterentwickeln und immer wieder Neues lernen. Das gibt Selbstvertrauen. Nach drei Jahren vor der Kamera habe ich jetzt keine Selbstzweifel mehr und fühle mich sicher.»

Jennifer Bosshard, G&G Moderatorin SRF, Homestory, Zug, SI 43/2021

Die Wohnung in Zug ist in ruhigen Tönen gehalten. Jennifer Bosshard liebt «Möbel mit Geschichte».

Geri Born

Moderieren ist ein Knochenjob: Jeder kleinste Fehler wird vom grossen Publikum registriert – und kritisiert. Aus diesem Grund ist Bosshards Heim in Zug Oase und Rückzugsort. Die Wohnung ist in Schwarz-Weiss-Tönen eingerichtet. Die Hausherrin liebt es, Gäste zu bewirten und zu kochen: «Kein Aufwand ist mir zu gross, auch wenns eine Riesenübung ist – ich mache es megagern.» Die Auswahl der Möbel und die Deko liegt ebenfalls in ihren Händen. «Wir haben immer Blumen im Haus, ich liebe es, selber Gestecke zu gestalten. Floristin wäre auch ein Beruf gewesen, der mir gefallen hätte.»

Einer der Schnittblumensträusse steht heute auf dem Wohnzimmertisch in einer Originalvase des finnischen Möbeldesigners und Architekten Alvar Aalto. Die Vase verrät eine weitere Leidenschaft der Baslerin: «Ich kaufte sie im Internet von einem Brockenhaus. Die meisten Möbel habe ich online aus zweiter Hand erstanden.» Dieses «Hobby» sei sehr aufwendig, denn oft müssten die Objekte in der ganzen Schweiz abgeholt werden. Wenn an einem Wochenende wieder einmal eine Abholaktion anstehe, beklage ihr Mann jeweils scherzend: «O Gott, nicht schon wieder …» Für sie sei kein Aufwand zu gross: «Es muss nicht immer neu sein. Es ist schön, wenn ein Gegenstand eine Geschichte erzählt.»

Lohn für Familienarbeit

Einen Kompromiss bei der Deko musste sie beim Fernsehgerät eingehen: «Für mich hätte es ein bisschen kleiner ausfallen können», sagt sie lachend. Obwohl bei ihr der imposante Fernseher ja auch ein Kompliment ist: So erscheint sie auf grosser Leinwand, wenn sie arbeitet. Über Kinder hat das Paar ebenfalls bereits gesprochen. Jennifer Bosshard: «Konkret sind unsere Pläne noch nicht. Ich mache mir keinen Stress und Druck deswegen. Ich sehe auch, wie schwierig das bei meinen Freundinnen ist.» Sie weiss, wo der Hauptstolperstein liegt: Familien- und Care-Arbeit würden zu wenig anerkannt, und viele Frauen verlören dabei ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit. «Auch der Staat ist hier gefordert. Übernähme ich die Familienarbeit, würde mir mein Mann dafür einen Lohn bezahlen.»

Jennifer Bosshard, G&G Moderatorin SRF, Homestory, Zug, SI 43/2021

Die Blumenbouquets steckt die Hausherrin immer selber zusammen. «Floristin würde mir auch gefallen.»

Geri Born

Genaue Pläne für die Zukunft macht die Frau, die in so vielen Schweizer Stuben zu Gast ist, aber nicht. «Ich nehme es so, wie es kommt, und bin sehr dankbar für meine Karriere und wie weit ich schon bin. Das hätte ich mir niemals erträumt.» Und: «Wer weiss, was noch alles kommen mag – ich bin bereit dafür.»

Von Christian Franzoso am 30. Oktober 2021 - 08:00 Uhr
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