Das bewegte Leben der Schweizer Schlagersängerin Lys Assia ist im Alter von 94 Jahren gestorben

Sie war die erste Gewinnerin des heutigen Eurovision Song Contest und blieb der Veranstaltung bis zum Schluss treu. Jetzt ist Lys Assia im Alter von 94 Jahren gestorben. 

Lys Assia war die berühmteste Schweizer Schlagersängerin, die Grande Dame de la Chanson. Jetzt ist Lys Assia im Alter von 94 Jahren im Spital Zollikerberg ZH gestorben! Das bestätigte ihr ehemaliger Sekretär Jean Eichenberger dem «Blick».

Viele Sänger erhoffen sich mit einer Teilnahme beim Eurovision Song Contest einen Karrieresprung. Lys Assia hat keinen Karriereschub nötig, als sie 1956, im Jahr der Geburtsstunde des damals lautenden Grand Prix Eurovision de la Chanson, die Schweiz vertritt - und mit «Refrain» gewinnt:

Lys Assia ist zu dem Zeitpunkt bereits weltberühmt, steht mit Frank Sinatra oder Dean Martin auf einer Bühne oder vertritt die erkrankte Josephine Baker bei einer ihrer Aufführungen in Paris. Als ihren grössten Fan bezeichnet die Grande Dame de la Chanson den einstigen ägyptischen König Faruk. «Mindestens dreimal in der Woche kam er in meine Show, als ich in den Fünfzigerjahren in Ägypten lebte», erzählt Assia «Spiegel Online».

«Ich war halt die Beste»

Geboren wird Assia als Rosa Mina Schärer am 3. März 1924 in Rupperswil im Kanton Aargau. Aufgewachsen aber ist die jüngste von insgesamt zwölf Geschwistern in Zürich, wo sie Ballettunterricht nimmt, aufs Konservatorium geht und im damaligen «Corso» beim Bellevue ihr Tanzdebüt feiert. 1942 erhält Assia noch als Teenager ihren ersten Plattenvertrag - der Beginn einer langen Karriere.

Obwohl Assia längst jeder kennt, will sie 1956 bei der Premiere des Gesangswettbewerb in Lugano teilnehmen. Neugierde sei der Grund gewesen, sagt sie später. Und sie habe sich der Schweiz gegenüber verpflichtet gefühlt. Dass sie gewonnen hat, ist für Assia eine Selbstverständlichkeit. «Ich war halt die Beste. Ausserdem sah ich gut aus. Und mein Lied war das beste, das schönste von allen. Kein Rock’n’Roll, sondern schlicht und ergreifend: Text und Melodie. Fertig.»

Die Schweizerin fühlt sich bis zu ihrem Tod mit dem Eurovision Song Contest verbunden. Er sei ein Heim für sie. «Da kennt und mag man mich, da blühe ich auf. Der Contest ist mein Lebenselixier.» Und deshalb verfolgt sie den Wettbewerb nicht nur als Zuschauerin, sondern auch weitere Male als Teilnehmerin. Zuletzt will sie es 2012 nochmals wissen - obwohl sie sich längst aus der Musikszene verabschiedet hat - und tritt bei der Vorentscheidung an, doch landet weit hinter den Erstplatzierten, dem Tessiner Duo Sinplus.

Hund wird bei Überfall getötet

Privat muss Lys Assia mehrere Schicksalsschläge hinnehmen. Nach nur neun Monaten Ehe verstirbt 1957 ihr erster Mann, der Zürcher Industrielle Henry Kunz, an einem Herzleiden. 1963 heiratet sie den dänischen Hotelier Oscar Pedersen, dem sie in dessen Heimat folgt. Von dort aus unterstützt sie ihn beim Aufbau mehrerer Hotels auf der ganzen Welt. 1995 verunglückt ihr Mann bei einem schweren Autounfall tödlich. Auch sie sitzt im Auto, liegt erst im Koma und ist danach für mehrere Monate an den Rollstuhl gefesselt. Von ihren Hunden muss sie sich ebnso auf tragische Weise verabschieden: Lange Zeit lebt sie in Cannes, geniesst das Leben an der Côte d'Azur. Doch am Silvesterabend am 31. Dezember 2004 wird sie daheim überfallen und niedergeschlagen - sie überlebt, aber ihr geliebter Hund, Kaninchendackel Lucky wird bei dem Einbruch getötet. Zu viel für Assia. Nach 38 Jahren kehrt sie Frankreich den Rücken und zieht zurück in die Schweiz, nach Erlenbach an der Zürcher Goldküste.

Eigene Kinder hat Lys Assia keine, obwohl sie sich welche gewünscht hätte. In einem Interview mit dem «Blick» zu ihrem 90. Geburtstag sagte sie: «Ich war einmal schwanger, es war ein Bub. Es war mir leider nicht bestimmt, diesen Buben auf die Welt zu bringen.» Es habe nicht sollen sein und sie wolle nicht darüber nachdenken, was nicht ist oder was sein könnte. 

Die Sängerin mag zwar eine starke Stimme haben, auf ihr Herz aber trifft dies zu Lebzeiten nicht zu. Ende der 1990er-Jahre müssen ihre Herzklappen ausgetauscht werden, 2011 bekommt sie einen Herzschrittmacher. 2012 der nächste Schock: Da ihr Hausmädchen nicht daheim ist, will sie selbst Wäsche waschen, was ihr zum Verhängnis wird. Ein Kleidungsstück fällt hinter die Waschmaschine, sie will es aufheben - und bekommt einen Stromschlag. Sie stürzt, fällt glücklicherweise auf ein Handtuch. Mit Mühe kann sie sich wieder aufraffen und ihren Arzt anrufen, der sie sofort ins Spital einweist. Assia hat Glück, einen grossen Schutzengel und steht wieder auf, wie sie es schon einige Male zuvor getan hat. Ihr Lebenscredo und Schönheitsgeheimnis lautet: «Man darf sich nicht gehen lassen!» Sie nehme sich jeden Tag etwas vor, kleide sich chic und ernähre sich gesund. «Und zwischendurch ein Glas Champagner!», sagt sie einst zur «Schweizer Illustrierten». So kann Assia bis zum Schluss ein erfülltes Leben mit seinen Höhen und Tiefen leben.

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