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  3. Die «Elle» erklärt die schwarze Hautfarbe zum Trend und erntet Kritik

Hautfarbe ist kein Trend, liebe «Elle»

Eigentlich sind wir alle orange

In der aktuellen Ausgabe verkündet die deutsche Modezeitschrift «Elle», Schwarz sei total angesagt – und zwar nicht nur was die Mode, sondern auch was die Hautfarbe betrifft. Autsch! Es als Fehltritt zu bezeichnen, wäre noch harmlos ausgedrückt. Und wenn es nach einem Farben-hörenden Cyborg geht, sind wir sowieso alle orange.

Wir sind alle orange

Jede Hautfarbe sollte in der heutigen Zeit akzeptiert und gleich stark vertreten sein. 

Getty Images/EyeEm

Was als Anerkennung von Diversity gemeint war, ist ein Schuss in den Ofen. Mit der November-Ausgabe will die deutsche «Elle» die Wiederkehr der Farbe Schwarz zelebrieren und gleichzeitig die Tatsache hervorheben, dass dunkelhäutige Models noch nie so gefragt waren wie heute. Das Cover der Zeitschrift ziert ein weisses Model und der Titel lautet «Back to Black». Ähm, okay...

Blättert man ein bisschen weiter, werden auf einer Seite sechs inspirierende «Models of Colour» zu Supergirls ernannt. Dabei ist der Zeitschrift ein weiterer, dramatischer Fehler unterlaufen: Sie stellen zwar die 24-jährige Janaye Furman vor, haben aber nicht ein Bild von ihr, sondern eines des jamaikanischen Models Naomi Chin Wing verwendet. Ja, auch wir sind sprachlos. 

Klar, dass die Aktion neben haufenweise Kritik aus dem Netz und der Fashion-Szene auch für Empörung bei den dunkelhäutigen Models sorgte. An die «Elle» gerichtet, schrieb Laufsteg-Queen Naomi Campbell auf Instagram:

«Ihr Fehler ist unglaublich beleidigend... Wir sind kein Modetrend, wir sind gekommen, um zu bleiben.»

Mittlerweile hat die Chefredaktorin der deutschen «Elle», Sabine Nedelchev, in einem Instagram-Post Stellung bezogen. Sie entschuldigt sich dafür, dass der Titel «Back to Black» implizieren könnte, dass die schwarze Hautfarbe ein Trend ist – was nicht ihre Intention war. Weiter schreibt sie, dass es eines ihrer Ziele war, mit der Ausgabe die Besonderheit der dunkelhäutigen Models zu zeigen. Und genau da liegt doch ein weiteres Problem! Weshalb muss man im 21. Jahrhundert dunkelhäutige Models extra hervorheben und auf einen Thron setzen? Es sollte doch einfach SELBSTVERSTÄNDLICH sein und in Sachen Hautfarbe kein Unterschied gemacht werden. Wir sind nämlich alle gleich – und zwar mehr, als ihr jetzt denkt...

Eigentlich sehen alle Menschen gleich aus

Ja, richtig gelesen! Die Aussage stammt von Neil Harbisson, dem ersten anerkannten Cyborg der Welt. Der farbenblind geborene Brite kann mittels einer Antenne, die in seinem Schädel verankert ist, Farben sozusagen hören. Ursprünglich stammte die Idee von Isaac Newton, der das Farbenspektrum in Noten zerlegte – somit hat jede Farbe ihren eigenen Klang. Die Haut der Menschen – egal ob hell oder dunkel – nimmt Neil Harbisson so wahr:

«Menschen sind nicht schwarz und weiß, wir sind alle Nuancen von Orange.»

Wäre doch schön, wenn das jeder einzelne von uns so hören... oder sehen könnte. 

Wir sind alle orange

Neil Harbisson nimmt über seine implantierte Antenne die Farben als Klänge war.

Fabienne Bühler
Von Jana Giger am 31.10.2019