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Viktumblr & Rolfstagram

Haute Couture und die billige Masche eines Statement-Shirts

Eine exklusive Kollektion gemacht für den banalen Bildschirm: Mit der Haute-Couture-Show des Designer-Duos Viktor & Rolf lässt sich auf alle Probleme der bettfaulen Instagram-Generation eine zuckerwattige Antwort geben. #mood  

Kilometerlange Stoffbahnen gerüscht und gerafft wie cremiges Softeis, so viktorianisch-opulent, als wäre der ganze Saal voller Tüll. Die Roben so ausladend wie Mähdrescher. Ja richtig: Viktor & Rolf schnippelten mit ihrer Haute-Couture-Kollektion für den Sommer 2019, die sie eben in Paris zeigten, an ihrer Wahrnehmung herum. Die meisterhaft gefertigten Kleider waren allesamt mit Memes bestickt. Es schien ganz so, als trügen die Models einen Insta-Feed mit der verzweifelten Bitte nach Gefallen um den Hals. So las man auf dem Tüll Sprüche, die wir alle kennen und mit Sicherheit schon mal geliked haben. «Sorry I'm late I didn't want to come» – witzig, ging uns allen schon so. Man schmunzelt. Aber beim hundertsten Mal eben nicht mehr.

Haben es sich die beiden Niederländer Viktor Horsting und Rolf Snoeren da nicht ein bisschen leicht gemacht? Der Clou ist schliesslich in etwa der eines Statement-Tshirts. Aussagen wie «Peace» und «I want a better world» sind ja ebenso wie «NO» und «I am my own muse» schön und gut und wichtig, aber reicht es denn aus, sie einfach auf die gesamte Haute-Couture-Kollektion zu knallen?

Wie viel Banalität verträgt die Exklusitivtät?

Nun ist die Haute Couture ja die Paradedisziplin des Schneiderhandwerks, nur die Besten zeigen in Paris. Die Entwürfe werden einzig für die Show und den geringen Prozentsatz an Frauen gefertigt, die sich diese Meisterwerke leisten können. Das Klientel ist demnach ein äusserst traditionsbewusstes und in der Regel nicht blutjung. Soll durch die Referenz zu den sozialen Medien auf Teufel komm raus eine jüngere Crowd angeworben werden?

Funktionieren tut das zumindest werbetechnisch natürlich wunderbar. Du bist genervt? Poste doch den Traum in Weiss mit dem «I'm not shy I just don't like you»-Print. Optional auch die Candy-Variante, die «Go fuck yourself» schreit. Du hast keinen Bock auf Arbeit? Lade das «F* this I'm going to Paris»-Kleid hoch. Du hast mal wieder keine Lust auf deine Verabredung und würdest lieber netflixen? Viktor & Rolf haben «Sorry I'm late I didn't want to come» in Ultraviolett für dich. Die locker-flockige Couture für die Insta-Story erklärt Rolf Snoeren mit einem «merkwürdigen Widerspruch», der sich aus der Banalität der sozialen Medien und der Exaltiertheit der Kleider ergibt.

Wenn schon nicht ready-to-wear, dann wenigstens ready-to-post

Stimmt schon, es ergeben sich Spannungen. Und zugegeben, der mit «No photos please» bestickte Regenbogen ist angesichts der mit iPhones bewaffneten Front Row an Ironie kaum zu übertreffen. Nun sind Viktor & Rolf nur leider nicht die Ersten und Einzigen. Man denke nur an Demna Gvasalia, der durch Vetements und Balenciaga längst mit den Ungereimtheiten der Gesellschaft spielt. Da war doch zum Beispiel das überteuerte DHL-Shirt. Und das war ein Statement-Tshirt. 

 
Von Linda Leitner am 24. Januar 2019