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Revival des Po-Blitzers

Frage an unsere Hosen: Wie tief ist zu tief?

Ein Comeback war früher etwas magisches. Ostern zum Beispiel. Heute aber scheint ständig wieder irgendetwas oder irgendwer wiederzukommen. In der Mode gerade alles, was in den Nullerjahren gut war. Allem voran die Hüfthose. Wann ist so ein Zurückrücktritt aber gelungen und wie tief kann sie noch sinken, um weiter für Schlagzeilen zu sorgen?

MILAN, ITALY - SEPTEMBER 24: Emily Ratajkowski walks the runway at the Versace fashion show during the Milan Fashion Week - Spring / Summer 2022 on September 24, 2021 in Milan, Italy. (Photo by Jacopo Raule/Getty Images)

Die Hüfthose liegt dann tief genug, wenn man allfällige Arschgeweihe oder Unterhosen sieht. Oder wie auf der aktuellen Versace-Show: einen abgeklebten Schritt (wenn man genau hinschaut, hier an Emily Ratajkowski).

Getty Images

Ein gelungenes Comeback hat bis heute etwas Erhabenes. Damit es aber ein gelungenes wird, sind zwei Voraussetzungen zu erfüllen. Erstens: Der, die oder das Zurückkommende muss vorher weg gewesen sein (looking at you, Cher). Zweitens: Er, sie oder es muss vorher in aller Munde gewesen sein (sonst führt der Weg eher ins Dschungelcamp). Über ein geglücktes freut man sich. Über das andere lacht man. Alle beide sorgen für einen Fluss an Schlagzeilen. Noch nicht ganz klar ist, welche Art von Rückkehr die Hüfthose darstellt. 

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Mode basiert nun mal auf Zyklen. Das Neue – das wirklich Neue – ist selten. In der Popkultur und in der Mode kommt es praktisch nicht mehr vor. Denn es hat es viel schwerer als die Variation von Bekanntem. Die Menschen sehnen sich nach Wiedererkennung. Dass Dinge aus den Neunzigern und Nullerjahren zurück sind, liegt daran, dass alle, die Trends beeinflussen ihrerseits auf Einflüsse aus der Zeit zurückgreifen, in der sie sozialisiert wurden. Tiefste Empfindungen spielen da mit. Eine Reise in ein verlorenes Paradies der Kindheit. Denn erwachsen zu sein, ist manchmal nur allzu schwer. Leichtigkeit wird da ab und zu gebraucht. So eine, wie man sie früher, vor der ganzen Verantwortung verspürt hat. Und aktuell wird diese Leichtigkeit des Seins eben an der Weite des Hosenbundes gemessen.

Richtig tief, richtig zurück?

Man sieht sie immer öfter. An Rihanna, an Bella Hadid. Entweder mit Blick auf die Hüftknochen oder die Unterhose drunter. Sängerin Halsey trug an einem Konzert letztens eine aus Leder. Oder: Vor allem trug sie einen Tanga und darüber etwas Hüfthose. Tiefer geht nicht mehr.

Zu tief? Zu verrückt? Wir stellen uns diese Fragen – und ist damit das Comeback der Hüfthose gescheitert? Das ehemalige Model, Frankreichs ehemalige First Lady Carla Bruni hat in den 90s mal gesagt: «Die Mode von gestern ist schon heute unmodisch». Sie wusste damals schon: «Von lang zu kurz und von kurz zu lang. Von eng zu weit und von weit zu eng. Das alles kommt nicht überraschend, sondern es ist heute brav, weil es letztes Jahr wild war. Und morgen wird es wild sein, weil es dieses Jahr brav war.»

Für die Hüfthose heisst das vielleicht also folgendes: Gerade weil wir denken, die Hose bei den einschlägigen Trendsettern sitzt so tief, dass wir uns einen Gürtel herbeisehnen, ist das Revival geglückt. Die wilde tiefe von heute ist morgen schon wieder zu brav. Offen bleibt nur, wie lange das Heute sein wird und wann der Morgen und damit der Aufstieg der Hose wieder beginnt – und ob das auf der Hüfte sitzende Beinkleid dann ein für alle mal zur Legende wird.

Von zin am 11.10.2021
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