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Einheitlich für Individualismus

Für wen ist eigentlich One Size? Für uns nicht.

Eine Grösse, die an allen gut aussehen soll, kann ja nur Blödsinn sein. Alle reden von Body Positivity und trotzdem hält sich das Konzept One Size hartnäckig. Wir haben einfach mal alle das gleiche T-Shirt angezogen. Joa, passt schon.

One Size
One Size
One Size
T-Shirt wechsle dich! Die Redaktion probiert sich durch ein Loose-Fit-Shirt in Einheitsgrösse. Bei Probandin 1 ist das Shirt figurbetont statt loose.

Eine für alle, alle für eine. Was so tapfer und treu klingt und sich zur Demokratisierung der Mode aufzuschwingen versucht, ist nichts anderes als eine feige und ziemlich einseitige Vermarktungsstrategie. Feige, weil sich durch One Size einer gewissen Verantwortung entzogen wird. Nämlich der, alle Menschen – ob klein, gross, dick oder dünn – gleich zu behandeln. Genau das proklamiert man zwar damit vordergründig, aufgehen tut es natürlich nicht. Das Shirt, das wir alle in der Galerie tragen, soll locker sitzen. Dieser Loose Fit kann aber nicht jedem granantiert werden. Denn in die Einheitsgrösse passen nur die, die auch reinpassen sollen. Nicht die, die wollen.

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One-Size-Brands wie Brandy Melville schneidern für und werben mit jungen, schlanken Instagirls, die den Content für die sozialen Medien natürlich bereitwillig selbst liefern. So entsprechen die Masse der schnell produzierten Klamöttchen weniger uns allen als einem schlacksigen Victoria`s-Secret-Model. Für wen wird die Einheitsgrösse also gemacht? Lediglich für diesen einen Körpertyp.

Wer nicht reinpasst, ist also schlechter?

Wer mehr als ein Bein in einen Brandy-Melville-Rock stecken kann, darf sich freuen. Darf aber auch gleichzeitig ein schlechtes Gewissen haben, weil er sich mit diesem Gedanken über den «fetten» Rest erhebt. One Size züchtet eine gefährliche Armee heran, deren Sucht nach Selbstoptimierung durch die puppenhaften Kleider an ihrem Körper mehr als befriedigt werden dürfte.

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Dabei wollen doch immer alle so einzigartig sein! Herausstechen aus der Masse. Das hören wir von Heidi bei GNTM genauso wie von Dieter bei DSDS. Nicht im Einheitsbrei mitschwimmen soll man im besten Falle. Passt das zu etwas, das allen passt? Wie gesagt, die Rechnung geht nicht auf. Seid gross, seid klein und seid froh, eine eigene Konfektionsgrösse zu haben!

Von Linda Leitner am 22. Februar 2019