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  4. Internet-Aufreger: Kim Kardashian soll an der Met Gala Mariln Monroes Kleid beschädigt haben – dabei sind Kleider da, um getragen zu werden

Stoff fürs Museum?

Kleider sind zum Tragen da – auch Marilyn Monroes

Kim Kardashian trug auf der Met Gala ein Fünf-Millionen-Dollar-Kleid von Marilyn Monroe. Mittlerweile wird ihr vorgeworfen, den Stoff während der zweistündigen Tragezeit zerstört zu haben. Das Internet ist erzürnt. Wie kann sie nur? Ist das Kleid nun kaputt und damit entwertet? Ist ein Stück amerikanische Geschichte dahin? Vielleicht müssen wir uns alle mal etwas beruhigen. Es ist nur ein Kleid. Und Kleider sind zum Tragen da.

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Das Internet ist erzürnt – Kim Kardashians Auftritt an der Met Gala hat am geliehenen Marilyn-Monroe-Kleid Spuren hinterlassen. Skandal.

imago/NurPhoto

Wir erinnern uns: Kim Kardashian erschien zur diesjährigen Met Gala im Mai in Marilyn Monroes berühmtem «Happy Birthday, Mr. President»-Kleid aus dem Jahr 1962. Keinem Replikat. Sondern im Original-Kleidungsstück selbst. Einer Leihgabe des Museums Ripley's Believe It or Not! Kardashian hat nach eigenen Angaben innerhalb von drei Wochen 7 Kilo abgenommen, um es tragen zu können. So ganz hat es wohl dennoch nicht passen wollen. 

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Die «The Marilyn Monroe Collection» (dahinter steht Scott Fortner, ein privater Sammler von Monroe-Memorabilien) hat diese Woche Fotos im Netz veröffentlicht, die zeigen sollen, dass Kardashian das berühmte Kleid, das teuerste Kleid, das mit 4,8 Millionen Dollar jemals auf einer Auktion verkauft wurde, während der gerade einmal zwei Stunden, die sie es getragen hat, ruiniert hat. Der zarte Seidenchiffon weise entlang des Rückenverschlusses Risse auf, Kristalle fehlten, einzelne Pailletten sollen nur noch lose an einem einzigen Faden hängen.

Die Aufregung im Internet ist gross. Man fühlt sich bestätigt, denn schon beim Anblick der Social-Media-Dominatrix vor ein paar Wochen riefen diverse Expert*innen, dass der Stoff des über 60 Jahre alten Kleids, in dem Monroe John F. Kennedy 1962 ein Geburtstagsständchen gesungen hatte, zu empfindlich sei, um es auszuführen. Auch der damalige Designassistent Bob Mackie, der das Kleid einst half anzufertigen, äusserte Einwände: «Marilyn war eine Göttin. Das Kleid wurde für sie entworfen. Niemand ausser ihr sollte darin gesehen werden», sagte der 82-Jährige im Mai gegenüber «Entertainment Weekly». Aber wisst ihr was? 

Es ist nur ein Kleid

Der Grund, warum dieses Stück Stoff so berühmt wurde, hatte fast nichts mit dem Kleid selbst und alles mit der Frau zu tun, die darin steckte. Es ging darum, dass Monroe 1962 einen Weg fand, nackt zu sein, während sie bekleidet war, indem sie nichts unter einem Kleid trug, das durchsichtig erschien, ohne es tatsächlich zu sein. Ohne ihre gehauchte, weiche Schönheit, die es belebt, ist es einfach nur ein schönes Kleid. Schön, es nach all der Zeit noch zu haben, schön, es noch anschauen zu können.

Kardashian sah darin natürlich sehr hübsch aus, aber hätte man uns nicht gesagt, dass es sich um dieses spezielle Kleid handelt – wir hätten es nicht erkannt. Es ist nur ein Kleid.

Ist das Kleid nun kaputt und damit entwertet?

Nicht entwertet. Es wurde umgewertet. Man kann sich doch freuen, wenn Exponate nicht museal erstarren. Man könnte sagen, Kardashian hat das Kleid mit heutigen Werten aufgeladen. Zum Beispiel: Monroe sah damals in diesem funkelnden Nichts unheimlich verletzlich, nackt aus, nicht »nude«, wie die Amerikaner sagen. Die glitzernde Vergänglichkeit. Die Kardashian ist im Gegensatz zur Monroe hochgerüstet. Ein neuer Ikonen-Standard im alten Kleid.

Ausserdem hat Kardashian das Kleid aus dem Museum geliehen, insofern könnte man es auch das supernachhaltige Showcasing eines amerikanischen Mythos nennen. Und die paar Stretchmarks, die dazu gekommen sind, stehen ihm immer noch besser, als ein Zentimeter Museumsstaub.

Von zin am 16. Juni 2022 - 18:00 Uhr
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