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Alfredo Häberli im Interview

«Beobachten ist die schönste Form des Denkens»

Zum 60-Jahr-Jubiläum der ikonischen DiaStar von Rado gestaltete der renommierte Schweizer Produktdesigner Alfredo Häberli eine Spezialedition. Wir sprachen mit ihm über Rado, die Kunst des Beobachtens und die Seele seiner Werke.

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Interview Alfredo Häberli

Alfredo Häberli in seinem Studio im Zürcher Seefeld.

Rado

Style: Was war Ihnen wichtig beim Design der DiaStar 60-Year Anniversary Edition?
Alfredo Häberli: Ich wollte respektvoll mit der Geschichte der Uhr umgehen. Sie ist 60 Jahre alt und hat ein sehr prägnantes Design. Dieses anzuerkennen und ins Heute zu bringen, war essenziell im Entwurf und im Prozess des Designs. Zudem hatte ich die Vorgabe, ein anderes Werk mit einem grösseren Ziffernblatt zu verwenden. Dies führte schlussendlich zu einem kompletten Redesign des Uhrengehäuses, was ich versuchte, mit der nötigen Vorsicht und Demut gegenüber dem alten Design umzusetzen.

Weshalb gerade Rado?
Rado steht für Innovation und Design. Ausserdem legt die Marke grossen Wert auf die Materialrecherche. Auch deshalb ist unter anderem vor 60 Jahren die erste kratzfeste Uhr auf den Markt gebracht worden – die DiaStar. Diese Grundsätze passen zu meiner Philosophie als Designer. Es war eine grosse Ehre für mich, eine solche Edition gestalten zu dürfen. Eine Uhr zu entwerfen, war schon lange ein Wunsch von mir. Jetzt – nach 30 Jahren – ist es endlich so weit.

Haben Sie einen besonderen Bezug zum Thema Uhren?
Ja, das Ganze hat schon vor einigen Jahren begonnen. Ich habe mit 18 Jahren die Uhr bekommen, die mein Vater ebenfalls zu seinem 18. Geburtstag von seinem Vater erhalten hatte. Danach habe ich selbst angefangen, Uhren zu sammeln. Dies aber mehr mit der Intention, diese Uhren auch zu tragen und nicht als Wert-Investition. Das führte dazu, dass ich heute eigentlich jeden Tag eine andere Uhr trage. Zurzeit natürlich vermehrt solche von Rado.

Woher holen Sie sich bei der Arbeit Ihre Inspiration?
Aus dem Alltag. Ich arbeite nach dem Motto: Beobachten ist die schönste Form des Denkens. Man erhält dadurch ein gewisses Auge für optische Dinge und sieht überall Sachen, die einen inspirieren.

Worauf achten Sie bei Ihren Designs?
Bei einem guten Werk oder Kunstwerk passiert etwas zwischen dem Objekt und der Person, die es betrachtet. Ausserdem ist Innovation elementar für mich. Das bedeutet, Tradition wahrzunehmen und Innovation hineinzubringen. Ob das ein neues Material ist, eine neue Typologie oder eine Art, etwas zu betrachten. Das Wichtigste ist, dass das Produkt eine Seele hat. Obwohl das nicht immer ganz einfach ist.

Haben Sie neue spannende Projekte geplant?
Die Anfragen sind sehr vielseitig, oft laufen viele Projekte nebeneinander. Gerade in diesen Tagen habe ich die Aufgabe erhalten, ein Gravel-Bike zu gestalten. Für das Jahr 2023 sind bereits die Lancierung eines Golfsets und mein autobiografisches Buch mit dem Titel «Verbal gekritzelt» geplant, das im Verlag Scheidegger & Spiess erscheint.

Von Stefanie Ponca am 19. Dezember 2022 - 12:00 Uhr