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Slow Fitness

Ganz entspannt zu mehr Muskeln

In der Ruhe liegt die Kraft: Wieso schonende Trainings im Trend liegen und unser sonstiges Workout perfekt ergänzen.

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Beim Dehnen entschleunigen – und den Körper so richtig spüren.

Getty Images

Der Schweiss tropft, die Muskeln brennen, und die Endorphine schwemmen den Körper – ja, so ein richtig hartes Training kann auch richtig glücklich machen. Nicht umsonst boomen verschiedene Formen des sogenannten HIIT (hoch-intensives Intervalltraining). Im Gegensatz dazu steht ein anderer Trend: Slow Fitness. Gemeint sind damit alle Workout-Formen, bei denen die Entschleunigung den Takt vorgibt. 

Reinfühlen statt Auspowern lautet die Devise. «Im Fokus steht das ganz bewusste Körpererlebnis», erklärt Christine Joerin, die in Zürich nach der PSFL (psychosomatische Funktionslehre) unterrichtet. «Was passiert mit meiner Schulter, wenn ich den Arm nach oben strecke?» oder «Wie reagiert meine Hüfte, wenn ich das Knie anwinkle?» seien Fragen, die das Training bestimmten. Nach den ersten Übungen im Stehen fragen wir uns vor allem, wieso wir vorher noch nie gespürt haben, dass es bis in die Bauchmuskeln zieht, wenn wir unsere Fusssohlen anspannen. «Das sind die Faszien», erklärt Joerin. Faszinierend!

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In der Tiefe liegt die Kraft

Der Grundgedanke hinter Slow Fitness: Über sanfte Bewegungen Körper und Geist in Einklang zu bringen. Das ist den fernöstlichen Trainingsmethoden, welche ebenfalls einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen, nicht unähnlich. Viele Bewegungen erinnern denn auch an Asanas und Pilates-Übungen. «In der Tendenz ist Slow Fit aber noch schonender». Deshalb ist Joerins Klientel im Schnitt auch deutlich älter als im herkömmlichen Yoga-Studio. «Es kommen aber auch jüngere Leute, die tief sitzende Verspannungen vom Sitzen am Schreibtisch lockern möchten.» Ausserdem eignet sich das besonders schonende Trainingsprogramm bei Verletzungen.

Durch sorgfältig aufgebaute Abläufe wird das Zusammenspiel von Muskeln und Knochen gefördert. «Dabei kommen insbesondere die tieferliegenden Muskeln zum Einsatz, die sonst oft vernachlässigt werden», sagt Joerin. So könne Gelenk- und Rückenschmerzen vorgebeugt werden. Aus genau diesem Grund ist Slow Fitness auch eine ideale Ergänzung zu anstrengenden Trainingsprogrammen.

Bye-bye, Muskelkater

Inzwischen sind wir auf dem Boden angekommen, wo wir mit Schwung verschiedene Drehpositionen einnehmen. Durch leicht wippende Bewegungen wird das Gewebe zusätzlich aufgelockert. Und siehe da – wie von Zauberhand löst sich im Hüftbeuger der Muskelkater, der sich seit dem letzten Zirkeltraining hartnäckig gehalten hatte. 

Über die rein verbale Anleitung wird das Hineinhorchen zusätzlich unterstützt. «Niemand turnt komplizierte Verrenkungen vor, die man möglichst gut nachmachen möchte», bringt es Joerin auf den Punkt. Der eigene Körper zeigt die Grenzen auf. Bei den abschliessenden Übungen im Gehen kommt auch das tänzerische Element der PSFL zum Tragen. Beim federnden Gehen wird die Koordination geschult – und die Konzentration einmal mehr ganz nach innen gelenkt.

Ein angenehm leichtes Gefühl der tiefen Entspannung gleitet durch die Glieder. Nach einer Stunde Slow Fit sind wir zwar nicht nass geschwitzt, fühlen uns aber trotzdem wie neu geboren.

Von Marlies Seifert am 20.09.2019
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