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«Hör doch mal mit der blöden Diät auf»

Ich bin vegan und die Gesellschaft hasst mich

Vor knapp zwei Jahren entschied sich Redaktorin Denise dazu, sich pflanzlich zu ernähren. Wieso sie sich dafür nicht nur positives Feedback anhören muss? Pünktlich zum Weltvegantag erzählt sie uns davon.

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Style-Redaktorin Denise ernährt sich seit zwei Jahren ausschliesslich pflanzlich.

Style

Seit knapp zwei Jahr ernähre ich mich nun vegan. Der Entscheid dazu kam nach einem Testmonat. Die Gründe? Ich war schon über einen längeren Zeitraum Vegetarierin und doch hatte ich den Tieren gegenüber ein schlechtes Gewissen. Die Massentierhaltung betrifft eben nicht nur die Fleisch- und Fischproduktion, sondern auch die der Milch und Eier. Zudem plagten mich seit JAHREN immer wiederkehrende Blasenentzündungen. Als ich mal wieder leidend mit meinem Kirschkernkissen im Bett lag, recherchierte ich im Internet und wurde über diverse Foren darauf aufmerksam, dass eine pflanzliche Ernährung ein wahres Wundermittel gegen mein schmerzhaftes Übel sei. Grund genug für mich, zu starten. Und ich muss sagen, die Umstellung viel mir nicht schwer. Als der vegane Monat vorbei war, fühlte ich mich so gut, dass ich am Ball blieb – bis heute. Ohne eine einzige Blasenentzündung.

Das einzige, das mich neben dem Verzicht auf Käse seither nervt, sind die Kommentare meiner nicht-veganen Mitmenschen. Ja, ich esse kein Fleisch, und nein, auch keine Milchprodukte. So what? Egal in welcher Runde ich mich befinde, ich muss mich dafür rechtfertigen. Zuerst einmal wollen natürlich alle wissen, wieso ich denn diese «verrückte» Entscheidung getroffen habe. Vielleicht sollte ich den ersten Abschnitt dieses Artikels in Zukunft ausdrucken und mit mir führen, dann muss ich die obigen Sätze nämlich nicht mehr auswendig aufsagen.

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Wenn Oma und Opa sich sorgen

Auf meine Erklärung folgt dann mit einer Wahrscheinlichkeit von 99% der Satz: «Wow. Also das könnte ich wirklich nicht.» Hab ich dich gefragt? Nein. Was danach kommt, macht mich wütend. Seit fast einem Jahr wohne ich mit meinem Freund zusammen, der nicht vegan isst. Und nein, das ist kein Problem für mich. Ich versuche nämlich, ganz im Gegenteil zu allen Vorurteilen, niemand zu bekehren, sondern lebe ganz nach dem Motto: «Jeder wie er mag». Egal. Da ich meistens früher aus dem Büro komme als er, koche in der Regel ich. Beruhigt euch. Das mache ich nicht, weil ich eine Frau bin, sondern weil ich einfach gern koche. Die Frage, ob mein Freund dazu «genötigt» wird meinen veganen «Frass» zu essen macht mich wirklich rasend. Erstens: Mein Freund mag diesen «Frass» eigentlich ganz gern. Zweitens: Wenn er dann doch mal keine Lust darauf hat, macht er sich eben selbst etwas anderes. «Genötigt» wird hier also niemand. Noch schlimmer wird es bei den älteren Generationen. Zitat meiner Oma:

Mensch Kind, du wirst auch immer dünner. Jetzt hör doch mal mit dieser blöden Diät auf. 

In Wahrheit habe ich seit circa drei Jahren kein einziges Gramm mehr ab- oder zugenommen. Oma, Opa, ich hab euch lieb, aber sowas nervt. Veganismus ist keine Diät. Inzwischen habe ich es aber aufgegeben, meiner Familie das beizubringen. 

Ich wiederum sorge mich um euch

Als würde es nicht schon reichen, dass ich mich ständig vor meinen Mitmenschen rechtfertigen muss, nein, die Lebensmittelindustrie muss mich auch noch dissen. Ab und an kommt es vor, dass auch ich Lust auf einen Burger bekomme. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass ich aus Überzeugung kein Fleisch esse und nicht, weil es mir nicht schmeckt. Daher kaufe ich mir eben manchmal planzliche Bugerpatties oder «Fisch»-Stäbchen. Was auffällt: Im Vergleich zu der Fleischvariante kosten die veganen Alternativen entweder genau so viel oder sogar mehr. Wie kann es sein, dass ein Produkt von einem toten Lebewesen günstiger ist als sein pflanzliche Pendant? Das möchte einfach nicht in meinen tierfreundlichen Kopf. Zudem gibt es natürlich viel weniger Auswahl. Da wiederum bin ich recht zuversichtlich, dass sich das in den nächsten Jahren ändern wird. 

Also! An all meine lieben Freunde, Familie und sonstige Menschen: Anstatt, mich immer dafür rechtfertigen zu müssen, wieso, warum und weshalb ich vegan esse, solltet ihr euch lieber mal an die eigene Nase fassen. Denn: Müsstet ihr euch nicht eigentlich viel mehr dafür erklären, wieso um Gottes Willen ihr 2019 immer noch zu tierischen Produkten greift? Ah ne, stimmt. Stammt ja alles direkt vom Bauernhof um die Ecke und ist Bio... Ist klar.

Von Denise Kühn am 01.11.2019
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