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Wie Millennials die Ehe wieder cool machen

Wir tun es nicht mehr so oft, aber wenn, dann tun wirs richtig: So geht Heiraten 2019.

Chiara und Fedez Hochzeit

Chiara Ferragni und Gatte Fedez feierten ein rauschendes Hochzeitsfest.

instagram.com/chiaraferragni

Knapp 40'000 Paare haben 2018 geheiratet – rund zwei Prozent weniger als noch im Jahr davor. Im Gegensatz zu den Neunziger- und Nullerjahren wird nicht mehr jede zweite, sondern jede dritte Ehe geschieden. Wir binden uns also seltener vor dem Gesetz, dafür aber langfristiger. So haben Millennials das Konzept der Ehe auf den Kopf gestellt und an ihre Bedürfnisse angepasst:

Sich bewusst dafür entscheiden

Kennenlernen, heiraten, zusammenziehen, Nachwuchs bekommen – diese Reihenfolge haben wir über den Haufen geschmissen. 1981 wagten Männer mit 27,5 Jahren den Schritt in die Ehe, Frauen mit 25. Inzwischen heiraten wir rund fünf Jahre später. Millennials wohnen meist schon jahrelang zusammen, bevor sie sich aus vollem Herzen für die Ehe entscheiden. Viele haben zu diesem Zeitpunkt sogar schon gemeinsame Kinder. Lässt sich nämlich alles auch ohne Ring am Finger regeln. 

Dem gesellschaftlichen Druck, mit Mitte zwanzig unter der Haube zu sein, mögen sich viele nicht mehr beugen. Millennials wollen vor allem eins: echte Liebe. Aber: Eine Partnerschaft muss nicht ewig halten, wenn sie uns nicht guttut. Deshalb wagen wir auch Anfang 30 noch einen Neuanfang – und entscheiden uns vielleicht bewusst gegen eine Hochzeit.

Oder wir machen es wie Miley Cyrus und Liam Hemsworth, die sich erst verlobten, dann trennten, nach mehreren Jahren wieder zusammenfanden und am Ende dann doch vor dem Traualtar landeten. Hach!

Es richtig krachen lassen

Auch Star-Bloggerin Chiara Ferragni und Rapper Fedez wurden Eltern bevor sie den Bund der Ehe eingingen. Unter dem Hashtag #TheFerragnez feierten sie ein Hochzeitsfest, das an Dekadenz kaum zu überbieten war – private Chilbi inklusive. Selbst wenn wir nicht über ein Millionenvermögen verfügen, so haben auch wir Otto-Normalverdiener mit Anfang 30 in der Regel genug angespart, um richtig auf den Putz zu hauen. 

Was wir nicht brauchen: Stabmixer, Leintücher, Geschirrset und Staubsauger für den gemeinsamen Haushalt. Haben wir alles schon. Was wir brauchen: die Anwesenheit und Feierlaune unserer Liebsten. Nicht selten werden Hochzeiten zum mehrtägigen Event an einem schönen Ferienort im Ausland. Dafür verzichten wir gerne auf die weisse Pferdekutsche und den Hochzeitsspalier mit Rosen. Mehr dazu unter dem nächsten Punkt.

Mit Traditionen brechen

«Sie dürfen die Braut jetzt küssen», sagte der Pfarrer im Jahr 1989 vielleicht noch. Die Kirche ist längst nicht mehr der einzige Ort, an dem Ja gesagt wird. Am Strand unter Palmen, in einer Scheune auf dem Land, auf einem Berggipfel – Wedding Locations sind so bunt wie das Kaleidoskop an Hochzeitspaaren. Wir feiern den schönsten Tag unseres Lebens nicht nach dem Schema F, welches unsere Eltern und Grosseltern noch beherzigten. Die Hochzeitstorte darf gerne aus Käse sein, die ungeliebte Tante Berta wird gar nicht erst eingeladen und statt eines DJs sorgen die Gäste dank einer Karaoke-Maschine gleich selbst für die Unterhaltung. Und der Hochzeitstanz wurde sowieso vom Flashmob abgelöst. Ganz nach dem Motto: Alles kann, nichts muss.

An dieser Stelle ein Shoutout an Sophie Turner und Joe Jonas, die übercool auf das klassische Hochzeits-Brimborium verzichteten und sich in Las Vegas von einem Elvis-Imitator trauen liessen. Oder an Emily Ratajkowski und Sebastian Bear-McClard, die sich den Trauschein klammheimlich bei einem kurzen Besuch auf dem Standesamt abholten. Rock'n'Roll!

Ehe für alle ermöglichen

Laut einer aktuellen Umfrage in den USA finden 47 Prozent der Millennials, dass die Ehe für alle eine gute Sache ist. Ein gutes Drittel hat keine dezidierte Meinung zu dem Thema und nur 15 Prozent halten Hochzeiten von Schwulen oder Lesben für etwas Schlechtes. In der Schweiz befürworten laut einer repräsentativen Umfrage der Schwulenorganisation Pink Cross sogar 70 Prozent der Bevölkerung eine Öffnung der Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare.

Hoffentlich wird der Wunsch bald Realität: Im Februar dieses Jahres hat die Rechtskommission des Nationalrats der Ehe für alle grundsätzlich zugestimmt. 

Verschiedene Modelle leben

Mama, Papa, Kinder – alle haben denselben Nachnamen, alle leben unter demselben Dach. Zwar noch immer das gängigste Familienmodell, aber auch andere Formen des Zusammenlebens haben sich etabliert. Selbst unter Eheleuten. Inzwischen behalten schon über 25 Prozent der Frauen trotz Heirat ihren Namen, manche Partner bringen Kinder aus einer früheren Beziehung in den gemeinsamen Haushalt, andere sind zwar verheiratet, leben aber in getrennten Wohnungen. Gwyneth Paltrow und ihr Mann haben sich zum Beispiel für Living Apart Together entschieden.

Ihr seht, die Ehe ist 2019 vor allem eins: sehr individuell. Ganz so wie wir Millennials es mögen.

Von Marlies Seifert am 2. Juli 2019