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Schönheitsideale im Wandel der Zeit

Cassey Ho baut sich den «perfekten» Body

Fitness-Bloggerin Cassey Ho bastelt sich ihren Körper nach den Schönheitsidealen der vergangen Jahrzehnte. Das erschreckende Ergebnis >

Photoshop Instagrammerin Schönheitsideale Jahrzehnte
So sieht Instagrammerin Cassey Ho eigentlich nicht aus. Warum sie ihren Körper so extrem bearbeitet? instagram/blogilates

Ist man als Fitness-Bloggerin mit rund 1,5 Millionen Followers etwa nicht schön genug? Laut der typischen Körperideale der vergangenen Jahrzehnte offenbar nicht. Wie auch? Alle paar Jahre verändert sich die Form der «perfekten» weiblichen Figur so enorm, dass man auch mittels extremer Diäten und straffem Workoutplan unmöglich hinterherkommen kann. Dass das alles ziemlich absurd ist, wussten wir schon vorher. Trotzdem schockiert Cassey Ho nun via Instagram mit einer, naja sagen wir mal, ziemlich beeindruckenden Fotoreihe. Was sie dort präsentiert: Eine Abwandlung ihres Körper, entsprechend der Schönheitsideale der Vergangenheit. Sieht echt aus, ist aber eine gekonnte Täuschung mittels Photoshop. 

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Den Anfang macht dabei die Gegenwart. Wie man 2018 am besten auszusehen hatte? Joa, wie die Kardashians eben. Schmale Taille, ausladende Hüften und ein grosser runder Po auf dem man ein Glass abstellen könnte. Selbstverständlich zeigt sich das Gesäss dabei trotzdem ohne jegliche Delle. Wie das anatomisch überhaupt funktionieren soll? Das weiss wohl nur Kim K. 

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Danach nimmt Cassey den «perfekten» Körper der Mid-90s und 2000er ins Visier. Hallo Victoria's Secret. Hallo extra lange Beine mit Thigh Gap, flacher Bauch und grosse Brüste. Diesen Standard haben wir wohl ganz klar der Barbie zu verdanken. 

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Den Look der 1990er kennen die Modebewussten unter uns als «Heroin Chic». Ja genau, vor 25, 30 Jahren war es in, dem Körper einer Drogensüchtigen nachzueifern. Vor allem eine galt damals als Ikone für herausstehende Schlüsselbeine und Hüftknochen, dürre Beine und einen ziemlich flachen Po: Kate Moss. Klingt doch richtig gesund, oder?

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1950: Was Frauen wollten war eine sexy 90-60-90-Figur à la Marilyn Monroe und Elizabeth Taylor. Eine kurvige Sanduhr galt dazumal als das anzustrebende Goal, «Sex sells» das Motto. 

In den 1920ern war wiederum genau das Gegenteil Trend. Einen androgynen Body ohne Kurven verschafften sich die Frauen – falls sie nicht von Natur aus damit gesegnet waren – mit dem Abbinden ihrer Brüste und Hüften.

Oh, und schon wieder anders. In der italienischen Renaissance, von 1400-1700, galt ein wohlgenährter Frauenkörper als Zeichen des Wohlstands. Dellen, ein Bäuchlein und aneinander reibende Oberschenkel waren zu dieser Zeit kein Makel, sondern erstrebenswert. 

Cassey verdeutlicht mit ihren gephotoshopten Fotos das oben stehende Problem. Es ist für Frauen einfach unmöglich immer dem aktuellen Schönheitsideal zu entsprechen. Was dann folgt? Das Original. Die Real-Life-Cassey. 

Zum Glück weiss die junge Fitness-Liebhaberin, dass sie schön ist – auch ganz ohne Bildbearbeitung. Mit ihrem Experiment möchte sie ihre Followers aufrufen, sich von der Schönheitsindustrie nicht unter Druck setzen zu lassen. Unter dem Foto schreibt sie: 

«Wieso behandeln wir unsere Körper, wie wir Mode behandeln? Wer sagt uns überhaupt, was in ist und was nicht? [...] Bitte behandelt eure Körper mit Liebe und Respekt und unterliegt bloss nicht dem Beauty-Standard. Liebe deinen Körper, weil er DEIN eigener perfekter Körper ist.»

Worte, die wir uns in Zeiten von weichzeichnenden Social-Media-Filtern, Photoshop und Facetune wohl alle etwas mehr zu Herzen nehmen sollten. 

Von Denise Kühn am 4. April 2019