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  4. Cellulite verringern? Mit welchen Methoden? Wo verläuft dabei die Linie zwischen Akzeptanz und Optimierung?

Selbstoptimierung oder Akzeptanz?

Geht Cellulite weg – oder muss man sie akzeptieren?

Fast 90 Prozent der weiblichen Bevölkerung hat sie – trotzdem: Normal ist sie nicht. Es gibt Cremes, Massagen, Eingriffe, die dagegen helfen sollen. Sind diese Mittelchen aber überhaupt ihr Geld wert?

Rear view of group of women with different body type in underwear standing together on white background. Cropped shot of diverse females in lingerie with their arms around each other.

Was hilft gegen Orangenhaut und wann muss man sie einfach zu akzeptieren lernen?

Getty Images

Der findige Kopf, der es geschafft hat, unebene Haut – obwohl sie bei 90% der Frauen so aussieht –, als Abnormalität und Problem zu verkaufen, gehörte einer Frau. Die Erstbeschreiberin von Cellullite war Nicole Ronsard. Eine Betreiberin eines New Yorker Schönheitssalons. Sie prägte den Begriff 1973 und beschrieb das Leiden als «Kombination aus Fett, Wasser und toxischen Abbauprodukten», die der Körper bei der Entsorgung wohl übersehen haben müsse. Seither fürchtet sich Frau davor. Versucht alles, um sie los zu werden. 

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Beseitigen lässt sie sich nicht. Sie ist nämlich ein natürliches Phänomen. Dr. med. Piotr Jan Michel, ärztlicher Leiter der Dermatologie Klinik Zürich hat uns mal erzählt: «Cellulite ist ein Problem der Haut, das aber nicht krankhaft ist», sagt der Experte. Man müsse sich den Aufbau der Haut wie ein Haus vorstellen. Mit Etagen (Subcutis, Dermis und Epidermis). Das mit der Cellulite spielt sich im UG, der Subcutis ab. Dort befinden sich die mit Fettgewebe gefüllten «Zimmer». Die werden abgetrennt vom Bindegewebe (den Wänden).

Wachsen die Fettzellen und ist das Bindegewebe zu schwach, um sie im Zaum zu halten, dehnen sie sich aus – wölben sich nach aussen. Das passiert bei Männern seltener, da bei ihnen die Membranwände x-förmig angeordnet sind (nicht einfach vertikal) und ihr Gewebe somit grundsätzlich stabiler aufgebaut ist. 

Cremes gegen Cellulite?

Mittlerweile hat sich eine ganze Industrie um das Problem gebildet, um es zu beheben. Verschiedene Cremes mit bestimmten Inhaltsstoffen sollen das übernehmen. In Analysen der Stiftung Warentest fielen sowohl solche mit Koffein als auch mit dem hoch gelobten L-Carnitin durch. Keine konnte die Dellen an den Oberschenkeln annähernd glätten. Generell sollten Anwenderinnen von Cellulite-Cremes keine Wunder erwarten. In den meisten Fällen sind keine Effekte sichtbar.

Dabei locken die ganzen Produkte mit vollmundigen Versprechen wie «reduziert die Sichtbarkeit des Cellulite-Effekts in 7 Tagen». Doch schon der Blick ins Kleingedruckte zeigt: Das ist oft nur die halbe Wahrheit. Mal tritt der Wirkstoff nur im Reagenzglas auf, mal wurden lediglich ein paar Frauen zur Wirkung befragt. Die Studien, die den Aussagen zugrunde liegen sollen, halten die meisten Herstellenden unter Verschluss.

Was man nicht tut, für ein unrealistische Idee, wie unser Körper sein muss. Noch vor wenigen Jahren wusste zum Beispiel niemand, dass eine Thigh Gap (die Lücke zwischen der Innenseiten der Oberschenkel) wichtig wäre zu haben. Niemand ahnte, dass eine Ab Crack (vertikale Bauchfalte, gesehen bei Emily Ratajkowski) erstrebenswert ist. Und es hat uns trotzdem an nichts gefehlt.

Von zin am 10. Januar 2022 - 16:00 Uhr
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