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Move your Body!

Sitzen ist das neue Rauchen

Leidet euer Rücken durchs ständige Sitzen? Das ist ja irgendwie noch naheliegend. Aber wusstet ihr, dass eine Stunde Sitzen euer Leben um knapp 22 Minuten verkürzt? Weil unser Körper überhaupt nicht dafür gemacht ist, dauernd in dieser Position zu verharren, können sich auf Dauer fatale Folgen bemerkbar machen.

Sitzen macht schlapp und ist ungesund.

Laut einer Studie sterben jährlich 3,2 Millionen Menschen an den Folgen von körperlicher Inaktivität.

Getty Images

Wir sitzen am Morgen auf dem Weg zur Arbeit, dann mehr oder weniger acht Stunden im Büro und am Abend wälzen wir uns zu Hause erschöpft aufs Sofa. Ihr könnt euch also ausrechnen, dass wir uns an besonders faulen Tagen nur etwa ein bis zwei Stunden bewegen. Und das ist alles andere als gesund. Unsere Vorfahren liefen auf der Suche nach Nahrung stundenlang durch die Natur, weshalb unser Körper noch heute so programmiert ist, dass die physiologischen Abläufe erst durch regelmässige Bewegung optimal funktionieren. Ist das nicht der Fall, gehen die Auswirkungen weit über Nackenschmerzen hinaus.

Diabetes

Dauersitzen verbraucht kaum Energie und der Körper arbeitet im Sparmodus. Das ist aber nicht schonend, sondern fördert Krankheiten. Es wirkt sich negativ auf Zucker- und Fettstoffwechsel, Blutfluss und die Gefässfunktion aus. Ausserdem fördert es Entzündungen und die Muskeln bauen sich ab. Wenn wir nach dem Essen gleich wieder sitzen, gelangt der Zucker nur langsam in die Zellen, was den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt. Um ihn zu senken, schüttet der Körper mehr Insulin aus, als er müsste. Geschieht das dauernd, sprechen die Zellen immer weniger auf das Insulin an und der Blutzuckerspiegel bleibt hoch. Die Folge: Diabetes kann entstehen. Laut verschiedener Studien haben Menschen, die viel Zeit im Sitzen verbringen, ein 90 Prozent höheres Risiko an Diabetes zu erkranken als Menschen, die sich öfter bewegen.
Aber zur Abwechslung eine etwas motivierendere Nachricht: Wenn ihr stundenlanges Sitzen mit kleinen Bewegungspausen von wenigen Minuten auflockert, wirkt sich das umgehend positiv auf das Zucker-Insulin-Verhältnis aus. Das bestätigt auch der Experte für Sportwissenschaft Gerhard Huber: 

«Sechs Stunden sitzen und dabei alle 20 Minuten aufstehen ist viel besser, als vier Stunden am Stück auf dem Stuhl kleben zu bleiben.»
 

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Das Problem beginnt mit der Beinhaltung. Bei mehrstündigem Sitzen werden die Arterien in Leiste und Kniekehle abgeknickt. Dadurch wird der Blutfluss verlangsamt und das Risiko für Gefässverkalkungen erhöht sich. Als Folge erhöht sich das Risiko für Herzkrankheiten und Schlaganfälle. Ein weiteres Problem ist, dass die Muskelpumpe während des Sitzens ruht und das Blut nur langsam Richtung Herz fliesst. Das bedeutet, es bleibt länger in den Unterschenkel-Venen, was die Entstehung von Ödemen und Thrombosen fördert. 

Krebs

Es gibt verschiedene Annahmen, weshalb Sitzen Krebs fördern kann. Menschen, die sich besonders selten bewegen, haben vermehrt Entzündungsstoffe im Blut, die den Organismus ständig in einen Alarmzustand versetzen. Das kann einer von vielen Auslösern für Krebs sein. Dauersitzen macht zudem das Immunsystem träge, was die Entwicklung von Krebszellen begünstig. Und wie wir bereits wissen, besteht ein Zusammenhang zwischen ständigem Sitzen und Diabetes. Letzteres ist geradezu Nahrung für Tumore. 

Was könnt ihr tun?

Fühlt ihr euch von diesen schrecklichen Folgen auch etwas erschlagen und wollt am liebsten gleich einen Marathon laufen? Keine Sorge, so viel braucht es nicht, um den negativen Auswirkungen von langem Sitzen einen Strich durch die Rechnung zu machen. Mit ein bisschen Selbstdisziplin könnt ihr bereits viel erreichen. Das Wichtigste ist, immer wieder kleine Bewegungs-Pausen einzulegen. Forscher raten, nicht länger als 30 Minuten am Stück zu sitzen. Macht also jede halbe Stunde einen Rundgang im Büro oder stellt zur Abwechslung den Tisch so ein, dass ihr im Stehen arbeiten könnt. Das sind weitere Tipps, die ihr in euren Alltag einbauen könnt:

  • Nehmt immer die Treppe anstatt den Fahrstuhl.
  • Steigt eine Tram- oder Bushaltestelle zu früh aus, um die letzten hundert Meter bis zum Büro zu laufen. Und für alle, die nicht zu weit weg wohnen – schwingt euch auf den Sattel und radelt zur Arbeit.
  • Gewöhnt euch an, nach dem Mittagessen einen zehnminütigen Spaziergang zu machen. 
Von Jana Giger am 16. September 2019