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Sex, sexy, Sexismus

Turnerin Sarah Voss setzt in Basel ein Zeichen

Die deutsche Sportlerin Sarah Voss trägt bei der EM in Basel einen Ganzkörperanzug – und wehrt sich so gegen Sexualisierung in ihrer Berufung. Auch Schweizer Turnerinnen haben sich schon dafür ausgesprochen. Es ist ja schon lange an der Zeit. Ein Kommentar.

epaselect epa09149015 Germany's Sarah Voss performs on the balance beam during the women's qualification round of the 2021 European Artistic Gymnastics Championships in the St. Jakobshalle in Basel, Switzerland, 21 April 2021. Some of the German gymnasts wear long trousers to make a statement against sexual violence in sports.  EPA/GEORGIOS KEFALAS

Ein noch ungewohnter Anblick: Turnerin Sarah Voss an den European Artistic Gymnastics Championships in Basel im Ganzkörperanzug.

keystone-sda.ch

Es ist wieder Leichathletik-EM und damit die Zeit, in der es am meisten auffällt, dass für die Körper von Frauen und Männern immer noch unterschiedliche Regeln gelten. An den Qualifikationen in Basel trug die deutsche Sportlerin Sarah Voss darum statt eines knappen, beinfreien Bodys, in denen man die Teilnehmerinnen sonst sieht, einen langen Ganzkörperanzug.

Die üblichen Anzüge seien ihr schon länger unangenehm, schreibt ZDF online. Weiter sagt die 21-Jährige: «Wir möchten auch dem Nachwuchs damit eine Möglichkeit aufzeigen, wie sie sich auch in einer anderen Bekleidungsform ästhetisch präsentieren können, ohne sich bei bestimmten Elementen unwohl zu fühlen.»

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Auch die ehemalige Schweizer Turnerin Ariella Kaeslin sagte mal in einem Interview mit der SonntagsZeitung: «Ich hätte mir oft gewünscht, mehr anziehen zu können. Turnerinnern sind extrem entblösst: Am Balken stehen die Kampfrichter nahe, und für manche Figuren spreizt du die Beine Vollgas gegen die Richter. Das ist unangenehm. Mich hat das immer gestört.»

Zu viel Sex? Wer Deko ist, ist Objekt?

Was ist da los? Zu viel nackte Haut? Gleich: zu viel Sex? Zu sexy, obwohl der Kontext (Sport) eigentlich einer ist, in dem es um was anderes geht? Bei all diesen Fragen liegt das Problem: Nackte Frauenkörper und nackte Haut an Frauenkörpern stehen in unserer Gesellschaft so sehr für Sex, dass wir sie kaum noch in einem nicht sexualisierten Kontext sehen können. Ist auf einem Filmplakat das Bild von nackten, schlanken Beinen in High Heels zu sehen, wissen wir: Ah ja, irgendwas mit Sex.

Dieses Bild wurde lange ausgereizt. Unter anderem von der Werbung, um besser zu verkaufen. Dabei gibt es mittlerweile Studien, die zeigen, dass Dinge nicht unbedingt besser verkauft werden, wenn sie in einem Kontext mit Sex präsentiert werden. Geschenkt. «Sex sells» klingt so gut, da glaubt man gerne dran, das will man eigentlich gerne behalten.

Dass nackte Haut sofort sexualisiert wird, ist ein schlechtes Zeichen für unser Frauenbild. Und es ist also kein Wunder, fühlen sich die Frauen wie Voss und Kaeslin unwohl, leicht bekleidet vor den Augen aller Welt herumzuturnen. Zumal ihre männlichen Counterparts lange Hosen anziehen dürfen. Voss hofft nach dem Statement, das sie gesetzt hat, nun auf Nachahmerinnen. Lange Hosen sind nämlich theoretisch «sogar» bei Frauen erlaubt (vgl.: Fédération Internationale de Gymnastique). Ausser im Tessin. Vielleicht mal drüber nachdenken, Tessin.

Von zin am 22.04.2021
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