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Skistar Bode Millers Söhnchen lernt Schwimmen

Wie schütze ich mein Baby vor dem Ertrinken?

Skistar Bode Miller verlor seine Tochter Emeline mit nur 18 Monaten. Das Mädchen ertrank im Pool. Ein Unglück, das nie wieder passieren darf. Darum lernt der Jüngste der Millers schon mit einem halben Jahr den Umgang mit Wasser. Doch bringen Schwimmkurse für die Kleinsten wirklich etwas oder sind sie zur Beruhigung für die Eltern? SI Family hat bei einer Expertin nachgefragt.

Lernschwimmkurse für Babys

Kleinkinder und Babys ertrinken aufgrund ihres Körperbaus besonders schnell und lautlos.

Der 10. Juni 2018 veränderte das Leben von Skistar Bode Miller, 41, und seiner Frau Morgan, 32, für immer. Ihre kleine Tochter Emeline Grier fiel beim Spielen unbemerkt in den Pool und ertrank. Ihre Mutter fand das Kind leblos im Wasser treibend.

Das Mädchen wurde nur 18 Monate alt. Morgan Beck und ihr Mann fielen in tiefe Trauer, doch sie verkrochen sich nicht. Das Ehepaar beschloss, dass Emeline nicht umsonst gestorben sein darf. Seit dem Schicksalsschlag setzten sie all ihre Kraft in Präventionskampagnen, die solch grausame Unfälle verhindern sollen.

Tränen der Freude und Tränen der Trauer

Morgan Miller brachte nur wenige Monate nach Emelines Tod einen kleinen Sohn zur Welt. Easton ist mittlerweile ein halbes Jahr alt und hilft schon dabei, anderen Kindern das Schicksal seiner grossen Schwester zu ersparen.

Seine Mama postete ein Video ihres Sohnes, wie er seine ersten Schwimmlektionen bekommt. Ein ausgebildeter Trainer bringt dem Baby bei, sich im Wasser auf den Rücken zu drehen. Morgan schreibt zu dem Video: «Ich habe Tränen der Freude in den Augen, wenn ich sehe, dass mein kleiner Junge diese lebensrettende Fähigkeit lernt. Und Tränen der Trauer, weil ich meinem kleinen Mädchen das nicht beigebracht habe.»

«Wir als Erwachsene sind in der Verantwortung.»

Stéphanie Bürgi-Dollet, Leiterin Prävention bei der SLRG

Doch was bringt ein solcher Kurs im Ernstfall? Stéphanie Bürgi-Dollet, Leiterin Prävention bei der SLRG (Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft) wägt ab: «Die Massnahme ist sicher beruhigend für Eltern und Kinder. Ausserdem ist so ein Kurs geeignet, um Kinder an das Wasser heranzuführen und erste Erfahrungen zu sammeln.»

Einen effektiven Schutz aber, so Bürgi-Dollet weiter, biete nur die Aufsicht durch Erwachsene. «Es wäre falsch, wenn dadurch der Eindruck entsteht, dass man sich als Aufsichtsperson nicht mehr kümmern muss und die Verantwortung auf das Kind überträgt. Wir als Erwachsene sind in der Verantwortung!»

«Kinder ertrinken lautlos»

Die oberste Regel laute ohnehin: «Kinder nur begleitet ans Wasser lassen – kleine Kinder in Griffnähe beaufsichtigen.» Bürgi-Dollet führt auch eindrücklich aus, warum: «Kleine Kinder ertrinken lautlos. Fallen sie ins Wasser, geraten sie nicht in Panik und machen deshalb auch nicht auf sich aufmerksam. Das ist vielen Eltern und Betreuungspersonen nicht bewusst.»

«In der Schweiz ertrinken jährlich vier Kinder», sagt Stéphanie Bürgi-Dollet. «Dabei gibt es aber auch eine grosse Dunkelziffer von Kindern, die gerettet werden und allenfalls mit Folgen des Unfalls unselbständig weiterleben müssen.»

«Es hätte einen grossen Unterschied gemacht»

In einem TV-Interview mit der «Today Show» auf den Schwimmkurs für ihren kleinen Jungen angesprochen, sagt Emelines Mutter Morgan Beck: «Es wäre so einfach gewesen, auch für meine Kleine eine Schwimmstunde mit dem Trainer abzumachen und es hätte einen so grossen Unterschied gemacht.» 

Ihr Mann, Bode Miller, fügt an: «Eltern zu sein ist so unglaublich beängstigend. Du machst dir über alles Sorgen: die Ernährung, die Zeit am Bildschirm oder was auch immer. Aber das, was dir dein Kind nehmen kann, nämlich das Ertrinken, macht all diese Dinge irrelevant.» 

Von Berit-Silja Gründlers am 30. April 2019