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  4. Coronavirus Schweiz: Die schwangere Racha Fajjari hat keine Panik

Schwangere Racha Fajjari über Coronavirus

«Hamsterkäufe finde ich egoistisch»

Das Coronavirus ist in der Schweiz angekommen. 15 Fälle hat das Bundesamt für Gesundheit bestätigt. Tendenz steigend. Wie geht eine hochschwangere Frau mit solchen Nachrichten um? Wir haben bei Racha Fajjari nachgefragt. Die Mamalicious-Gründerin erwartet Ende April ihr zweites Kind. 

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Racha Fajjari erwartet Ende April ihr zweites Kind.

Ellin Anderegg

Gut gelaunt meldet Racha Fajjari, 35, sich am Telefon. Ihr achtjähriger Sohn Max, der bei seinem Vater in München lebt, ist gerade für eine Woche bei seiner Mama in Zürich zu Besuch. Nach dem Gespräch werden die beiden auf einen Spaziergang in den Wald gehen.

Racha, die Geburt rückt immer näher. Wie fühlst du dich?
Dem Baby und mir geht es gut, danke. Es läuft so weit alles wunderbar.

Macht dir das Coronavirus Angst?
Nein, überhaupt nicht. Oder sagen wirs so: Nicht mehr als eine gewöhnliche Grippewelle. Und da gehöre ich als Schwangere natürlich zur Risikogruppe.

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Hast du dich gegen Grippe impfen lassen?
Ja, weil ich wusste, dass ich den Grossteil meiner Schwangerschaft im Herbst und Winter verbringen werde.

Und, hat es genützt?
Also die Grippe hab ich nicht bekommen. Dafür eine Streptokokken-Angina...

Ohje...
Ich habe es zum Glück frühzeitig erkannt und mit Antibiotika behandelt. Meine Mutter und mein Partner hatten die Angina vorher ebenfalls. Man kann sich also auch in den eigenen vier Wänden anstecken.

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Ende April ist es so weit: Racha Fajjari freut sich auf ihr zweites Kind.

Vanessa Bachmann Photography

Hast du Angst vor einer möglichen Corona-Epidemie in der Schweiz?
Ich vertraue darauf, dass der Staat einen Plan hat und die Situation nicht komplett ausartet.

Was tust du, um dich vor einer möglichen Ansteckung zu schützen?
Ich befolge die vom Bundesamt für Gesundheit empfohlenen Hygienevorschriften. Das heisst, ich wasche die Hände mindestens 20 Sekunden lang mit Seife. Das mache ich akribisch und achtsamer als vorher. Dies aufgrund aller möglichen Viren, die ich gerade nicht gebrauchen kann. 

Auch mit Max?
Ja. Mit meinem Sohn habe ich ein Handwasch-Ritual entwickelt. Analog zum Zähneputzen verwenden wir neuerdings eine Sanduhr.

Beschäftigt das Virus deinen Sohn fest?
Max hat mich schon darauf angesprochen, ja. Es wird ja auch täglich darüber berichtet und geredet.

Und wie hast du reagiert?
Ich erklärte ihm, dass wir uns keine Sorgen machen müssen und Panik fehl am Platz ist. Und ich zeigte ihm, wie wir uns im Moment schützen können. Also eben die Hände sorgfältig waschen, in den Ellbogen niesen, wenn er gerade kein Taschentuch hat usw.

«Das Aufbauschen einer möglichen Epidemie durch die Medien zieht mich mehr runter als das Virus selbst.»

Benutzt du noch Bus, Tram oder Zug?
Ab und zu, ja, aber nicht zu Stosszeiten. Es ist nicht nur wegen dem Coronavirus, sondern wegen der Grippe generell.

Sonstige Vorsichtsmassnahmen?
Grossveranstaltungen, die ja jetzt eh verboten wurden, vermeide ich schon seit Monaten. Als Hochschwangere habe ich kein Bedürfnis mehr, mich mit meiner Babykugel unter die Massen zu mischen.

In den Medien werden Worst-Case-Szenarien aufgezeigt.
Das finde ich mühsam und dieses Aufbauschen einer möglichen Epidemie zieht mich mehr runter als das Virus selbst.

Also beschäftigt dich das Coronavirus doch auch mental.
Ja, aber nicht, weil ich mich sorge, sondern weil mich gewisse Dinge einfach aufregen.

«Bei Mamalicious haben wir die ganze Palette an Meinungen. Schwarzer Humor und Panik halten sich aber die Waage.»

Was nervt dich am meisten?
Hamsterkäufe für den Notvorrat. Das finde ich egoistisch. 

Weshalb?
Ich finde es einfach nervig, wenn die täglichen Basics plötzlich aufgrund einer falschen Panik fehlen und man vor leeren Regalen steht.

Du legst dir also keinen Notvorrat an?
Nein, mein Notvorrat, wenn man dem überhaupt so sagen kann, besteht seit Jahren aus Reis und Konservenbohnen. Ich liebe diese Kombination und will das jederzeit essen können. Das ist also mehr so ein Gluschtvorrat (lacht).

Wie ist die Stimmung bei Mamalicious bezüglich des Virus?
Es wird schon rege diskutiert. Wir haben da die ganze Palette an Meinungen. Schwarzer Humor und Panik halten sich aber die Waage.

Was beschäftigt die Mütter am meisten?
Das Thema Notvorrat: Ob es den überhaupt braucht und wenn ja, was alles dazugehört. Dann auch eine mögliche Ansteckungsgefahr in Schule und Kindergarten. Die Mütter machen sich aber nicht nur Sorgen um ihre Kinder, sondern auch um ihre Eltern, also die Grosseltern ihrer Kinder. Senioren gehören schliesslich zur grössten Risikogruppe.

Welche Strategie verfolgst du als Community-Manager?
Ich schaue mit meinem Team, dass keine Panikstimmung aufkommt.

Was heisst das konkret?
Wir haben ein Auge darauf und unterstützen die mediale Panikmache nicht auch noch in unseren Gruppen. Wir Administratoren beobachten das achtsam. 

Du bleibst möglichst locker. Also auch keine Schutzmaske für dich?
Nicht freiwillig! Sollte das Gesundheitsdepartement es empfehlen, dann mache ich mit, vorher nicht. Die sehen ja auch superhässlich aus. Also chic sind Schutzmasken nun wirklich nicht und symbolisieren für mich den Notstand. Bis dahin benutze ich einen schönen Schal ganz unauffällig als Schutzmaske. 

Ästhetik geht vor Panik.
(lacht) Unbedingt.

Die grösste Mami-Community der Schweiz

Mamalicious zählt mittlerweile 50'000 Mitglieder. Täglich tauschen sich Mütter in diversen Interessengruppen auf Facebook zu Themen rund ums Muttersein aus. Alle Gruppen sind geschlossen und jede Anfrage wird von den Administratoren persönlich geprüft. Gegründet wurde das Netzwerk 2010 von Racha Fajjari

Von Maria Ryser am 28.02.2020
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