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Sandy Jaspers erzählt ihre Geschichte

Sie hat es trotz Endometriose zum Wunschkind geschafft

Sandy Jaspers leidet schon seit Jahren unter starker Endometriose und Zysten. Heute ist die Tattoo- und Piercing-Künstlerin Mama eines kleinen Sohnes. Wie es zu ihrem Wunschkind gekommen ist, warum sie jetzt anderen Frauen Mut machen will und wie es ihr heute geht, erzählt die 33-Jährige im Interview.

Sandy Jaspers mit ihrem Mann Helge und Söhnchen Nox.

Sandy Jaspers mit ihrem Mann Helge und Söhnchen Nox.

Keff Bachofen/ keff.photography

Liebe Sandy, du hast am 21. Februar einen gesunden Sohn zur Welt gebracht. Wie geht es euch heute?
Ich hätte niemals gedacht, dass man das Gefühl haben kann, vor Liebe zu platzen. Mein Sohn hat mein ganzes Leben und meinen Fokus komplett verändert. Nichtsdestotrotz macht mir die Zukunft Sorgen. Ich leide unter Endometriose. Diese Krankheit ist chronisch und unheilbar. Ich will aber auf keinen Fall immer das kranke Mami für meinen Sohn sein will.

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Womit wir schon beim Thema sind. War es schwierig für dich als Endometriose-Betroffene schwanger zu werden?
Nach meiner grossen Endo-Operation am 28. Januar 2021 haben wir nur eine ganz kurze Zeit bekommen, um schwanger zu werden. Die Ärzte wollten nämlich meine Endo auf keinen Fall unbehandelt wieder wuchern lassen. Das Universum war zum Glück auf unserer Seite. Trotz all dem, was mein Körper durchgestanden hatte, mit Not-Operation nach dem Endo-Eingriff, hat es bereits im zweiten Zyklus geklappt.

Wie war deine Schwangerschaft?
Grauenhaft. Ich habe wirklich keine typische Schwangerschaftsbeschwerde ausgelassen. Zusätzlich litt ich noch an einem Narbenbruch, Nierenstau und hatte unerklärliches Herzrasen. Später kamen vorzeitige Wehen dazu. Ich wusste aber stets wofür ich das aushalte. Bei jedem Strampler meines Babys war ich froh. Ausser bei den Tritten in meine Rippen. 

Wann genau ist es bei dir losgegangen mit der Endometriose?
Das weiss keiner so genau. Ich hatte bereits in jungen Teenagerjahren mit starken Bauchschmerzen zu kämpfen. Auch hatte ich immer wieder mal Zysten. Mit 13 nahm ich dann die Pille. Als ich ca 19 Jahre alt war, fingen die unerklärlichen Schulterschmerzen an, welche über die Jahre immer schlimmer wurden und am Schluss kaum mehr auszuhalten waren. Die monatlichen Bauchschmerzen und Darmkrämpfe waren ja normal, dachte ich.

Wie ist es weitergegangen und wie kam es dann zur Diagnose?
Gar nicht. Ich hatte über Monate unglaublich starke Leistenschmerzen und eine tastbare Verhärtung, einen richtigen Knubbel. Also wieder zum Arzt, wieder zum Gynäkologen, Verdacht Leistenbruch, Verdacht Zyste und so weiter. Keiner wusste, was ich wirklich habe. Ich bin dann irgendwann vor Schmerzen in den Notfall, die haben mich geröntgt und eine Not-OP angekündigt - Leistenbruch mit eingeklemmtem Darm.
Als ich aus der Narkose wach wurde, hatte ich dann keinen Leistenbruch, sondern die Diagnose Endometriose. Das war am 16.06.2020. Ich habe dann bis zu meinem Termin bei meiner Endoärztin selber recherchiert und als ich auf Zwerchfellendo gestossen bin, was meine jahrelangen Schmerzen haargenau erklärte, musste ich mitten in der Nacht meinen Mann wecken, um ihm das zu zeigen! Ich war also doch nicht verrückt oder wehleidig oder eine Simulantin.

Das klingt, als hättest du schlechte Erfahrungen mit Ärzten gemacht?
Ja, leider! Nach jahrelangem ‹Ihre Haltung ist schlecht› oder ‹Ihre Brüste zu gross› und ‹Machen Sie einfach mehr Sport› war es richtig befreiend zu lesen, dass mein Leiden jetzt einen Namen hat.

Endometriose kann zu Unfruchtbarkeit führen. Hattest du jemals Angst, nicht schwanger werden zu können?
Natürlich war das ein Gedanke, den ich hatte. Genau deswegen rate ich betroffenen Frauen mit Kinderwunsch nicht aufzugeben. Heute gibt es so viele medizinische Unterstützungen, die man in Anspruch nehmen kann. Für mich ist klar, dass unser Kinderwunsch Dank der perfekten Endometriose-Behandlung von Dr. Grabherr so schnell erfüllt wurde. Meine Ärztin arbeitet enorm gründlich, was die Chancen auf eine natürliche Schwangerschaft sehr erhöht. Gebt euren Traum nicht auf, liebe Frauen da draussen, wenn es bei mir, mit so schlimmer Endo und Adenomyose geklappt hat, kann es bei euch auch funktionieren. Macht euch aber nicht verrückt und lebt nicht nur für den Kinderwunsch. Wünsche muss man loslassen, damit sie zu einem finden.

Endometriose kurz erklärt

Endometriose ist eine chronische, entzündliche und durch Hormone gesteuerte Erkrankung, bei welcher sich gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe ausserhalb der Gebärmutterhöhle ansiedelt. Das sorgt nicht nur für besagten Perioden- und Unterleibsschmerz, die betroffenen Frauen können auch unter Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder Unfruchtbarkeit leiden. Und obwohl schätzungsweise 10 bis 15 Prozent der Frauen im gebärfähigem Alter betroffen sind, ist über die Entstehung und Schmerzreaktion wenig bekannt.

Von Maja Zivadinovic am 16. Mai 2022 - 17:19 Uhr
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