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Romina weiss Rat

Wenn zu viele Spielsachen das Kind überfordern

Zu viele Geschenke können besonders kleine Kinder schnell überfordern. In diesem Fall sollten Eltern am besten radikal durchgreifen, findet Familienexpertin Romina Brunner.

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Alles voller Spielsachen. Sieht es bei euch nach den Festtagen auch so aus im Kinderzimmer?

Getty Images
Romina Brunner
Romina Brunner

Journalistin und Mutter von zwei Kindern

Unsere kleinen Kinder haben an Weihnachten insgesamt 31 Geschenke bekommen. Mir ist das viel zu viel, ihre Zimmer sind überfüllt und ich finde diese Flut an Spielzeug völlig irre. Mir fällt auf, dass die Kinder gar nicht mehr richtig ins Spiel versinken. Am liebsten würde ich der Familie nächstes Jahr zu Weihnachten ein Geschenke-Verbot aussprechen. Meine Frau versteht mich nicht. Liege ich so falsch? – Sami

Lieber Sami

Die weihnächtliche Geschenke-Flut ist in vielen Familien Thema. Dies, obwohl eigentlich längst bekannt ist, dass ein Übermass an Spielsachen gerade Kleinkinder überfordern. «Wenn Erwachsene ihre Kinder mit Geschenken zuschütten, kann das schnell zu viel werden. Die Kinder wissen nicht mehr, mit welchem Spielzeug sie spielen sollen und schätzen es auch nicht mehr», sagt Psychologin Svenja Lüthge.

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Spielzeugflut: Eltern sollten ihren Kindern zuliebe handeln

In eurem Fall ist die Bescherung bereits angerichtet und deine Kinder lösen sich bestimmt nicht freiwillig von ihren Sachen. Auch nicht von jenen, die seit Monaten achtlos in der Ecke liegen. Diese werden nämlich genau dann wieder interessant, wenn du sie wegräumen willst.

Sami, ich glaube auch, dass Eltern in so einer Situation handeln sollten. Denn sie tun ihren Kindern keinen Gefallen, wenn sie es nicht tun. Zumal du ja schreibst, dass sie nicht mehr wie früher konzentriert spielen. Auch sammeln sie mit jedem weiteren Tag neue Gegenstände an. Sei es bloss eine Zeichnung, ein Tannenzapfen oder ein Werbeprospekt, auf dessen Cover ein süsses Tier zu sehen ist.

Unsere Expertin für Familienfragen

Nie waren Eltern so gut informiert wie heute. Und nie war es schwieriger, im Dschungel aus Ratgebern und Internetforen den besten Weg für den eigenen Nachwuchs zu finden. Unsere Familien-Expertin Romina Brunner, 38, hilft, Ordnung zu schaffen. Jeden Mittwoch berät die zweifache Mutter und Journalistin die SI-Family-Community zu Themen und Fragen aus dem Familienalltag.

Keine Angst vor Fehlgriffen — es gibt eine einfache Lösung

Du hast zwei Möglichkeiten. Entweder nimmst du heimlich einige Spielsachen aus ihren Zimmern und verstaust diese im Keller. Oder du räumst mit ihnen zusammen das Chaos auf.

Das Problem: Die Kinder geben nichts freiwillig aus der Hand und das Ganze wird wohl nicht ohne Tränen über die Bühne gehen. Doch sollte es so weit kommen, kannst du sie beruhigen und ihnen versprechen, dass sie ihre Sachen wiederbekommen. Fragen die Kinder in den darauffolgenden Tagen nach dem weggeräumten Spielzeug, weisst du, dass  daran aktuell Interesse besteht. Dann könntest du, um den Fehlentscheid wieder gut zu machen, den Kindern einen Tausch vorschlagen.

«Seit ich die Spielsachen reduziert habe, spielt meine Tochter wieder und räumt sogar das Zimmer auf.»

Romina Brunner

So hat unsere Familienexpertin reagiert

Es ist sicher besser, wenn du das Aufräumen steuern kannst, bevor es dich «vertätscht». Das nämlich ist mir passiert nach dem Geburtstag unserer Tochter. 

Obwohl ich einen Geschenke-Stopp ausgerufen hatte, konnte ich die Vielzahl an neuen Spielsachen nicht verhindern. Die Tage darauf wusste unsere Maus nichts mit sich anzufangen, sie spielte nicht, blödelte nur rum und malte in ihrer Überforderung auch noch die Zimmertüre an.

Also schnappte ich mir einen Koffer, stopfte die Hälfte ihrer Sachen rein und verbannte sie in den Keller. Ich hab natürlich nicht ihre Lieblingsdinge eingepackt. Trotzdem gab es Tränen. Doch der Effekt scheint nachhaltig zu sein. Unsere Tochter spielt seither wieder und räumt sogar das Zimmer auf. Nach den Sachen im Koffer hat sie nicht ein einziges Mal gefragt.

Fragt Romina!

Habt ihr auch ein Thema, das euch beschäftigt? Dann schreibt ein Mail an romina@schweizer-illustrierte.ch

Ein Geschenke-Stopp geht eventuell zu weit

Lieber Sami, ich würde vielleicht nicht grad einen Geschenkli-Stopp ausrufen, jedoch das Gespräch mit den Schenkenden suchen. Am besten wartest du damit nicht bis zu den nächsten Festtagen, denn noch sind die Erinnerungen frisch. Sucht gemeinsam nach Lösungen: Wie könnt ihr euch aufteilen? Solche Absprachen in der Familie, wer was schenkt, können helfen, dass es in einem Jahr nicht erneut zu viele und vielleicht auch unnötige Geschenke gibt, die die Kinder nur überfordern.

Ebenfalls ein Punkt, den ihr ansprechen könnt, wäre es, keine Sachwerte zu schenken. Wie wärs zum Beispiel mit einer Mitgliedschaft im WWF-Panda-Club? Oder einfach Zeit. gerade den Grosseltern könnte es gefallen, den Kindern einen Gutschein für einen gemeinsamen Ausflug zu schenken. Das SI-Family-Team hat unter diesem Link weitere Ideen gesammelt, wie man Kindern, die schon alles haben, eine Freude machen kann. Und, das wird dich freuen, es sind keine Spielsachen dabei!

Herzlich,

Romina

Drei Ideen, um die Geschenke-Flut zu verhindern

  • Geschenke steuern: Lasst die Kinder eine Wunschliste schreiben und verteilt diese auch an die Grosseltern und Paten. Wer übernimmt was? Kann man sich für ein Geschenk zu Gruppen zusammenschliessen? Kann sich jemand vorstellen, auf Geschenke zu verzichten? Dabei gilt: Die Eltern entscheiden. Grosseltern und Geschwister haben das zu akzeptieren. In den meisten Fällen klappt das sehr gut und alle sind dankbar.
  • Gebrauchtes schenken: Bei uns hat es seit drei Jahren Tradition, dass die älteren Cousinen den jüngeren Kindern ihre Spielsachen schenken. Warum soll der Onkel der Nichte ein neues Buch kaufen, wenn seine Tochter einige ihrer Bücher nicht mehr liest? Kleine Kinder merken meist gar nicht, wenn sie etwas Gebrauchtes erhalten. Oder es stört sie nicht, wenn etwas nicht mehr ganz neu ist. Die Älteren sind stolz, von ihren grossen Cousins etwas zu «erben» zu dürfen. Und die Spielsachen werden weitergegeben, was die Nachhaltigkeit erhöht.
  • Gutes tun: Hilfswerke nehmen Spenden immer gerne entgegen. Eine gute Sache ist zum Beispiel die Aktion «2 Mal Weihnachten». Das Projekt vom Schweizerischen Roten Kreuz und der Post, findet noch bis am 11. Januar 2020 statt und bietet tolle Möglichkeiten für sinnvolle Spenden. Auch Spitäler, Krabbelgruppen oder die Kirche freuen sich auch über Spenden in Form von Kinderspielsachen.
Von Romina Brunner am 02.01.2020
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