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Credit Suisse Jugendbarometer

Jugend 2022 – Generation Scheissegal?

Eine repräsentative Umfrage unter jeweils tausend 16- bis 25-Jährigen in den USA, Brasilien, Singapur und der Schweiz ergeben den Credit Suisse Jugendbarometer. 2022 attestiert dieser der Jugend eine Haltung wie vor dressig Jahren zu Zeiten des «Grunge».

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Friends wearing wireless headphones enjoying with smart phone model released, Symbolfoto, MEUF06211

Spotify und Instagram sind die Steckenpferde der Schweizer Jugend. Total out: Politik und Religion – und Facebook.

imago/Westend61

«Tu so, als ob dir alles egal wäre, auch wenn das nicht stimmt.» So ungefähr lautete das Motto der Grunge-Bewegung vor dreissig Jahren. Daran erinnere die Stimmung der heutigen Jugend, schreiben die Verfasser des Credit Suisse Jugendbarometer 2022: «Eine Art Grunge 2.0».

Tatsächlich scheint die Stimmung, die noch vor Corona von Aufbruch und Engagement geprägt war, nach zwei Jahren Pandemie einer Art Resignation gewichen zu sein. So fühlen sich junge Schweizerinnen und Schweizer der Klimabewegung weniger zugehörig als noch vor zwei Jahren. Auch wenn sie den Klimawandel als eines der fünf grössten Probleme betrachten. Ähnlich sieht es beim Thema Gleichstellung aus. Auch wenn die Jugendlichen sie durchaus noch als Problem wahrnehmen – sich dafür stark zu machen scheint nicht mehr so cool wie auch schon.

Kein politisches Engagement, keine Drogen

Überhaupt ist politisches Engagement gar nicht das Ding der Generation Grunge 2.0. Nur noch knapp jede und jeder Fünfte findet es gut, an Demonstrationen teilzunehmen. Dem Trend zum politischen Desinteresse folgt der Trend zum allgemeinen Desinteresse: Während sich 2015 noch 71 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer täglich in den Medien informierten, sind es 2022 nur noch 59 Prozent. In allen anderen befragten Ländern ist der Anteil der Jugendlichen, die sich täglich informieren, höher als in der Schweiz.

Was Schweizer Jugendliche lieber tun als Medien konsumieren? Auf WhatsApp chatten, Musik hören, durch Youtube surfen oder Instagram scrollen und Netflix schauen. Und eine der Vorlieben der Generation Grunge hat die Generation Grunge 2.0 zum Glück nicht übernommen: Neben Religion, Facebook, Politik und Militär sind auch Drogen total out.

Andere Länder, andere Sorgen

Schaut man sich allerdings die Top fünf der Themen an, um die sich die 16- bis 25-Jährigen hierzulande sorgen, kann ihr politisches Desinteresse nicht ganz so gross sein, wie sie behaupten. So bereiten der Schweizer Jugend folgende Themen und in dieser Reihenfolge schlaflose Nächte: AHV-Reform, Klimawandel, Benzin- und Ölpreis, Energieprobleme und Gleichstellung. Spannend: Ausser mit der US-Jugend, die sich ebenfalls um die Benzinpreise sorgt, gibt es hier keine einzige Überschneidung mit den anderen Ländern. Während die Corona-Krise und ihre Folgen in den USA, Brasilien und Singapur noch ein grosses Thema ist, scheint sie in den jungen Schweizer Köpfen vorbei zu sein. Auch die wirtschaftliche Situation, die in allen anderen Ländern bedrohlich scheint, ist hierzulande kein Sorgenfaktor. Genausowenig wie Arbeitslosigkeit und der Krieg in der Ukraine. Ist die Generation Grunge 2.0 die Generation Scheissegal? Oder vielleicht einfach nur die Generation Orientierungslos? Und wer kann ihr dies in solch komplexen Zeiten verübeln?

Von SC am 12. Oktober 2022 - 17:27 Uhr