Fitness-Mythen Expertin wirft Theorien über Bord

Schwimmen ist gut für den Rücken, lockeres Training ist besser für die Fettverbrennung, und Dehnen vor dem Sport beugt Verletzungen vor. «Alles Quatsch», sagt nun eine dänische Personal-Trainerin.
Fitness-Tipp: 10 Dinge die oft falsch gemacht werden
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Trainieren um fit zu werden? Nichts wie los! Und vielleicht hilft ja einer dieser Tipps dabei.

Sie ist Fitness-Expertin, Personal-Trainerin und Ex-Olympiaschwimmerin. Die 26-jährige Micha Østergaard aus Dänemark weiss, woraufs beim Sport ankommt. Auf Stylebook.de zählt sie zehn Theorien auf, die stark in den Köpfen der Menschen festsitzen - und widerlegt sie alle.

MYTHOS 1: WENIGER SPECKROLLEN DANK BAUCHMUSKELÜBUNGEN
Rumpfbeugen sind gut, um die Bauchmuskulatur zu stärken. Doch wo Muskeln wachsen, ist auch mehr Volumen. «Wer zuviel Bauchfett hat und intensiv trainiert, kann sogar dicker aussehen», sagt Micha Østergaard. Die Muskeln unter dem Speck würden nämlich grösser und ihn nach vorne drücken. Fett könne zudem nicht an gezielten Stellen verbrannt werden. Daher sei es wichtig, beim Training die Balance zwischen Cardio-Workout - beispielsweise Joggen - und Krafttraining mit Gewichten zu halten.

MYTHOS 2: KLEINE GEWICHTE FÜR FRAUEN
Frauen, die abnehmen möchten, trainieren oftmals mit kleinen Gewichten, weil sie keine Supermuckis haben möchten. Dabei müssten sie sich davor gar nicht fürchten. Wie die Expertin nun aufklärt, brauche es für grosse Muskelberge das Männer-Hormon Testosteron. Davon würden Frauen viel zu wenig produzieren. «Genau genommen 16 Mal weniger als Männer», betont die Personal-Trainerin. Wenn Muskeln gefragt seien, müsse man zu den grossen Hanteln greifen und mindestens drei Mal pro Woche ran. Sonst wird das nix mit Superwoman.

MYTHOS 3: SCHWITZEN ALS BEWEIS FÜR EFFEKTIVES TRAINING
Wer nicht schwitzt, strengt sich zu wenig an? Falsch. Schwitzen sei bloss eine Funktion, um den Körper abzukühlen. Dies habe aber mit der Härte des Trainings nicht viel zu tun. Bei Bewegung wärmt sich der Körper auf. Das sei aber auch schon alles.

MYTHOS 4: ERST WENN DER KÖRPER SCHMERZT, HAT MAN GENÜGEND SPORT GEMACHT
Nicht wirklich. Laut Østergaard gibt es einen Unterschied zwischen Unbehagen und Schmerzen. Muskelkater sei okay. Doch wenn echte Schmerzen auftauchten, könne auch eine Überanstrengung schuld daran sein. Man merke: Schmerzen sind nie gut. Nie.

MYTHOS 5: DEHNÜBUNGEN VOR DEM TRAINING VERMINDERT VERLETZUNGSGEFAHR.
Im Gegenteil! Wer seinen Körper vor dem Sport stretcht, verletzt sich sogar eher! Das glauben Sie nicht? Micha Østergaard behauptet aber, klassisches Dehnen erhöhe die Grundspannung des Körpers und mache ihn so langsamer und verletzungsanfälliger. Es sei deshalb klüger, sich mit einem kurzen, lockeren Lauf oder mit Hampelmännern aufzuwärmen. Nach dem Training hingegen seien Dehnübungen umso wichtiger: Diese würden nämlich zur Entspannung der Muskeln beitragen. Und auch der Muskelkater könne so im Zaum gehalten werden.

MYTHOS 6: NUR IM «FAT-BURNER-BEREICH» KANN FETT VERBRANNT WERDEN.
Es wird immer behauptet, dass der Körper nur bei lockerem Training Fett verbrenne. Also bis zu einer Pulsrate von 130. Ansonsten würde er auf den Kohlehydrat-Speicher zugreifen. Laut der Expertin ist das aber eine falsche Annahme. Fett werde dann abgebaut, wenn Kalorien verbrannt werden. Und je intensiver das Work-Out ist, umso besser. Na dann mal rein in die Laufschuhe: Sprints bewirken ihrer Meinung nach nämlich mehr als lockeres Joggen.

MYTHOS 7: DIE FETTVERBRENNUNG BEGINNT ERST NACH 30 MINUTEN.
Das sei zwar nicht komplett falsch, aber auch nicht wirklich richtig. «Jede Aktivität baut mehr Fett ab, als wenn man sich gar nicht bewegt», klärt Østergaard auf. Vom ersten Moment an verbrenne der Körper Glukose und Fett. Der Glukosespeicher leere sich aber im Verlaufe des Trainings, daher steige als Ausgleich der Fettabbau an. Dies sei der Grund, weswegen dieser erst nach etwa einer halben Stunde auf Hochtouren laufe.

MYTHOS 8: FIT DANK KRAFTTRAINING
Das Herz-Kreislaufsystem werde bei kurzen und intensiven Übungen wie beim Stemmen von Gewichten kaum angeregt. Hingegen sei diese Art von Sport ideal, um den Körper in Form zu bringen. «Gerade Frauen wollen schlank und fest aussehen», bemerkt die Personal-Trainerin. Daher empfehle sie Krafttraining. Der Grund: Mehr Muskelmasse binde das Gewebe und rege den Stoffwechsel an.

MYTHOS 9: SCHWIMMEN SOLL GUT FÜR DEN RÜCKEN SEIN.
Auch diese Aussage ist gemäss Østergaard nicht gänzlich an den Haaren herbeigezogen. Jedoch werde ihrer Meinung nach die Muskulatur nur beim Kraulen und Rückenschwimmen gestärkt. Der Körper müsse waagerecht im Wasser liegen. Das normale Brustschwimmen mit gestrecktem Hals bewirke hingegen das Gegenteil. Halswirbel und -muskeln würden stark beansprucht, was zu Verspannungen und Verkrampfungen führen könne.

MYTHOS 10: LAUFBAND IST GESÜNDER ALS ASPHALT
Rennen ist so oder so eine Belastung für die Gelenke. Da spielt es laut Fitness-Expertin Micha Østergaard keine grosse Rolle mehr, ob man im Wald, auf der Strasse oder auf dem Laufband spurtet. Der einzige Weg, um die Gelenke zu schonen, sei ein abwechslungsreiches Work-Out, bei dem auch mal auf dem Fahrrad oder mit der Rudermaschine trainiert werden sollte.

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