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Die Beachvolleyball-Schwestern auf Guadeloupe

Beachvolleyball-Profis Anouk und Zoé Vergé-Dépré zeigen ihre zweite Heimat

Wenn sich Anouk und Zoé Vergé-Dépré in der Karibik im Sand tummeln, gehts nicht um Punkte, sondern um Entspannung – und Familie. Die Beachvolleyball-Schwestern zu Besuch in der Heimat ihres Vaters.

Anouk und Zoé Vergé-Dépré in Guadeloupe 2021, SI 03/2022

Zoé (l.) und Anouk Vergé-Dépré am Strand von Bois Jolan auf der Insel Grande-Terre. Hier spielten sie oft als Kinder.

Stéphanie Petrel

«Papillon» – Schmetterling – das war das erste Wort von Anouk. Ob das tatsächlich damit zu tun hat, dass Basse-Terre und Grande-Terre, die beiden Hauptinseln von Guadeloupe, aus der Luft aussehen wie Schmetterlingsflügel? Wer weiss. Jedenfalls zieht es Anouk Vergé-Dépré, 29, und ihre Schwester Zoé, 23, nicht nur wegen Sonne und Strand immer wieder auf den zu Frankreich gehörenden Archipel in der Karibik. «Wir fühlen uns hier zu Hause», sagt Anouk.

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Treffpunkt für die Verwandtschaft

Zwar leben mittlerweile nur noch ein Onkel, eine Tante und eine Cousine in der Heimat von Jean-Charles Vergé-Dépré, 66, dem Vater von Anouk und Zoé. «Aber wann immer es geht, trifft sich möglichst viel Verwandtschaft hier», erzählt Zoé. Dass die beiden Beachvolleyball-Cracks im Winter verreisen können, ist eher die Ausnahme. «Unsere Pause ist jeweils im Herbst – ausgerechnet während der Hurrikansaison auf Guadeloupe», erklärt Anouk. «Umso mehr freuen wir uns, dass wir jetzt hier sein können.» Ebenfalls mit von der Partie: Mama Sandra Bratschi Vergé-Dépré, 58, und Zoés Freund, der italienische Beachvolleyball-Profi Adrian Carambula, 33. «Dafür, dass er kein Wort Französisch kann, schlägt er sich tapfer», meint Zoé lachend beim Spaziergang am Strand von Bois Jolan.

Anouk und Zoé Vergé-Dépré in Guadeloupe 2021, SI 03/2022

Zoé beim Familienzmittag in Sainte-Anne mit Mami Sandra (l.) und Tante Guillemette Roche.

Stéphanie Petrel

«Hier fühlt es sich ein bisschen an wie auf einer Zeitreise», sagt Anouk. Im Gegensatz zu anderen Stränden der Insel Grande-Terre ist es hier sehr natürlich und unberührt, und es gibt wenige Touristen. Der Grossvater hat in der Nähe gewohnt. Anouk: «Ich erinnere mich an sein Lachen.» Er starb vor Zoés Geburt. Die Grossmutter haben beide nie kennengelernt. «Dafür gabs immer grosse Feste mit vielen Freunden. Alle haben getanzt, und wir Kinder schliefen einfach irgendwann irgendwo ein», erzählt Anouk. Dass sie auch in den Ferien immer wieder mal auf ihre sechs Jahre jüngere Schwester aufpasste, habe sie nicht gestört. «Im Gegenteil. Zoé hat meine Kindheit verlängert. Dank ihr durfte ich noch ein bisschen länger Playmobil spielen.» Heute ist das Verhältnis der beiden sehr eng. Während der Tour der Beachvolleyball-Profis von März bis Oktober sei es schön, die Schwester dabeizuhaben, sagt Zoé. Konkurrenzgedanken? «Nur wenn wir gegeneinander spielen. Sonst überhaupt nicht. Ich bin stolz auf Anouks Erfolge. Seit sie vergangenes Jahr Olympia-Bronze gewonnen hat, erst recht.»

Anouk und Zoé Vergé-Dépré in Guadeloupe 2021, SI 03/2022

Einfach mal die Seele baumeln lassen statt tägliches Training. «Hier läuft alles etwas langsamer», sagt Zoé.

Stéphanie Petrel

Das hat auch die auf der ganzen Welt verstreute Familie der Bernerinnen mitbekommen. «Sie haben sich per Facetime zusammengetan und so die Matches geschaut», erzählt Anouk. Nun schmiede der Vergé-Dépré-Clan den Plan, gemeinsam die Beachvolleyball-Tour in Paris zu besuchen. «Ich bin nicht so sicher, wie gut diese Idee ist. Schon unser Papa muss auf der Tribüne jeweils aufpassen, um nicht zu viel zu kommentieren», meint Anouk augenzwinkernd. Dass sie ein Stück weit das Temperament ihres Vaters – einst französischer Volleyball-Nationalspieler – geerbt habe, könne sie allerdings nicht leugnen. Inzwischen sind die Schwestern beim Permakulturfeld ihrer Cousine angelangt. Fiona Roche, 35, ist nach einem Meeresbiologiestudium und Jobs im Ausland nach Guadeloupe zurückgekehrt, pflanzt Früchte, Gemüse und Medizinalpflanzen an und zeigt den Leuten, wie sie besser im Einklang mit der Natur leben . «Solches Wissen weiterzugeben, ist hier dringend nötig», so Zoé.

Anouk und Zoé Vergé-Dépré in Guadeloupe 2021, SI 03/2022

«Die Geschmäcker und Gerüche sind unvergleichlich.» Anouk (l.) und Zoé lieben es, auf dem Markt einzukaufen.

Stéphanie Petrel

Nach einem Rundgang auf dem Feld gehts weiter zum Markt. Schliesslich müssen die Küchen zu Hause in Bern – Anouk lebt allein, Zoé in einer WG – mit den Grundnahrungsmitteln aller «Guadeloupéens» aufgestockt werden: Rumpunsch mit Früchten, Piment und Curry, um auch in der Schweiz das Nationalgericht Colombo kochen zu können. Das hilft gegen Heimweh nach der Insel. Wann sie wiederkommen, wissen Anouk und Zoé noch nicht. «Nächstes Mal hätte ich gerne eine WM-Medaille im Gepäck», meint Anouk schmunzelnd.

Anouk und Zoé Vergé-Dépré in Guadeloupe 2021, SI 03/2022

Die Schwestern auf dem Permakulturfeld ihrer Cousine Fiona. Sie pflanzt unter anderem «Surettes» an, kleine Steinfrüchte.

Stéphanie Petrel
Von Sandra Casalini am 22. Januar 2022 - 17:58 Uhr
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