1. Home
  2. Style
  3. Lifestyle
  4. Brauchen wir den Bügel-BH wirklich nicht mehr?

Freimachen bitte

Brauchen wir den Bügel-BH wirklich nicht mehr?

Immer mehr Frauen schwören dem Bügel-BH ab. Stattdessen wird das Dekolleté in ein Bralette verpackt oder gleich ganz frei gelassen. Funktioniert das wirklich für jede von uns? Wir haben mit einer Expertin gesprochen. 

Brauchen wir den Bügel-BH wirklich nicht mehr?
Kendall Jenner modelt beruflich unter anderem für den Unterwäsche-Giganten Victoria's Secret. Privat hat sie dem BH aber längst abgeschworen.  Getty Images

Das beste Gefühl des Tages: Der Moment, wenn wir am Abend unseren Bügel-BH ausziehen und endlich wieder durchatmen können – oder? Ehrlich gesagt erinnern wir uns ja nur noch dunkel an den allabendlichen Befreiungsschlag, denn seit einigen Saisons scheint es gar nicht mehr wichtig, am Morgen überhaupt einen BH anzulegen. Emily Ratajkowski etwa hat gerade eine Unterwäsche-Linie herausgebracht, in der nicht mal ein Bügel-BH vorkommt.

Brauchen wir den Bügel-BH wirklich nicht mehr?
Emily Ratajkowski gehört nicht zu den Verfechterinnen der Bügel-BHs. In ihrer neuen Unterwäsche-Linie kommen daher erst gar keine vor. inamoratawoman.com

Heute laufen wir also fröhlich mit bequemen Bralettes durch den Tag oder lassen unseren Brüsten unter den aktuellen, dicken Pullis gleich ganz freien Lauf. Muss ja nicht sein, die beiden Tag für Tag so einzuzwängen. Oder erfüllt ein Bügel-BH nicht auch einen gewissen Zweck? Wir haben bei jemandem nachgehakt, der es genau wissen muss: Graziana Calvano ist die stellvertretende Verkaufsleitung der Damenwäsche-Abteilung aus dem Jelmoli und hat sich unsere Fragen rund um den BH zur Brust genommen.

Geht der Trend tatsächlich weg vom klassischen BH?

Ja, diese Entwicklung spüren wir bei uns im Haus sehr deutlich. Vor allem junge Kundinnen tragen mittlerweile gern bügellos. Die Modelle sind sehr chic, ein Triangel-BH etwa kann toll aussehen und ist dabei sehr bequem.

Sind Bralettes oder Triangel-BHs etwas für jedermann?

Leider nein. Sie sind vor allem für Trägerinnen mit nicht zu viel Oberweite geeignet. Ein gut sitzendes Modell funktioniert etwa bis zu Körbchengrösse 75D. Alles was darüber kommt, benötigt einfach mehr Halt, den ein bügelloser BH nicht bieten kann. Auf Dauer kann der Verzicht Schmerzen verursachen und das Bindegewebe unnötig strapazieren, Ausserdem hängt die Tragbarkeit von den neuen Soft-BHs von der Beschaffenheit des eigenen Dekolletés ab. Ist alles noch straff und knackig, ist ein Bralette kein Problem. Hat die Schwerkraft schon Spuren hinterlassen, empfehlen wir für einen guten Look einen Bügel-BH.

Das heisst, in diesem Fall sollte man für die Optik an Bequemlichkeit einbüssen?

Überhaupt nicht. Wählt man einen Bügel-BH, der optimal sitzt, spürt man die Bügel gar nicht am Körper, sie gehen um die Brust herum. Damit das hinkommt, braucht es natürlich eine gute Beratung die genau schaut, welches Körbchen und welche Weite die Kundin benötigt. Ob der Bügel in den Körper kneift oder nach dem Tragen Druckstellen hinterlässt, ist als einzelne Person in der Kabine schwer zu beurteilen. Da liegt auch der grosse Vorteil von einem Kaufhaus wie Jelmoli gegenüber grossen Ketten – wir wissen, worauf zu achten ist.

Einige Trägerinnen vertrauen selbst nachts auf den Bügel-BH, damit er rund um die Uhr der Schwerkraft entgegenwirken kann. Macht das Sinn?

Strapaziert wird unsere Brust vor allem tagsüber, wenn wir laufen oder Sport machen. Hier ist es wichtig, auf einen guten Sport-BH mit viel Halt zu setzen. Nachts würde ich vom BH abraten. Es gibt spezielle Schlaf-BHs, die besonders bei viel Oberweite verhindern, dass sich die Haut am Dekolleté zusammenschiebt und so Falten bildet – ein handelsübliches Modell mit Bügeln braucht es aber nicht. Er erfüllt keinen Zweck: Da wir im Bett liegen, macht auch die Schwerkraft eine Pause.

Von Malin Mueller am 9. Februar 2019