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  4. Stella McCartney wirbt mit Trend zu Pilzleder: So nachhaltig sind vegane Lederalternativen wirklich

Nachhaltig?

Daraus besteht veganes Leder wirklich

Was genau ist eigentlich veganes Leder – wie beispielsweise das Material «Mylo», mit dem Stella McCartney gerade in ihrer neuen Kampagne wirbt? Und gibt es bei der Haptik oder der Ökologie einen Unterschied zwischen natürlichem und synthetischem Kunstleder? Wir haben die Antworten auf diese Fragen.

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stella mccartney

Die neue «Frayme» Bag von Stella McCartney besteht aus Pilzleder und ist somit vegan. Aber ist das Material auch gut für die Umwelt?

instagram/stellamccartney

Sagen wir es, wie es ist: Leder ist Tierhaut. Darum kommen entsprechende Kleidung und Accessoires für Veganer*innen nicht infrage. Aber auch Fleischesser*innen und Vegetarier*innen verzichten zunehmend auf Leder, da bei der chemischen Gerbung giftige und umweltschädliche Stoffe zum Einsatz kommen. Fairtrade-Bedingungen und strenge Gesundheitsvorschriften gehören dagegen leider oftmals nicht zur Produktion. Logisch, dass immer mehr Brands auf vegane Alternativen setzen. Die britische Designerin Stella McCartney nutzt für ihre Accessoires gerne Materialien pflanzlicher Natur. Ihre neuesten Taschen-Kreationen bestehen aus dem Pilzleder «Mylo». Was genau ist das eigentlich und wie gut sind solche Textilen wirklich für die Umwelt?

Pilzleder

«Mylo» besteht aus dem Pilzgeflecht Myzel. Die unterirdisch wachsende Pflanze wird zur Lederproduktion ähnlich wie Tierhaut gegerbt. Mit dem Unterschied, dass bei der veganen Variante keine giftigen Chemikalien genutzt werden. Durch das Verfahren weisst das Pilzleder ähnliche Eigenschaften wie echtes Leder auf. Es ist atmungsaktiv, reissfest und wasserabweisend. Ein weiterer Pluspunkt: anfallende Abfälle sind biologisch abbaubar. Pilzleder stellt also keine Belastung für die Umwelt dar.
Fazit: vegan und nachhaltig

Synthetisches Kunstleder

Dass synthetisches Kunstleder umweltfreundlicher ist als sein natürliches Vorbild, ist leider ein Irrglaube. Es besteht aus einer textilen, gewebten Grundfläche, die anschliessend mit Kunststoff (Polyvinylchlorid oder Polyurethan) überzogen wird. Da für die Produktion von Kunstleder keine tierischen Mittel verwendet werden, ist dieser Vorgang zwar vegan, aber nicht unbedingt nachhaltig. Denn: Um die Oberfläche weicher zu machen, werden meist Erdölchemikalien verwendet. Das Endprodukt ist auf Grund seiner Bestandteile also nur schwer recycelbar. Viele Unternehmen greifen seit Längerem zu recyceltem Kunstleder. Dieses braucht weniger Wasser und Energie. 
Fazit: vegan, aber nicht nachhaltig. 

Appleskin

In ihrer aktuellen Kampagne wirbt Coperni mit nachhaltigem und tierfreundlichem Leder. Auf der Website und auf Instagram heisst es, die Taschen bestünden aus Apfelabfällen. So weit, so gut. Nur leider ist das vegane Leder in der Regel gar nicht so nachhaltig, wie man meint. Um die Reste der Frucht zu stabilisieren, besteht das Textil zu 50% aus Polyurethan (PU) – was, auf Deutsch gesagt, wieder nur Kunststoffe sind.
Fazit: vegan, aber nur zu 50% nachhaltig 

Piñatex

Das PETA-zertifizierte «Leder» besteht aus langen Cellulosefasern von Ananasblättern. Innerhalb der Ananasindustrie werden jedes Jahr über 400 Tonnen Blätterabfall produziert. Bei der Herstellung von Piñatex Leder wird genau dieser Abfall genutzt. Chemikalien, Schwermetalle oder zusätzliches Wasser werden bei der Produktion nicht gebraucht. Trotzdem ist die Optik am Ende täuschend echt. Piñatex Leder ist zudem atmungsaktiv und bietet einen leicht elastischen Tragekomfort. Das Material wird derzeit von vielen nachhaltigen Start-ups verwendet, wurde aber auch schon von Bekleidungsgiganten wie Boss im Sortiment eingebaut.
Fazit: vegan und nachhaltig.

Jacroki

Das Hauptmaterial von Jacroki ist recycelte Cellulose. Ein geringer Prozentsatz an Latex macht das Material beständiger. Die genutzte Cellulose stammt aus Papierabfall. Das verwendete Papier stammt dabei zu 100% aus FCS-zertifizierten Wäldern. Neben seiner täuschend echten Lederoptik, lässt sich Jacroki sogar bis zu 60 Grad waschen und weist eine sehr hohe Abriebsfestigkeit auf. Momentan werden hauptsächlich Accessoires wie Gürtel, Geldbörsen oder Taschen aus dem robusten Material gefertigt. 
Fazit: vegan, aber nicht zu 100% nachhaltig.

Von Denise Kühn am 19. Juni 2022 - 10:00 Uhr