1. Home
  2. Style
  3. Lifestyle
  4. Volvo XC40: Wie ist es eigentlich auf einer Autopräsentation?

Was zählt, ist die Farbe

Wie ist es ohne Ahnung auf einer Autopräsentation?

Die Autorin fährt gefühlt dreimal im Jahr mehr oder weniger sicher Auto und hat selbst noch nie ein Fahrzeug besessen. Nun sass sie plötzlich in Mailand zwischen Auto-Journalisten. WLTP, Drehmoment und Elektrifizierungsstrategien? Sie sah nur rosa.

Placeholder

Der vollelektrische Volvo XC40 nutzt die Design­-Vorteile von Elektroautos – und das Millennial Pink der Sozialen Medien.

Volvo

Ob ich mit zum Interview mit Björn Annwall, einem sehr wichtigen Menschen bei Volvo, kommen wolle, hiess es. Eine Stunde vorher war ein vollelektrischer SUV vorgestellt, gar europaweit enthüllt worden. Ich hatte in einem rosa Kubus auf transparenten Designstühlen mitten in Milano gesessen und eigentlich nichts verstanden. Und da hockten wir nun in einem kleinen Büroraum: Fünf Journalisten, fully equipped mit Stativen und Mikros, die ihr Geld mit raffiniertem Automobilwissen verdienen – und ich, die virtuos pinke Hosen mit schleimgrünen Turnschuhen kombinieren kann.
Die dramatische Musik im Kopf wurde lauter: Wir sind nur zu fünft, muss jetzt jeder eine Frage stellen? Ich auch? Ich habe keine. Oder doch: Warum ist das dicke Ladekabel rosa? Warum steht neben dem Auto eine insta-ready Laterne? Warum hat Björn Annwall ein rosa Einstecktuch im Sakko? Warum liegen auf dem Tisch zwischen Kaffeetassen und technischem Spielzeug kleine rosa Satin-Tücher? Warum bewegen wir uns in einer zuckerwattigen Kaugummiblase? Warum fällt das niemandem auf? Warum fragt keiner?

An die Wand gefahren

Ich habe nicht gefragt. Es ging mir zu viel um Emission, superclevere Sprachsteuerung, Joint Ventures und halt – Autozeug. Ich wollte mich nicht outen, mich nicht blamieren. Vor den anderen Journalisten, unter denen sich erfreulicherweise neben mir eine weitere Frau (allerdings mit jahrhundertelanger Rennnstrecken-Erfahrung) befand, vielleicht weniger. Eher vor den durchaus überzeugenden Antworten des charismatischen Head of Global Consumer Experience. Wenn ich mich schon frage, was ich hier soll, dann tun das die andern wohl auch.
Ich kam ungeschoren davon. Und erfuhr in Nachhinein im Stillen von meiner Motor-affinen Reisegruppe, angeführt vom Volvo-Marketing-Director, dass das Farbkonzept ein Riesenthema sei. Man fragte mich, warum ich nicht gefragt habe. Björn Annwall hätte sich wahnsinnig über eine Frage wie diese gefreut.

Related stories

Warmes Willkommen für farbenschwache Girls

Man wollte mit einer warmen Farbe weg vom technischen Grün und Blau, erfuhr ich. Dass man so gezielt Frauen ansprechen wolle, wurde nicht erwähnt, aber nun ja ... mich hat man damit gekriegt. Verpackt wie eines der hippen Glossier-Produkte aus New York, so schlicht gehalten, als könne die Kampagne sich in einen sorgfältig kuratierten Feed mogeln: Ich würde vermutlich jedes Auto nehmen, wenn ich es mit einem pastellfarbenen Kabel laden könnte, statt zu tanken. Das Girl-Power-Millenial-Pink der Generation Y in einer minimalistischen Insta-Kulisse – das mag sexistisch von Volvo sein, aber wer drauf reinfällt und sich in der Kaugummiblase verstrickt, ist schliesslich selbst schuld. Was nicht heisst, dass man als Freundin der schönen Dinge keine Daseinsberechtigung auf Veranstaltungen wie dieser hat. Die Auto-Nerds mochten technisch versiert sein, die Industrie durchschauen und gewaltig mit Zahlen um sich werfen können – ich aber habe gefühlt. Den Vibe. Ich und sonst keiner. Ich hätte meine Frage stellen sollen. Schliesslich sind die vermeintlich blöden Fragen meistens die besten.

Von Linda Leitner am 28.01.2020
Related stories