1. Home
  2. Body & Health
  3. Bi-curious? Oder doch bisexuell? Wir klären auf.

Sexuelle Orientierung «bi-curious»

Gibt es eine Vorstufe von Bisexualität?

Die LGBTQ-Pride machts vor: Der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität sind keine Grenzen gesetzt. Jeder darf lieben, wen er will. Bei der Bezeichnung «Bi-curious» scheiden sich jedoch die Geister. Handelt es sich dabei um «Bisexualität für Anfänger?» Wir klären auf.

Bi-curious: Bisexualität für Anfänger

Die bisexuelle Community steht dem Begriff «Bi-curious» skeptisch gegenüber.

Getty Images

Homosexuell, asexuell, graysexuell... Im Dschungel der Definitionen für sexuelle Orientierungen sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Deshalb die Frage: Müssen wir uns überhaupt mit einem Label versehen? Denn sobald wir uns festlegen, setzen wir uns doch Grenzen. Auf der anderen Seite unterstützen die Bezeichnungen die Haltung, dass man lieben darf, wen man will - und machen die Ansicht gesellschaftlich anerkannt. 

Wen liebe ich?

Wahrscheinlich durchlebt jeder einmal die Phase, in der man seine sexuelle Orientierung hinterfragt. Als Teenager sind erste körperliche Annäherungen zum anderen Geschlecht aufregend und neu. Man probiert aus, macht Fehler und lernt daraus - das Gefühlschaos ist vorprogrammiert. Irgendwann erreichen aber die meisten den Punkt, an dem sie sich gefunden haben und mit Überzeugung sagen können, auf welches Geschlecht sie stehen.


Doch was ist mit dem leisen Gedanken im Hinterkopf, der einen ein Stück weit ausmalen lässt, wie es wohl mit dem anderen Geschlecht wäre? Sei es nur ein Kuss, eine gemeinsame Nacht oder sogar eine Beziehung. Es scheint, als seien Frauen öfter davon betroffen als Männer. Auf der Party mit einer Frau rummachen? Klar, kein Problem. Meist ist es nur Spass und entsteht aus dem Augenblick heraus. Dieser Gedanke kann sich aber auch hartnäckig halten und verdient somit - wie soll es anders sein - eine eigene Definition. Das Phänomen nennt sich «bi-curious» und bedeutet, dass man neugierig ist, Beziehungen und Sex mit Menschen gleichgeschlechtlicher Identität auszuprobieren, sich selbst aber nicht als bisexuell beschreibt. 

Bi-curious als Ausrede?

Es wird vermutet, dass der Begriff irgendwann in den 90ern entstanden ist. Fakt ist, dass er bis heute ein grosses Problem für die bisexuelle Community darstellt. Hä, wie jetzt? Da werden Definitionen für jegliche Art von sexueller Orientierung eingeführt und eine mehr ist dann nicht in Ordnung? Das «Problem» liegt für die bisexuelle Community darin, dass der Begriff «Bi-curious» impliziert, dass man sich zuerst sexuell und romantisch mit der Orientierung auseinandersetzen muss, bevor sie real ist. Sie ist der Meinung, «bi-curious» spiegle die Haltung wieder, dass man sich erst als bisexuell outen kann, wenn man genug Beweise (in Form von Beziehungen und SexualpartnerInnen) für die Bisexualität gesammelt hat. Und das empfindet die Community als Biphobie. Sie denkt, dass sich «bi-neugierige» Personen etwas vormachen und leugnen, dass sie im Grunde bisexuell sind. 

Klar ist, dass Definitionen für viele eine Hilfe sein können, die eigene Sexualität besser zu verstehen und einer Gruppe anzugehören. Aber niemand sollte sich genötigt fühlen, bestimmte Labels anzunehmen oder sich dafür zu rechtfertigen.

 

Von Jana Giger am 23.09.2019