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Von Motorrädern und Lederkluft

Ha! Auch Männer kommen in die Wechseljahre

Wechseljahre sind keine Domäne der Frau. Bei Männern zeigen sich um die 50 ähnliche Beschwerden wie bei den Frauen. Das Klimakterium virile ist allerdings ein langsamer Prozess. Und bei zu grossem Leidensdruck gibts durchaus Hilfe.

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Dem Alter ein Schnippchen schlagen: mit Motorrad und einem pseudo-jungen Äusseren.

Getty Images/Mint Images RF

Frauen werden alt, Männer nur interessanter. So die Überzeugung vieler Männer und nicht weniger Frauen. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Der Blick in den Spiegel macht es deutlich: Die Haare werden weniger, der Bauch wird runder, die Fältchen werden zu Falten, und da ist auch noch das eine oder andere Zipperlein. Dramatisch wird es, wenn sexuelle Funktions­störungen wie Libidoverlust und Potenzschwäche dazukommen. Das männliche Selbstverständnis definiert sich schliesslich über eine gut funk­tionierende Sexualität. Die Wechseljahre beim Mann – korrekt das Klimakterium virile – äussert sich in ähnlichen Beschwerden wie bei der Frau.

Die Wechseljahre beim Mann beginnen schleichend

Bereits ab dem 30. Lebensjahr ver­liert er jährlich ein Prozent seines Testosterons. Über 50-­jährige Männer weisen einen Testos­teronspiegel auf, der unter 20 Prozent des Nor­malwerts liegt. Das zumindest zeigen Studien. Statt von Wechseljahren beim Mann spricht man auch von einem Testosteron-­Mangel­-Syndrom. Die Symptome reichen von verminderter Libido, Erektionsproblemen, zunehmendem Bauchfett, Muskelabbau, verringerter Knochendichte über Gelenkbeschwerden, abnehmende Gedächtnis­leistung, Nervosität bis hin zu Depression.

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Nicht jeder Mann ist aber davon betroffen. Bei den über 60-­Jährigen sind es ein Fünftel bis ein Drittel. Zum Arzt gehen jedoch nur die wenigsten, sie leiden lieber still, denn «echte Männer» gehen wegen so was nicht zum Männerarzt. Die zuneh­menden Beeinträchtigungen werden entweder ignoriert oder durch männliches Imponiergehabe kaschiert. Das neu erworbene Motorrad und die sehr viel jüngere Geliebte sind ein beliebtes Objekt für Männer in der Midlife ­Crisis. Dabei lassen sich die Beschwerden lindern – wenn nötig mit einer Testosteron­-Substitution oder noch besser mit einem gesunden Lebens­stil. Sportliche Aktivitäten erhöhen den Tes­tosteronspiegel nachweislich. Nachfolgend gibt Prof. Hubert John, Chefarzt der Klinik für Uro­logie am Kantonsspital Winterthur, Auskunft.

Style: Professor John, leiden Männer wirklich auch unter Wechseljahren?
Prof. Hubert John: Der alternde Mann kann unter dem Mangel des männlichen Geschlechtshormons Testosteron sehr wohl symptomatisch werden. Die Wechsel­jahre des Mannes sind ein langsamer, normaler physiologischer Prozess. Es handelt sich nicht um eine abrupte Hormonumstellung wie bei der Frau bei Eintritt in die Menopause.

Welche Hormone ausser dem Testosteron nehmen im Alter ab?
Im Bereich der Sexualhormone sind das De­hydroepiandrosteron (DHEA) und Dehydroepiandrosteronsulfat (DHEAS). DHEA ist eine Vorstufe von Testosteron und kann medikamentös substituiert werden. Allerdings hat DHEA nur bei Mäusen eine Lebensverlängerung gezeigt.

Hilft eine Hormonersatztherapie gegen die Symptome?
Selten sind Impotenz, depressive Grundstim­mung und Antriebslosigkeit im Alter hormonell bedingt. Es ist aber sinnvoll, dass der Hausarzt dies ausschliesst. Falls ein Hormonmangel be­steht, kann eine Substitution die Lebensqualität stark verbessern.

Gibt es alternative Heilmethoden?
Körperliche Aktivität, soziale Integration, geis­tiges Training und allgemeines Interesse am Tages­ und Weltgeschehen sind schon mal heil­sam. Phytotherapeutisch wirkt Johanniskraut stimmungsstabilisierend, für die Prostata sind Brennnesselwurzelextrakte und Extrakte der Sägepalmfrüchte hilfreich.

Welche gesundheitlichen Probleme zeigen sich vermehrt bei älteren Männern?
Der Mann wird heute glücklicherweise immer älter, und immer mehr Männer können sich da­ bei einer guten Lebensqualität erfreuen. Herz­gefäss-­Probleme und urologische Beschwerden sind führend und werden heute individuell sehr effektiv diagnostiziert und behandelt.

Wie oft sollten Männer nach 50 einen Check-up machen, und was sollte kontrolliert werden?
Mit 50 Jahren wird eine Darmspiegelung emp­fohlen. Damit können Darmpolypen frühzeitig erkannt und abgetragen werden. Wichtig ist auch die Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) mit Prostataabtastung durch den Enddarm. Dadurch wird die Sterblichkeit wegen eines Prostatakarzinoms um über 20 Pro­zent reduziert.

Von Verena Thurner am 05.09.2020
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