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Linda hilft nach – Teil 1

Mein erstes Mal Hyaluron-Filler

Ich habe manische Selbstoptimierung immer verurteilt. Jetzt bin ich 34 und habe mir einen persönlichen Schönheitsplan auf den schlaffen Leib schneidern lassen. Weil Altern ein Arschloch ist. Der erste Schlagabtausch erfolgte durch Hyaluron-Filler. Wie das war? Ich beichte. Und ja, es tut ein bisschen weh.

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Gestochen scharf – das Treatment mit Hyaluron.

Getty Images

Ich habe ein Luxusproblem: Ich habe zu viel gelacht im Leben. Und zu viel nachgedacht. Oder zu viel gegrübelt und zu wenig verstanden – auch das ist eine Möglichkeit. Aber Stirnrunzeln gelten als Denkerfalten. Punkt. Aus. Im November werde ich so alt, dass ich offiziell Richtung 40 aufrunden kann, während mein Hirn noch gar nicht in die Pubertät gekommen ist. Da herrscht ein Ungleichgewicht, das mich langsam aus meiner Komfortzone wanken lässt. Eigentlich war ich immer der heldenhaften Meinung, die gute Zeit, die ich hatte, dürfe ihre Spuren hinterlassen – wie kleine, grinsende Party- und Sonnen-Zwerge, die Rillen ins Gesicht tanzen. Aber jetzt habe ich einen Kater bekommen. Und mich für die Spritze entschieden.

Ich habe Angst, als ich vor Dr. med. Karoline Zepter trete. Eigentlich möchte ich wieder abhauen. Mache ich das jetzt wirklich? Ist das mein Ernst? Ich bin ein Opfer unserer Gesellschaft. Traurig, aber wahr. Nun gut. Augen zu und durch. Mach ich die nämlich auf, sehe ich etwas, das mir nicht gefällt. «Hyaluron ist ein Geschenk», sagt die Ärztin für den Bereich Dermatologie und Venerologie. Na dann. Das klingt natürlich nicht nach Schönheitswahn, sondern nach Wohltat. «Ab Mitte Zwanzig verlieren wir im Jahr 1% unseres körpereigenen Hyalurons, im Gesicht merkt man das am schnellsten», so Frau Zepter. Ich kann nicht gut rechnen, aber das macht mir (mehr) Angst. Also einmal auffüllen, bitte.

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Was kann eigentlich dieses ominöse Hyaluron?

Mit Bildern kann ich besser als mit Zahlen: «Stellen Sie sich unsere Haut als mit Wasser gefülltes Aquarium vor, in dem sich Farne hin und her wiegen. Die Farne sind die Kollagenfasern, die sich in der gelartigen Textur der Haut bewegen. Der Wasserpegel nimmt im Laufe der Jahre ständig ab, die elastischen Fasern ziehen sich zusammen, leiern durch das ständige Bewegen aus – die Spannkraft der Haut, das pralle Aussehen nimmt ab», so Zepter. Langsam verstehe ich die Sache mit dem Geschenk. «Mit Hyaluron können Sie nur gewinnen» heisst es obendrauf. Denn der Wirkstoff unterstütze die Haut in allem, was sie braucht: Sie könne dadurch mehr Wasser speichern, die Kollagenfasern könnten sich wieder bewegen. Die Haut gewinne ihre Elastizität zurück, Fältchen würden gemindert, ohne wie beim Botox glatt gebügelt zu werden. Gut, dann möchte ich jetzt auch gewinnen.

«Es is keine Wellnessbehandlung»

Mensch Mensch Mensch, ich hocke schwitzend im Wechselbad der Gefühle. Sagt die gute Frau, es sei keine Wellnessbehandlung! Ich soll es positiv sehen, selbst die Nadelstiche an sich seien toll für die Haut: Die Pikser reizen sie, sie produziert so neue Blutgefässe, Hautzellen und mehr Kollagen. Also an die Arbeit. Frau Zepter massiert mir ein Betäubungsgel ein, das dann eine halbe Ewigkeit einwirken darf. Während mein Gesicht warm und meine Lippen latent taub werden, überlege ich zum wiederholten Male abzuhauen, aber mit gefühllosem Gesicht lohnt sich das irgendwie kaum. Dann klappern hinter mir die Kanülen. Ich beschliesse, nicht hinzuschauen. Und dann spritzt die Expertin mir netzartig das Gesicht auf. Sie setzt sorgfältig viele kleine Stiche – in Stirn, Kinn, Augenpartie, Nasolabialfalte, Wangen und Lippen. Es ist unangenehm und ein bisschen schmerzhaft. Ich bin so angespannt wie ein Brett, aber nach zehn Minuten ist es vorbei. Das Hyaluron sitzt in kleinen Hügeln in meiner Haut. Frau Zepter massiert sie aus. Ich fühle mich ein bisschen wie Teig, der ausgerollt wird.

Meine Lippen haben plumpen Zahnarzt-Status und sie sind ein bisschen geschwollen. Eigentlich ganz nett. Aber sonst – nichts zu sehen. Verrückt eigentlich. Da denkt man jahrzehntelang, man würde nie was machen lassen und zack! Es ist passiert, es war so einfach, so schnell, so easy auszuhalten und direkt im Anschluss fast unsichtbar. Ein Treatment to go quasi, kann man gut dazwischenschieben. Gefährlich, denke ich mir noch. Jetzt bin ich hooked.

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Nein, ich war nicht blau, einfach bloss mutig. Und das hat seinen Preis. Bitte weiterlesen und Vorher-Nachher-Effekt bestaunen.

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Halt, Stopp! Bitte nicht noch älter werden!

Um die Jugend noch ein bisschen zu konservieren, muss man paradoxerweise ziemlich weit vordenken. «Ziel der sogenannten Slow Beauty ist es, in zehn Jahren genauso gut oder sogar besser auszusehen, als heute. Dabei verhält es sich wie mit Fitnesstraining: Einmal bringt nichts. Man muss sich regelmässig Treatments unterziehen, dabei Synergien nutzen, Behandlungen kombinieren, die sich ergänzen. Die Kombination ist altersabhängig», so die Ärztin und greift zum Stift. Sie malt mir einen kleinen Zeitstrahl auf. Darauf notiert sie für mich passende Treatments im Zeitraum von sechs Monaten. Hilfe. Aber gut, wenn es darum geht, nicht anders auszusehen, sondern besser und frischer, muss man eben dranbleiben. Im Skin Gym Vollgas geben quasi. Die Haut ist uns dabei ganz ähnlich, auch sie braucht Motivation – in ihrem Falle einen Stimulus, um sich selbst zu regenerieren.

Ferien – ins Gesicht gespritzt

Meine geschwollenen Lippen und ich verlassen die Zeitreisekapsel. Zu meinem Leidwesen geht das eigentlich ungewollte Volumen rapide zurück. Was dafür auftaucht, ist ein blauer Fleck am Wangenknochen. Ich werde täglich fünfmal gefragt, ob ich mich geprügelt hätte. Ich fühle mich ein bisschen bad ass. Schliesslich war es irgendwie auch eine Mutprobe. In drei bis vier Wochen soll dann der Glow anrauschen, anhalten tut er altersabhängig sechs bis zwölf Monate.

Und dann plötzlich, eine Woche nach der Behandlung, setzt der Komplimente-Hagel ein. Der Glow sei schon da, ich sähe so erholt aus. Und ja, die Lachfältchen um die Augen sind nicht mehr ganz so lustig, die Stirn ist nicht mehr ganz so runzlig und meine Haut strahlt von innen.

Und was sagt mein persönlicher Schönheits-Plan? Das nächste Mal ist HIFU, Hochfrequentierter Ultraschall, dran.
Wenn ihr wollt, schleife ich euch hier wieder mit zu Dr. med. Karoline Zepter und Pret-a-beauté in Zürich. Ob ihr mich auf der Strasse noch erkennt, ist fraglich. Stay tuned!

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Eine Woche nach den Spritzen: Ich sehe wacher aus als je zuvor. Auch wenn ich so gar nicht wach bin.

Dr. med. Karoline Zepter
Von Linda Leitner am 30.08.2019
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