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Welt-Aids-Tag

Sex ohne Kondom mit HIV – geht das?

Aids ist in den Hintergrund getreten. Das heisst aber nicht, dass die Krankheit verschwunden ist. Vor allem ist es noch längst nicht so, dass alle Leute aufgeklärt sind – es gibt noch immer viele Vorurteile gegenüber Menschen, die HIV-positiv sind. Das muss sich ändern.

Welt Aids Tag Schleife

In der Schweiz bleiben die HIV-Ansteckungen auch im Jahr 2019 unter 500 Fällen. In den 90er-Jahren lag der Schnitt noch bei etwa 1300 Ansteckungen. 

Getty Images

Kann ich ohne Bedenken jemanden küssen, der HIV-positiv ist? Eine Frage, die sicher nicht jeder richtig beantwortet. Die Antwort: ein einfaches Ja. Denn mehrere Studien zeigten, dass die Krankheit unter erfolgreicher Therapie nicht mehr ansteckend ist. Das heisst, dass HIV-Medikamente die Vermehrung des Virus im Körper verhindern. Wirkt die Therapie, ist nach einiger Zeit kein HIV mehr in Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit und Schleimhäuten nachweisbar. Die Sicherheit vor einer Ansteckung ist dann in etwa so hoch wie bei der Benuztung eines Kondoms.

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Dann kann man trotz HIV Sex ohne Kondom haben? Ja, wenn folgende drei Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Die HIV-Medikamente werden regelmässig eingenommen
  • Die Blutwerte werden regelmässig vom Arzt oder der Ärztin kontrolliert
  • Die Viren sind im Blut nicht mehr nachweisbar

Aber Vorsicht: Vor der Ansteckung mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten schützen HIV-Medikamente nicht.

Viele Diskriminierungsfälle

Eine aktuelle Studie aus Deutschland zeigt, dass die Mehrheit der Bevölkerung nicht weiss, dass HIV-positive Menschen unter erfolgreicher Therapie nicht ansteckend sind. Deshalb kämpfen viele Betroffene noch immer mit Ausgrenzung im Alltag. «Jährlich gehen bei der Aids-Hilfe Schweiz rund 100 Diskriminierungsmeldungen ein. Doch die Dunkelziffer ist hoch, deshalb gehen wir gesamtschweizerisch von mindestens zehnmal mehr Fällen aus. Dies bedeutet, dass täglich 3 Menschen in der Schweiz aufgrund einer behandelbaren Krankheit diskriminiert werden», sagt Andreas Lehner, Geschäftsleiter der Aids-Hilfe Schweiz. Die meisten Diskriminierungen wurden im Gesundheitswesen gemeldet, auch im Bereich Versicherungen waren sie zahlreich. 

Ausgrenzung im Alltag

Im Alltag sieht das dann so aus: Eine Dentalhygienikerin weigert sich, eine Patientin zu behandeln, als sie erfährt, dass die Frau HIV-positiv ist. Einem Selbstständigen, der noch nie einen krankheitsbedingten Arbeitsausfall hatte, wird eine Taggeldversicherung verweigert, da er HIV-positiv ist. Diese gezielten Ausgrenzungen können zu depressiven Verstimmungen führen. Die Betroffenen haben Angst davor, zurückgewiesen zu werden.

«Im von Corona beherrschten 2020 ist der Welt-Aids-Tag wichtiger denn je», sagt Andreas Lehner. «Denn gerade jetzt muss den Menschen in Erinnerung gerufen werden, dass HIV nach wie vor existiert. Die Sensibilisierung und Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung muss fortgesetzt werden.» Das Ziel: Stopp Diskriminierung ist deshalb auch das Motto der diesjährigen Kampagne. 

Von lm am 01.12.2020
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