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  4. Coronavirus: Wie geht es Lehrern mit der Schulschliessung?

Macht einem Covid-19 als Lehrerin Angst?

Wie ist es, wenn man nicht mehr unterrichten darf?

Sich auf dem Schulgang lachend anrempeln – das war mal. Auf den Stühlen der Restaurants rückt keiner mehr zusammen und Konzerthallen bleiben leer. Wir haben bei denen nachgefragt, die das hart trifft. Heute sprechen wir mit der Lehrerin Raffaela Fetz, die nach der Schulschliessung ... ja, was genau macht?

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Alles, was derzeit noch ins Klassenzimmer fällt, ist Licht.

Getty Images/EyeEm

Die Tore sind zu, um die Primarschule der Stadt Zürich an der Limmat ist es leise. Der Fluss glitzert, die Bäume knospen, man möchte sich die Jacke vom Leib reissen – aber das Leben spielt sich drinnen ab. Es scheint, als müsse man Spieltrieb und Wissensdurst auf ein ungewisses Später verlegen. Der Bundesrat hat im Kampf gegen das Coronavirus die landesweite Schliessung aller Schulen bestimmt. Vorerst bis Anfang April. Aber: The Epidemie-Saga continues ...
Die Eltern ächzen. Und auch als Lehrer fällt man vermutlich in ein Loch, wenn einem von heute auf morgen der Alltag entrissen wird. Wir haben bei Raffaela Fetz geklingelt, bevor sie sich in ihre Heimat Graubünden aufgemacht hat. Die nämlich unterrichtet an eben dieser Schule an der Limmat – wenn nicht gerade der Notstand ausgerufen wird.

Style: Zack, plötzlich wurde wahr, was niemand glauben konnte – alle Schulen sind zu. Was war da los?
Raffaela Fetz: Direkt nach dem Entscheid des Bundesrates habe ich viele E-Mails und Nachrichten versandt, um alle Eltern zu erreichen. In einer Notfallsitzung wurde sichergestellt, dass alle Kinder die nächsten drei Wochen bis zu den Frühlingsferien betreut sind. In meiner Klasse ist das zu Hause möglich. Ist das nicht der Fall, werden die Kinder in kleine Gruppen aufgeteilt und in verschiedenen Räumlichkeiten untergebracht. 
Inzwischen dürfen wir nur noch im Notfall ins Schulhaus. Wir sind wie alle anderen angehalten, zu Hause zu arbeiten.

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Wie läuft Schule jetzt – ohne die Institution?
Diese Woche sind die Kinder gestaffelt ein letztes Mal in die Schule gekommen, um ihre Sachen abzuholen. Wir haben den Eltern einen Tagesablauf ausgearbeitet. Viele Familien hatten Angst vor dem plötzlichen, permanenten Zusammenleben. Um dem etwas entgegenzuwirken, haben wir ihnen eine mögliche Struktur vorgeschlagen. Sie soll für die Eltern aber nur eine Hilfestellung sein – wie die Familien den Alltag gestalten ist natürlich sehr individuell.

Eltern sind die neuen Lehrer. Und was machst du so?
Ich unterrichte eine 2. Primarklasse, da ist es vor allem wichtig, die Beziehung zu den Schüler*innen aufrecht zu erhalten. Wir möchten nachfragen, was sie gelernt haben, wie es zu Hause läuft, wie es ihnen geht – gerne anhand von Fotos gemachter Arbeiten. Per Email, Telefon oder Skype können wir den Kindern auch Rückmeldung geben, wie sie sich schlagen.

Kann das alles überhaupt smooth über die Bühne gehen?
Im Moment mache ich mir viele Gedanken darüber, wie wir als Schule unseren Bildungsauftrag umsetzen können – vor allem, falls die Schliessung bis Ende Schuljahr andauern sollte. Es ist eine Herausforderung. Ich stelle mir Fragen wie: Wie steht es um die Chancengleichheit? Man kann nicht davon ausgehen, dass alle Familien die Aufträge gleich gut umsetzen. Nicht alle haben die gleichen Möglichkeiten – was Arbeitsmittel wie Internet, Computer, Drucker und Schreibutensilien, aber auch die Sprachkenntnisse und Bildungskenntnisse der Eltern angeht.

Du chillst also nicht nur?
Nein, ich erarbeite mir im Moment eine Ideenliste: Welche Seiten im Netz finde ich gut? Wie können Fächer wie Musik und Sport gefördert werden? Hier könnte die Lehrperson Videos mit einem Klatschrhythmus zum Üben oder Dehn- und Entspannungsübungen für die Pausen an die Klasse schicken. 

Was bedeutet die derzeitige Situation für dich finanziell?
Ich werde weiterhin bezahlt. Ein kleiner Teil meines Arbeitspensums wird über das Sportamt der Stadt Zürich bezahlt, da ich über Mittag zwei zusätzliche Sportstunden im Rahmen der Tagesschule gebe. Da ist noch offen, ob sie weiterhin vergütet werden.

Was wird Covid-19 mit deinem Berufsfeld machen?
Die Eltern werden hautnah miterleben, wie ihr Kind lernt, wie und ob es selbstständig ist, was es für Gedanken hat. Das ist für viele eine sehr intensive und anstrengende Zeit, es könnte jedoch auch eine Chance für die Familien sein, näher zusammenzurücken und einander besser kennen zu lernen.

Wird die Situation das Bewusstsein der Kinder schärfen? Werden sie es zu schätzen wissen, gemeinsam lernen zu dürfen? 
Die Kinder werden merken, dass es gar nicht so schlecht ist, wenn man einen richtigen Tagesablauf hat. Mir persönlich fehlt meine geregelte Arbeit sehr. Natürlich hoffe ich auch, dass mich meine Klasse ein bisschen vermisst ...

Von Style am 19.03.2020
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