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Die fabelhaften Kaltenbachers

Bastian Baker und Maryne – musikalische Geschwisterliebe

Beide wollen hoch hinaus. Er blickt auf eine zehnjährige Karriere zurück, sie steht kurz vor dem Durchbruch. Bastian Baker und seine Schwester Maryne über ihre Kindheit, ihre Familie und wie er ihr als Teenager das Partymachen beibrachte.

Bastian Baker und Schwester Maryne, Hotel Savoy, Lausanne, SI 02/2022

Bürgerlich heissen sie Kaltenbacher: die Geschwister Maryne und Bastian auf dem Dach des Hotels Royal Savoy, hoch über ihrer Heimatstadt Lausanne.

Kurt Reichenbach

Für ihr erstes gemeinsames Interview haben sich Bastien, 30, und Marine Kaltenbacher, 25, – so die richtigen Namen der Geschwister – das Hotel Royal Savoy in Lausanne ausgesucht. Die wenigen Wochen im Jahr, die Bastian Baker früher während Tourneen jeweils in seiner Heimatstadt verbrachte, logierte er hier. Direkt gegenüber liegt die Bar ihres Vaters Bruno. Nicht nur ein Treffpunkt für Familie und Freunde, sondern auch der Ort, an dem beide ihre ersten öffentlichen musikalischen Schritte wagten.

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Bastian Baker und Schwester Maryne, Hotel Savoy, Lausanne, SI 02/2022

Die Geschwister komponieren oft zusammen. «Trotzdem klingt unsere Musik unterschiedlich», sagt Maryne.

Kurt Reichenbach

Sie haben beide bereits als Kind gesungen und Instrumente gespielt. Da gings wohl bei Ihnen zu Hause recht laut zu und her.

Maryne: Stimmt. Unsere Eltern sagen immer, Bastian und ich hätten gesungen, bevor wir sprechen konnten. Mit elf wollte ich Flöte spielen, aber meine Eltern fanden die Vorstellung nicht so toll, also habe ich mit Schlagzeug angefangen (lacht). Klavier habe ich mir selbst mit Youtube-Videos beigebracht.

Bastian: Wenn es bei uns daheim mal ruhig war, hat sich das angefühlt, als ob alle die Luft anhielten. Dann stimmte etwas nicht.

Wer war das wildere Kind?

Maryne: Wir waren nicht wild. Wir hatten gute Noten, kamen immer zur vereinbarten Zeit nach Hause. Wir haben uns auf die Musik und den Sport konzentriert. Feiern gelernt habe ich an den Afterpartys von Bastians Konzerten (lacht).

Bastian: Du warst 14, als ich den ersten Swiss Music Award gewann. Als ich von der Bühne kam, hast du backstage mit meinem Musikerkollegen Stress Party gemacht.

Bastian ist das älteste von drei Kindern, Maryne, Sie sind das jüngste. Wurden Sie oft geplagt?

Mit unserer Schwester Margaux habe ich mich öfter mal gezankt, aber wenn ich so tat, als würde ich gleich losheulen, hatte sie Mitleid. Meinen grossen Bruder habe ich stets bewundert, ich wollte so sein wie er.

Bastian: Wir hatten alle immer ein tolles Verhältnis in der Familie. Wenn es Differenzen gab, fanden wir Lösungen. Ich mag zum Beispiel das Geräusch nicht, wenn jemand Cornflakes isst. Also habe ich in der Küche gefrühstückt und Maryne im Wohnzimmer.

Bastian Baker und Schwester Maryne, Hotel Savoy, Lausanne, SI 02/2022

Gemeinsam gehts besser. Bastian unterstützt den Karrierestart seiner kleinen Schwester.

Kurt Reichenbach

Bastian, Sie feiern Ihr zehntes Bühnenjubiläum. Wie erinnern Sie sich an den Anfang Ihrer Karriere?

Es war unglaublich. Jeden Tag gab es Neues, Aufregendes. Das erste Mal, dass ein Song von mir am Radio lief, die ersten Konzerte, die ersten Auftritte im Ausland. Extraordinaire!

Wie haben Sie das als Teenager miterlebt, Maryne, als Ihr Bruder plötzlich berühmt wurde?

Für mich war das ein natürlicher Prozess, das kam nicht von heute auf morgen. Bastian hat immer Musik gemacht, irgendwann hat man die halt am Radio gehört, dann am TV. Ich fands cool, ihn zu Auftritten zu begleiten und im Ausland zu besuchen, aber seinen Bekanntheitsgrad hab ich nicht richtig wahrgenommen.

Wann merkten Sie, dass Sie ebenfalls Musikerin werden wollten?

Ich hatte schon lange den Traum, von der Musik zu leben. Bastians Karriere hat mir gezeigt, dass das möglich ist –wenn man hart arbeitet und mit beiden Füssen auf dem Boden bleibt.

Bastian: Eines Tages kam ich nach drei Monaten auf Tour heim und hörte jemanden Klavier spielen und singen. Als ich entdeckte, dass es Maryne war und sie mir auch noch einen selbst komponierten Song zeigte, war ich baff.

Bastian lebt den Traum, den Sie auch träumen, Maryne. Gibt es Momente, in denen Sie ihn beneiden?

Überhaupt nicht. Es gab nie Rivalität zwischen uns. Bastian: Wir wurden nicht zu Neid erzogen. Wenn jemandem etwas Gutes widerfährt, teilen wir das in unserer Familien-Whatsapp-Gruppe, und alle freuen sich.

«Heimweh, das Vermissen von Familie und Freunden gehören dazu. Auch mal Einsamkeit» Bastian Baker

Sie waren zehn Jahre lang sozusagen nonstop auf Tour, Bastian. Wie sehen Sie diese Zeit?

Ich durfte dank der Musik ein privilegiertes Leben führen, für das ich nur Dankbarkeit empfinde. Alles andere wäre vermessen.

Gibt es keine negativen Seiten?

Doch, natürlich. Heimweh, das Vermissen von Familie und Freunden gehören dazu. Auch mal Einsamkeit. Meinen 27. Geburtstag habe ich allein im Flugzeug verbracht und mir mit einem Cüpli selbst zugeprostet. Aber im Vergleich zu all dem Positiven ist das wenig. Viele Probleme macht man sich im eigenen Kopf. Ich frage mich zum Beispiel nicht bei jeder neuen Bekanntschaft, ob man jetzt wirklich mich mag oder den «Star», sonst werd ich ja verrückt. Und wenns mich nervt, wenn man ständig Selfies mit mir will, bleibe ich zu Hause. Ich verstehe Leute nicht, die sich über so was beklagen.

Hat sich Ihr Verhältnis zu Ihrer Familie in dieser Zeit verändert?

Es ist noch enger geworden. Meine Eltern und Geschwister haben mich oft besucht, wir sind gemeinsam gereist, zum Beispiel als ich mit Shania Twain auf Welttournee war.

War der Beginn der Pandemie nach einem Jahrzehnt auf Achse in gewisser Hinsicht auch ein Segen für Sie?

In erster Linie wars ein Fluch. Loslassen und durchatmen war schwierig, da dies erstens erzwungen war und man zweitens nicht wusste, wie lange die Pandemie dauern würde. Rückblickend muss ich sagen, dass ich eine tolle Zeit hatte. Ich sass vier Monate in Costa Rica fest, da alle Rückflüge gestrichen waren. Dann verbrachte ich viel Zeit in den Bergen beim Freeriden. Ich habe viel gelesen. Ich war oft «SUPen» auf dem Zürichsee zusammen mit Noah Veraguth. Alles Dinge, für die ich sonst keine Zeit gehabt hätte.

Für Sie muss es ein Fiasko gewesen sein, Maryne.

Ja. Ich hatte endlich eigene Musik am Start und war bereit loszulegen. Ich hatte geplant, nach Los Angeles zu fliegen, um den Clip zu meiner ersten Single zu drehen, und sollte dann spontan für Bastian als Backgroundsängerin einspringen. Meine Koffer waren gepackt. Und dann, am Tag, an dem «Overdose» erschien, wurde der Lockdown verhängt. Statt meiner Musik kauften die Leute WC-Papier … Ich habe vier Stunden Sport pro Tag gemacht, um nicht durchzudrehen. Später habe ich angefangen, bei Radio RTS zu moderieren.

Bastian Baker und Schwester Maryne, Hotel Savoy, Lausanne, SI 02/2022

Starkes Duo. «Bastian ist mein Vorbild», sagt Maryne. Ihre erste EP heisst «Liquid Gold». Bastian Bakers Jubiläumsalbum «Stories Of The XXI» ist ab sofort erhältlich. Von 4. bis 12. März spielt er vier Konzerte in Solothurn, Zürich und Lausanne.

Kurt Reichenbach

Ende des vergangenen Jahres erschien nun Ihre erste EP. Bastian produziert Ihre Musik, Sie schreiben gemeinsam Songs. War für Sie immer klar, dass Sie dafür Ihren Bruder verpflichten?

Nein. Wir haben das bei einem Song mal ausprobiert und gesehen, dass es gut funktioniert.

Bastian: Ich arbeite gerne mit jungen Talenten zusammen, habe zum Beispiel Nickless, Damian Lynn und Joya Marleen unterstützt. Warum sollte ich das bei einem Talent aus meiner eigenen Familie nicht tun? Aber Maryne schreibt auch allein oder arbeitet mit anderen Produzenten.

Maryne: Lässig ist, wenn Bastian bei einer Aufnahme Backing Vocals singt oder Gitarre spielt.

Sie sagen, dass Sie kein Problem damit haben, «die Schwester von Bastian Baker» zu sein. Irgendwann muss man doch genug davon haben.

Die Leute suchen bei Neuem immer eine Verbindung zu etwas, das sie kennen. So bin ich halt «die Schwester von …». Das ist ein Vorteil, da es neugierig macht. Wenn man meine Musik einmal kennt, bin ich einfach Maryne.

Bastian: Mich nannte man den Schweizer Justin Bieber. Irgendwann legen sich diese Vergleiche.

Bastian Baker und Schwester Maryne, Hotel Savoy, Lausanne, SI 02/2022

Auf den Spuren des grossen Bruders: Maryne steht kurz vor dem grossen Durchbruch.

Kurt Reichenbach

Segnen Sie eigentlich die Boyfriends Ihrer kleinen Schwester ab, Bastian?

Um Himmels willen, nein. Natürlich fände ichs schwierig, wenn sie mal jemanden hätte, von dem ich denken würde, dass er nicht gut für sie ist. Aber es ist nicht an mir zu entscheiden, mit wem sie sich abgibt.

Wie wichtig ist Ihnen, dass Ihre Familie sich mit Freundinnen und Partnern versteht?

Bastian: Sehr wichtig. Unser ganzer Freundeskreis verkehrt regelmässig in unserem Elternhaus, falls da mal jemand dabei wäre, den irgendwer aus der Familie nicht mag, würde es kompliziert. Das war bisher nie der Fall.

Wie muss man sich ein Familienfest bei den Kaltenbachers vorstellen?

Bastian: Es gibt sehr, sehr, sehr viel zu essen. Meistens sind alle nach dem Apéro schon satt, aber man hält durch bis zum Dessert.

Welttourneen, Spitzenplätze in den Hitparaden, eine Tour mit dem Zirkus Knie – wovon träumen Sie noch, Bastian?

Ich war nie auf Träume fokussiert, sondern auf aktuelle Projekte. Im Moment ist das mein neues Album «Stories Of The XXI».

Und Sie, Maryne?

Weiter Musik machen und live auftreten. An Festivals zu spielen, wäre cool.

Sehen wir Sie bald zusammen auf der Bühne?

Bastian: Ich mache im März eine kleine Tour durch die Schweiz, um mein zehntes Bühnenjubiläum zu feiern, da sieht man viele meiner musikalischen Freunde. Natürlich auch Maryne.

Bastian Baker und Schwester Maryne, Hotel Savoy, Lausanne, SI 02/2022

Zehn Jahre Bühnenerfahrung: Mädchenschwarm Bastian Baker ist erwachsen geworden.

Kurt Reichenbach
Von Sandra Casalini am 15. Januar 2022 - 08:06 Uhr
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