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Warum uns knappe Bikini-Höschen gut tun könnten

«Du kannst das tragen», sagen wir oft zu anderen. Und nehmen uns selbst raus. Der Tanga-Bikini statuiert ein Exempel. Der poppt nämlich derzeit aus sämtlichen Insta-Feeds. Und alle fragen: Wer kann ihn tragen? Die Antwort: Wir. Alle. Eigentlich.  

Tanga
Eine Horde Influencer macht Urlaub: Giorgia Tordini, Gilda Ambrosio, Amina Muaddi, Fiona Zanetti und und und in ziemlich wenig Bademode im Brazilian Cut. Instagram/aminamuaddi

Ich hasse Strings. Leider hängen in vermutlich jedem Schrank der Welt Klamotten, unter denen ein klitzekleines Unterhöschen unerlässlich ist. Nun muss ich gestehen, dass ich jedes Mal die Augen schliesse, wenn ich nur im String bekleidet einen Spiegel kreuze. Passiert nicht oft, kommt aber vor. Ich husche beschämt vorbei. Weil ich nicht wissen will, was sich da hinten im Vorbeigehen tut. Ich möchte die unzähligen Laster meines Lebens, die mir Dellen ins Gewebe getanzt haben, nicht sehen. Aus Selbstschutz. Ich finde diesen schmalen Stofffetzen nicht nur furchtbar unbequem, sondern auch unästhetisch. An mir.

Nun ist das Ganze in nicht ganz so reduzierter Form wie eine unaufhaltsame Welle auf die Bademode übergeschwappt. Und sie bricht über alles hinweg, es spült sie in Läden und auf Instagram. Sie sind überall. Und plötzlich finde ich diese Tangas gut. An Frauen jeglichen Volumens. Überlasse ich die hochgeschnittenen Dinger im knappen Brazilian Cut nun denen, deren zweites Zuhause das Fitnesstudio ist, oder muss ich mein eigenes Körperbild überdenken?

Sind Tangas gemein oder eine Chance?

Es geht vermutlich vielen so: Ein so winziges Kleidungsstück zu probieren, kostet Überwindung. Weil man uns ins Kleinhirn gemeisselt hat, dass es nun beileibe nicht jedem steht. Vor Kurzem postete Influencerin und Model Emily Ratajkowski ein Bild von sich und einer Freundin am Strand – in ihrer selbst entworfenen Bademode. Sie liegen auf dem Bauch, beide Pos sind mehr oder weniger unbedeckt. Ohne dass ich will (und ich schäme mich dafür), denke ich, dass die Freundin dabei nicht gut wegkommt. Aber warum? Weil sie vermutlich keine Ab Crack hat, weil ihre Rippen nicht rausquellen, weil sie im Gegenatz zu Emily so aussieht, als hätte sie davon noch genug. Sie hat einen normalen Körper.

  

Ihr fragt euch, wie die Sommerbräune länger hält? Wir wissen es >

Wir alle wissen, dass sich unsere Wahrnehmung durch Social Media, wo einem sekündlich ein neues, perfekt geformtes Geschöpf eine virtuelle Postkarte aus den Traumferien schickt, verschiebt. Aber genau diese getunten Dinger sind der Grund, warum wir gehemmt sind, uns nicht trauen, eingeschüchtert sind. Wir wissen, was uns da von innen auffrisst, bieten dem aber trotzdem nicht die Stirn. Doch aufgepasst! Vielleicht ist er jetzt endlich da, der Heiland! Und zwar unter dem Deck- oder Bademantel der Swimwear.

Vermutlich müssen wir beim rasant hochgeschnittenen Tanga, ob als Bikinihöschen oder als Badeanzug, einfach mal drauf scheissen (Pardon), dass da Cellulite und/oder zu viel oder zu wenig Po und/oder Hüfte ist. Ich, als eine, die ganz ungern ihre Kehrseite zeigt, posaune ja trotzdem ständig heraus, dass gerade dieser Schnitt theoretisch allen stehen müsste. Weil der hohe Beinausschnitt das Bein optisch verlängert und einen schönen Apfel-Po formt. Und ja, das glaube ich wirklich. Und verleugne mich dabei selbst. Vielleicht trage ich demnächst  Tanga und setze ein Zeichen. Für die, die es verstehen. 

Sun’s out, Buns out:

Von Linda Leitner am 19. März 2019