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  4. Kim Kardashian ist auf dem Vogue Cover – warum?

Bye-bye, Naomi, Gigi und Adwoa

Was macht Kim Kardashian auf der «Vogue»?

Die Fashion-Bibel lässt Kim Kardashian West auf ihrem neuesten Cover «aufwachen». Sorry, aber: Uns war sie bisher ehrlich gesagt schon wach genug. Und überhaupt: Was ist eigentlich aus den guten alten High-Fashion-Models geworden?

NEW YORK, NY - FEBRUARY 07:  Kim Kardashian is seen on February 7, 2019 in New York City.  (Photo by Gotham/GC Images)
Kim erfüllt sich mit dem Vogue-Cover ihren Lebenstraum. JACKSON LEE

Es ist soweit: Nach eigener Aussage ist Kim Kardashians Lebenstraum endlich in Erfüllung gegangen – der Reality-TV-Star ziert zum ersten Mal solo das Cover der US-Vogue. «The Awakening auf Kim Kardashian West» titelt das Kultmagazin. Damit holt sich der Reality-TV-Star den offiziellen Ritterschlag von Anna Wintour. So wie vor ihr schon Naomi Campbell, Cindy Crawford, Kate Moss, Karlie Kloss, Cara Delevingne – na, merkt ihr was?

Von Models zu Social-Media-Stars

Die guten alten High-Fashion-Models in unbezahlbaren, aber wunderschönen Kleidern, die damals unsere und Kimmys Augen zum Leuchten brachten, sind Social-Media-Grössen und Influencern gewichen (die Kleider sind unterdessen geblieben, Kim etwa zieht im Chanel-Netzkleid fast blank). Ariana Grande zierte im letzten Jahr und mit neuer Haarpracht das Hochglanzmagazin, Justin und seine Hailey holten gerade im März – und unter ebenso grossen Protestrufen – nach, was Kim gemeinsam mit Kanye schon 2014 vollbrachte. Und nun steht die Königin des Reality-TVs das erste Mal alleine da. Wieder ist die Entrüstung im Internet gross:

«Oh Gott. Ich vermisse die Tage, als noch tatsächliche Models und echte Fashion-Innovatoren in der Vogue auftauchten.»

«Schon wieder? Danke, dass ihr mich daran erinnert, warum ich mein Abo gekündigt habe.»

«Wir wollen High-Fashion-Models sehen, keine Reality-Stars!»

Kim Kardashian Camp?

Und da ist noch etwas, was verwundert: Die Mai-Ausgabe der Vogue widmet sich üblicherweise Jahr für Jahr der Met Gala. Mit Anna Wintour als Gastgeberin ist das nicht verwunderlich, dafür aber eine schöne Tradition. So strahlte uns letztes Jahr Amal Clooney als Co-Host vom Cover entgegen, 2017 übernahm Co-Host Katy Perry die Ehre, 2016 Taylor Swift, die – man ahnt es schon – bei der Met Gala die Position des Co-Hosts innehielt. Auch 2019 findet sich ein Teaser zum Anlass auf dem Cover: «Sun Kings to Drag Queens – The Met’s Summer Camp». Nur ist Kim weder der Sonnenkönig noch eine Drag Queen. Mit ihrer gedeckten Farbpalette und den engen Kleidern fällt der Bezug zur Gala schwer. Was wir stattdessen erwartet hätten: etwas Ausgefallenes, Buntes, Schlaghosen mit Glitzer, Fransen mit Samt. Kurzum: Harry Styles. Der ist passenderweise auch – richtig geraten – Co-Host der Gala in diesem Jahr.

Alles für die Zahlen

Was also macht Kim da vorn auf der Vogue eigentlich? Naja, sie verkauft. Dem Gemäkel und der Entrüstung der Internetgemeinde zum Trotz, Anna Wintour hat über die Jahre nicht vergessen, dass das Cover mit Kim und Kanye eines der meistverkauften 2014 war. Ebenso wenig, dass die Gute mit der nicht gerade brandneuen Idee einer Make-up-Linie aktuell weitere Millionen scheffelt und 143 Millionen Follower auf Instagram daran teilhaben lässt (by the way, das sind etwa 16 Mal alle Einwohner der Schweiz!), während die Verkaufszahlen von Printmedien weiter in Richtung Keller sinken. Auf lange Sicht werden wir uns an Kim, Justin oder Ariana als Coverstars wohl gewöhnen müssen. Aber vielleicht schleicht sich ja das eine oder andere Mal auch noch ein Model dazwischen.

Von Malin Mueller am 11. April 2019