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Farbenlehre für Millennials

Avocado Toast ist jetzt auch eine Wandfarbe

Die frisch gestrichene Küche als Lebensgefühl? Warum eigentlich nicht. Was ein schwedischer Möbelriese schon seit Jahrzehnten predigt, treiben findige Unternehmen jetzt auf die Spitze – und machen Wandfarbe zum It-Piece.

Avocado Toast ist jetzt auch eine Wandfarbe
Streichen als Lifestyle? Die Millennials machen's möglich. backdrophome.com

Wohnst du noch oder lebst du schon? Bei Dirty Chai, Money Moves oder Seize The Gray sind wir uns da nicht so sicher. Denn die Rede ist hier nicht etwa von neuen Trendgetränken, Auszügen aus Songtexten oder Anspielungen auf einen gewissen Herren mit Vorlieben für Fesselspielchen, sondern von Wandfarben. Selbst der altbekannte Avocado Toast hat es als Namensgeber auf einen der Farbkanister geschafft und beweist damit: So verkauft man Streichen 2019.

Woran das liegt? Wie so oft sind die Millennials schuld. Die scheuen bekanntermassen das reale Leben und damit auch gefährlich-anmutendes Terrain wie Baumärkte. Ihr Revier ist das Internet. Und hier möchten sie nicht nur ihre Garderobe, ihr neues Handy und ihren Lebenspartner finden, sondern auch die perfekte Rosa-Nuance für ihr Badezimmer. Was hingegen gar nicht geht: Aus 7192 verschiedenen Tönen auf einer Farbpalette auswählen, denn #aintnobodygottimeforthat. Und tatsächlich, einige findige Unternehmen haben genau das verstanden und aus Wandfarbe ein Lifestyle-Produkt gemacht, das mindestens so erstrebenswert ist wie das Sonnenaufgangs-Foto und das Monday-Mood-Selfie auf Instagram. Backdrop und Clare bieten nur eine kleine, dafür fein kuratierte Auswahl von ca. 50 Farben an, mit denen wir unsere Wände verschönern können. Dafür kommen die in elegant designten Kanistern daher, die nicht mehr im Keller versteckt werden müssen. Das passende Werkzeug zum Streichen schimpft sich neu «Essentials Kit» und statt eines Folien-Ganzkörper-Anzug erstehen wir dazu ein stylishes «Painters Shirt». Und die Instagram-Profile der Firmen? Lassen jeden Influencer gelb – pardon, «Pablo Honey» vor Neid werden.

Namen als Verkaufsschlager

Dass das Konzept funktioniert, verwundert nicht wirklich. Die Nagellack-Branche macht sich die Idee mit den catchy Namen für ihre Produkte schon lange zu nutzen. Natalie Ebel, Gründerin von Backdrop verrät gegenüber der New York Times: «Viele unserer Käufer kommentieren auf Social Media, dass sie einen bestimmten Ton einfach seines Namens wegen gekauft haben. ‹Surf Camp› merkt man sich einfach lieber und besser als irgendeinen Blau-Ton.» Klar, über die Sinnhaftigkeit dieser Entwicklung lässt sich streiten. Bei «Rose Quartz», «West Coast Ghost» und «Self-Portrait» müssen aber auch wir gestehen, dass es uns ein kleines bisschen in den Fingern juckt. Liegt irgendwo im Keller nicht noch die alte Abdeckfolie?

Von Malin Mueller am 1. April 2019