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  4. Gesundheit und Schweiss: Nichts wofür man sich schämen sollte – warum wir es lieben sollten, zu schwitzen

Es gibt schlimmere Arten sich abzukühlen

Warum wir es lieben sollten, zu schwitzen

Wir schämen uns für den Unterarmfleck oder den auf dem Shirt. Dabei gehört Schweiss, dieses herrlich salzige Wässerchen, zu jedem und jede*r von uns. Er balanciert die Körpertemperatur aus. Es zu tun, ist gesund. Es ist Zeit für einen Paradigmenwechsel und über die Notwendigkeit und Vorzüge des Schwitzens zu sprechen.

Schwitzen

Wo es tropft, freut sich die Pumpe, da lebt sichs gesund? Ist Schweiss ein Gesundheitssignal, das man gerne vorzeigen sollte?

Getty Images

Viele Menschen bezahlen gutes Geld dafür, Schweiss zu produzieren. Aber auch dafür, ihn zu verbergen. Saunagänge, Spinning-Kurse, Hot-Yoga, aber eben auch: Deos, Antitranspirantien – ein unaufhörlicher teurer Kampf gegen den Schweiss und seine Gerüche. Wie konnte es dazu kommen, dass dieser lebenswichtige Prozess, der in uns allen vor sich geht, als peinlich angesehen wird?

Einfach nur hilfreich

Schweiss hilft uns, am Leben zu bleiben. Der menschliche Körper produziert eine Menge Wärme, auch wenn er scheinbar nichts tut. Wenn wir uns bewegen, aber noch mehr. Kleine, in die Haut eingebettete Tuben (ekkrine Drüsen) geben Flüssigkeit ab, die von unserer warmen Haut verdunstet. Ohne diesen Mechanismus würde unser Körper einem Hitzschlag erliegen. Die Organe würden versagen. Und wer viel schwitzt, trainiert sogar seine Schweissdrüsen. Während unbewegliche Normalschwitzer*innen am Tag etwa 500 Milliliter Schweiss produziert, schaffen Spitzensportler*innen zwei Liter pro Stunde. Sie beginnen oft auch spontaner zu schwitzen. 

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Zu den über zwei Millionen geruchlosen ekkrinen Schweissdrüsen kommen die apokrinen dazu. Die befinden sich unter anderem in den Achselhöhlen, an der Nase und der Leiste. Die folgenreiche Spezialität dieser Drüsen ist, dass sie ein Fettsäure- und Protein-haltiges Sekret produzieren, das von Bakterien der Haut zersetzt wird. Dabei entstehen stechend riechende Ameisensäuren und ranzig riechende Buttersäuren. Und genau das ist dieser Mix, der für viele einen unerträglichen Mief, zumindest aber einen ausgeprägten Körpergeruch bedeutet.

Aber: Es könnte schlimmer sein

Es gibt Arten auf der Welt, die schwitzen nicht so effizient wie wir. Es gibt diverse andere Kühlmechanismen. Robben urinieren auf sich selbst. Störche bekoten sich. Wir geben eben Schweiss ab – ein passiver Akt. Wir transpirieren aber nicht nur zur Temperaturregelung. Denken wir an die Schwitzhände. Emotionales Schwitzen, nennt man das. Ob beim Vorstellungsgespräch oder sonst bei einer aufregenden Kontaktanbahnung – wir reagieren auf angsteinflössenden Situationen mit Fluchtreflexen. Hyperhidrose umschreibt das Krankheitsbild des sich klatschnass Schwitzenden, der von der Medizin ernst genommen wird, wenn er in einer Achselhöhle über 100 Milligramm Schweiss pro Minute produzieren kann.

Das Gegenteil von Hyperhidrose ist Anhidrose – die Unfähigkeit zu schwitzen. Was Menschen mit Schweisshänden paradiesisch erscheint, ist in Wahrheit die Hölle. Eine Anhidrose kann eine Folge von Hauterkrankungen oder von Diabetes sein oder auch ein Symptom einer genetischen Erkrankung. Auf jeden Fall ist die Thermoregulation schwer gestört, jederzeit droht der Hitzschlag. Auch hier wieder: Wir können froh sein. Schwitzen ist gut. Und Schwitzen in der Öffentlichkeit kann nur begrüsst werden.

Von zin am 9. Februar 2022 - 16:09 Uhr
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