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Sound on: Sexy Time

Was ist an Stöhnen eigentlich so verdammt heiss?

Ooohhh... Aaaaahhh.. Oh mein Goooott... Huch! Wer vor Lust fast implodiert, der kompensiert das durch Geräusche. Das können Schreie sein oder auch ein wohliges Brummen. Aber warum genau macht ein horny Homo Sapiens das überhaupt? Und wenn alle so drauf abfahren: Macht es den Sex tatsächlich noch eine Spur bombastischer?

Stöhnen

Na? Läufts?

Getty Images/PhotoAlto

In Pornos rumpelts ganz schön. Da klatschen Körper aneinander, da wird Lust durch glühende Blicke, sich windende Gliedmassen und ohrenbetäubende Akustik zum Ausdruck gebracht. Da wird geröchelt, geschnurrt, geschrieen und ja eben: gestöhnt, bis sich die Balken biegen. Einen stummen Fisch im Bett? Will keine*r. Ist ja langweilig. Inbrünstige Geräusche gehören beim gediegenen Geschlechtsverkehr zum guten Ton. Die Logik dahinter: Je umfangreicher die Kopulationslaute, ein desto grösseres Vergnügen bereitet das Gegenüber (bzw. Dahinter, Darunter, Dazwischen). Ein Leidenschaftsbarometer. Und je potenter diese Person rüberkommt, desto besser für die Zielgruppe.

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Warum stöhnen wir?

Im ersten Moment scheint das völlig klar: Akustische Signale sind Ausdruck des Genusses. Wenn wir etwas wirklich ganz Hervorragendes essen, entwischt uns schliesslich auch ein echtes, lustvolles «mmmhh». Jede Person und jeder Kulturkreis ist da natürlich anders, aber: unkontrolliertes, echtes Stöhnen setzt Adrenalin frei. Überwältigt uns ein Gefühl der entfesselten Lust und spüren wir, wie der Orgasmus wie eine sich aufbäumende Welle auf uns zurollt, dann lassen sich Seufzer nicht mehr unterdrücken. Die Atmung wird tiefer, dann schlagartig schneller, der Brustkorb weitet sich, man verfällt in einen Zustand des Hechelns und katapultiert sich wie in Selbsthypnose in einen Rausch. Und bleibt befriedigt zurück. Und klar: Wir zeigen damit unserem Partner oder unserer Partnerin (falls vorhanden), dass die ganze Turnerei echt Spass macht. Professorin für menschliche Sexualität Dr. Zhana Vrangalova erklärt gegenüber Refinery29, dass das klappe, weil «er oder sie sich freut, wenn es dem oder der Partner*in gefällt, und weil es ihm oder ihr bestätigt, dass hier gerade alles richtig gemacht wird.»

Darum sollten wir stöhnen

Da stossen wir bereits in die korrekte Richtung: Wer sich äussert, ist pragmatisch. Es hilft dabei, unsere Partner*in darauf hinzuweisen, wovon wir gern mehr hätten… oder eben eher weniger. Ist ein Move, eine Berührung, ein Kuss besonders explosiv, kann man damit den Weg weisen. «Das Stöhnen ist also eine Form der positiven Bestärkung, mit der wir unseren Partner*innen beibringen können, was uns gefällt», so Dr. Vrangalova. Das funktioniert aber auch andersrum: Intensiviert sich der Spass für einen selbst, wenn man seinen Gefühlen mit sattem Sound freien Lauf lässt (vielleicht sogar dezent eine Schippe Bock draufsetzt), ist das mitnichten narzisstisch. Es geht schliesslich darum, für sich selbst so viel Befriedigung wie möglich aus dem Ganzen zu pressen. Das ist wie: beim Sex gern vorm Spiegel stehen. Geil und gut. Wers mag.

Darum müssen wir nicht stöhnen

Sowieso sollte jede*r das tun, was für ihn oder sie richtig ist. Wer Brunftgeräusche affig findet, sollte es lassen. Da muss auch nicht wild vorgetäuscht werden. Im Rahmen einer Studie zu diesem Thema wollten Forschende wissen: Welche Geräusche geben die Frauen beim Sex von sich? Warum, und vor allem wann machen sie diese Geräusche? Vor, während oder nach dem Orgasmus? Das Resultat: Viele Frauen erleben den Höhepunkt tatsächlich lieber leise. Von wegen stummer Fisch. Stille Geniesserinnen! Lautes, unechtes Stöhnen sei eher dazu da, den männlichen Höhepunkt zu begleiten und zu befeuern. 92 Prozent der befragten Frauen gingen nämlich davon aus, aufgeladene Schreie würden das männliche Selbstbewusstsein fördern.
Sie könnten dem Sex-Spuk zudem im Fall der Fälle schneller ein Ende setzen. Die Frau suggeriert dem Partner durchs stimmliche Volumen, dass sie ebenfalls kurz vor einem platzenden Höhepunkt steht. Er steuert so einem schnellen Ende zu. Halleluja. 87 Prozent gaben an, ihr Stöhnen genau zu diesem Zweck einzusetzen. Die Gründe: Müdigkeit, Schmerzen, Langeweile, aber auch Zeitdruck. Das ist schade. Traurig. Selbstlos. Aber auch manchmal praktisch. «Fake it 'til you make it» reloaded.

Das macht Stöhnen besonders sexy

Sollen wir nun vortäuschen oder nicht? Klar, dem andern oder der andern zu zeigen, wie scharf man gerade auf ihn oder sie ist, lässt das Feuer zusätzlich auflodern. Sich zu etwas zu zwingen, nicht. Sexarbeiterin und Liebeshexe Jinx Lierre rät: «Das Entscheidende für ein echt gutes Stöhnen ist, sich überhaupt keine Gedanken darüber zu machen, wie man klingt – das könnte einen sonst total aus der Stimmung holen. Ich liebe es, wenn ein Stöhnen mit Wimmern, Grunzen, Fluchen, Flehen oder einem guten ‚Oh Gott!‘ kombiniert wird… Macht einfach, was sich gerade richtig anfühlt!» Und wenn man sich partout nicht fallen lassen kann? Oder einem übertriebenes Gebrülle peinlich ist? Übung macht den Meister oder die Meisterin. So kann man bewusst versuchen, beim Ausatmen zu stöhnen. Ein klassisches «Oh!» ist da schon ein guter Anfang. Dann die Stimme höher oder tiefer gehen lassen – als Reaktion auf die jeweilige Stimulation. Wers genau wissen will, nimmt sich beim Masturbieren auf und hört mal genau hin, was am sinnlichsten klingt und sich am besten anfühlt.
PS: Aufnahmen dieser Art eignen sich auch wunderbar fürs Sexting. Just sayin`.

Von lei am 26. Januar 2022 - 16:09 Uhr
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