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  4. Brustimplantate entfernen: Warum die Stars es tun und wohin der Trend geht

Implantate raus!

Warum niemand mehr riesige Brüste will

Wer schön sein wollte, musste vor ein paar Jahren noch leiden und sich den Vorbau chirurgisch überdimensionieren lassen. Grosse Brüste gehörten in Hollywood zum guten Ton. Jetzt lassen sich immer mehr Stars wie Chrissy Teigen, Ashley Tisdale oder die Schweizer Influencerin Anja Zeidler die Implantate entfernen. Erleben wir hier eine Renaissance der kleinen Brüste?

LOS ANGELES, CA - JANUARY 25:  Model Christine Teigen attends Jason Of Beverly Hills' Pre-GRAMMY cocktail hour and salute to fashion icon David Thomas' Gentleman Collection at The Blvd on January 25, 2014 in Los Angeles, California.  (Photo by Vincent Sandoval/WireImage)

Es war einmal... 2014, als Model Chrissy Teigen zu den Grammys kam. Zu dritt quasi.

WireImage

«Ein dummer, wundervoller Sack Fett» seien Brüste ja im Grunde bloss, so Chrissy Teigen. Nicht mehr und nicht weniger. Jetzt, nachdem das Silikon, das zehn Jahre in ihrer Brust waberte und die teuersten Bikinis dieser Welt füllte, raus ist. Ihre getuneten Brüste seien lange grossartig für sie gewesen, «aber jetzt bin ich einfach durch damit», erklärte die 35-Jährige auf Instagram Ende Mai 2020. «Ich würde gerne wieder den Reissverschluss eines Kleides meiner Grösse schliessen und bequem auf dem Bauch liegen können.» Geht jetzt alles wieder. 

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Nicht nur Chrissy Teigen wälzt sich jetzt wieder genüsslich, auch Kolleginnen wie Ashley Tisdale und die Schweizer Influencerin Anja Zeidler haben den Schritt, der eigentlich ein Schnitt ist, gewagt. Alles muss raus! Aber warum eigentlich?

Künstlichkeit kriegt ein Körbchen

Ach ja, wisst ihr noch, als im Fernsehen ständig Berichte über Busenwunder liefen? Was haben wir gestaunt, als Lolo Ferrari 1996 einen Eintrag im französischen Guinness-Buch der Rekorde für die grössten Brüste der Welt bekam, Dolly Buster so dick im Geschäft war wie ihr Vorbau und Pamela Anderson nicht nur Hugh Hefner und den Strand von Malibu glücklich machte. Das waren noch Zeiten! Und jetzt fällt den Leuten plötzlich ein, das wär alles nix gewesen? «Die meisten Celebrities, die sich nun die Implantate entfernen lassen, stammen aus den USA. Das Hollwood-Schönheitsideal war dort vor Jahren ein anderes. Das Motto lautete: Sexy, glamourös, grosse Brüste», weiss Dr. Inja Allemann, Doppelfachärztin FMH für Plastische Chirurgie und Dermatologie, die im medizinischen Campus rivr in Zürich Menschen schöner macht. Ja, nichts bleibt, wie es ist.

«Das Körperbild ist in der Zwischenzeit ein ganz anderes. Ein Fitness- und Health-Boom hat eingeschlagen – damit geht die Akzeptanz des eigenen Körpers und dessen Mängel einher. Da haben grosse Implantate nichts mehr zu suchen», so Allemann. Während früher die Formel galt: (Hungern x 100 + Silikon) ÷ Extensions = The American Dream, wird heute bewusst gelebt – sich gesund ernährt, Sport getrieben wie blöd, auf Nachhaltigkeit geachtet. Wer joggt schon locker mit Doppel-D? Macht geschmeidig Crossfit oder einen stabilen Kopfstand, wenn obenrum immer was zieht? Man möchte dem Körper etwas Gutes tun, ihn nicht überfordern.

Veganismus und Body Positivity – Die Schweizer Influencerin Anja Zeidler liess sich bereits vor Jahren aus Überzeugung die je 400 Gramm schweren Silikonkissen entfernen. Kurz vor dem Eingriff schwärmte sie: «Das ist der letzte Schritt auf meiner Reise zurück zu mir selber. Nichts ist so toll wie jeder einzelne von uns 

Hoch lebe die kleine Brust! Oder...?

«Absoluter Trend ist: back to nature. Heisst: kleinere Implantate», erklärt Allemann. Würde eine Rückkehr zum Ursprung aber nicht bedeuten, man wolle zurück zur eingangs von Chrissy Teigen besprochenen Fett-Tüte? So weit sind wir dann doch noch nicht. Brustvergrösserungen seien noch immer eine der Top-Eingriffe, weiss Allemann aus eigener Erfahrung – aber eben: die Implantate werden kleiner. «Ich habe fast ausschliesslich Patientinnen, die ganz natürlich aussehen wollen. Vor allem junge Patientinnen mit sehr kleinen Brüsten und Mütter, deren Brüste nach zweimal Stillen noch kleiner geworden sind. Ich mache noch immer viele Brustvergrösserungen, aber was ich mache, steht für absolute Natürlichkeit. Grosse Kissen habe ich nie implantiert, sondern immer nur solche, die auch zum Körper passen.» Brüste verlieren also an Dimension, werden aber nicht unbedingt echter.

Wenn der Busen krank wird

Bevor sich High-School-Musical-Star Ashley Tisdale ihrer Brustvergrösserung unterzog, seien ihre Gedanken immer wieder darum gekreist, dass ihr Körper ohne den grossen Hollywood-Vorbau weniger wert sei. «Ich dachte, nach dieser Veränderung würde ich mich vollkommener und sicherer fühlen. Und für kurze Zeit ... war es auch so», erinnert sie sich in einem Instagram-Post im August letzten Jahres. Dann kamen gesundheitliche Probleme wie Nahrungsmittelempfindlichkeiten sowie Darmprobleme. «Kleinere Leiden», für deren Ursache sie den Implantaten die Schuld gab. Es folgte ein Reverse Boob Job. Ein Hoch aufs healthy life, nieder mit dem Silikon?

Dr. Inja Allemann weist diesbezüglich zudem auf die sogenannte Breast Implant Illness hindie ein breites Spektrum von Symptomen aufweist. So unter anderem chronische Müdigkeit, Gelenkschmerzen, Herzrasen, Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen, Migräne, Muskelschwäche, Taubheitsgefühle und Hautauschlag. Die Symptome ähneln Reaktionen, die nach Impfungen aufreten können. Kennt man ja neuerdings. In wissenschaftlichen Studien konnte allerdings bisher kein Zusammenhang zwischen Brustimplantaten und der Breast Implant Illness nachgewiesen werden. Gehört hat man aber sowohl von Patientinnen als auch von ärztlicher Seite von einer nachhaltigen Verbesserung der Beschwerden nach der Explantation der Implantate.

«Ein weiterer gesundheitlicher Grund für das Auswechseln oder Entfernen der Implantate kann eine Kapselfibrose, eine Komplikation, die je nach Statistik in gewissen Prozentsätzen auftritt, sein. Die Kapsel verdickt sich und engt das Implantat ein. Das kann Schmerzen verursachen und die Brust verformen», so die Ärztin. Auch ein Lymphom, eine Krebserkrankungen des lymphatischen Systems, kann und muss zu einer erneuten OP führen. Man kann ja nicht viel rückgängig machen im Leben. Aber wer die Wahl hat, darf zupacken und sämtliche Tüten entleeren. Cheers!

Von lei am 9. Dezember 2021 - 16:00 Uhr
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