1. Home
  2. Body & Health
  3. Wie Gene dick machen: Warum manche Menschen schneller zunehmen

Alles eine Frage der Gene?

Warum manche Menschen schneller zunehmen

Ewig schlank sein – wer träumt nicht davon? Doch nicht alle Menschen haben dafür scheinbar die gleiche (genetische) Voraussetzung. So können manche essen, was sie wollen, und bleiben trotzdem schlank. Andere hingegen werden allein vom Zuschauen dick. Forschende vermuten, das liegt auch an unseren Genen.

Selbstbewusste Frauen in Unterwäsche

Über 400 Gene wurden bereits identifiziert, die Übergewicht begünstigen. 

Getty Images

Irgendwie haben wir ja geahnt, dass unsere Gene bei der ganzen Sache nicht unschuldig sind. Denn während man selbst gegen jedes Kilo kämpft, sitzt die beste Freundin nebendran, mampft genüsslich ihre Chips und nimmt dabei kein Gramm zu. Das kann doch gar nicht mit rechten Dingen zu und her gehen. So viel können wir euch verraten: Es ist kein Phänomen, das nur euch beschäftigt. Auch die Forschung rätselt seit Jahren darüber, warum manche Menschen schneller zunehmen als andere.

Mehr für dich

Gene könnten Schuld sein

Sie sind sowas wie der Bauplan für jedes Lebewesen: Die Gene. Es handelt sich dabei um kleine Abschnitte auf der DNA, die in ihrem Wechselspiel die Eigenschaften eines Individuums massgeblich prägen. So bestimmen sie zum Beispiel unsere Körpergrösse, die Haarfarbe und auch gewisse Merkmale der Persönlichkeit. 

Da liegt es fast schon auf der Hand, dass sie auch unseren Körper formen. Und tatsächlich ist die Figur scheinbar erblich, wie eine Studie zeigte. So neigten Kinder, deren Eltern dick sind, automatisch auch zu Übergewicht. Welche Gene für den Effekt verantwortlich sind, ist unterschiedlich. Forschende konnten bereits über 400 Gene ausmachen, die – je nach Ausprägung – das «Dicksein» begünstigen können, wie der Molekularbiologe Daniel Wallerstorfer in seinem Buch schreibt. Drei solcher Gene gelten aber als besondere Dickmacher:

Das FTO-Gen: Das «Fat mass and obesity associated gene» oder kurz FTO-Gen reguliert den Fettstoffwechsel im Körper. Je nach Genvariante, die man in sich trägt, sorgt es dafür, dass bestimmte Fettzellen das aufgenommene Fett eher verbrennen oder einlagern.

Das Leptin-Gen: Leptin signalisiert dem Gehirn, dass die Fettzellen gefüllt sind und löst so ein Sättigungsgefühl aus. Menschen mit einem defekten Leptin-Gen laufen laut Forschenden Gefahr, ständig zu viel zu essen, was langfristig zu Übergewicht führen kann.

Das MC4R-Gen: Das «Melanocortin-4-Rezeptor-Gen» (kurz MC4R) geht in eine ähnliche Richtung wie das Leptin-Gen. Es bestimmt jedoch nicht die Sättigung, sondern den Appetit. Bestimmte Varianten sorgen dafür, dass deren Träger*innen fast nie an Essen denken und in der Folge schlank bleiben. Andere hingegen machen die Lust aufs Essen ständig allgegenwärtig. 

Meist ist es jedoch ein Zusammenspiel vieler Gene, das insgesamt das Risiko für Übergewicht erhöht. Einige Gene bestimmen zudem auch die Körperform, sprich wo das Fett am Körper wie schnell ansetzt.

Auch «Dünnsein» liegt in den Genen

Dass Übergewicht und Fettleibigkeit durch Gene geprägt werden, ist seit längerem unbestritten. Das Gegenteil hingegen – nämlich dass es spezifische Genvarianten fürs Schlanksein gibt – wurde zwar vermutet, konnte aber lange nicht bewiesen werden. Mittlerweile ist klar: Es gibt tatsächlich genetische Voraussetzungen, die einen tiefen BMI begünstigen, wie eine Studie von 2019 zeigte.

In einem weiteren Experiment wurde das ALK-Gen als möglicher Schlankmacher entdeckt. So wiesen Mäuse, bei denen das Gen vorab entfernt wurde, automatisch ein dünneres Erscheinungsbild auf. Die genmanipulierten Tiere nahmen zudem auch bei fettreicher Nahrung nicht wieder zu. Ein ähnliches Gen könnte auch bei schlanken Menschen vorhanden sein.  

Also alles reine Genetik?

Diejenigen, die nicht mit der Schlankheitsformel gesegnet sind, mögen sich jetzt fragen: Warum müht man sich überhaupt Tag für Tag ab, wenn das Gewicht sowieso genetisch bedingt ist? Ganz einfach: Weil die Gene eben doch nicht alles sind. Professoren der Universität Marburg gehen davon aus, dass nur etwa 60 Prozent unseres Gewichts genetisch veranlagt sind. 

Das ist zwar nach wie vor unfair, lässt uns aber Spielraum. Denn die übrigen 40 Prozent bestimmen wir selbst. Und zwar mit unserem Lebensstil, allem voran: mit der Ernährung und Bewegung. So können selbst Menschen mit einer genetisch «schlechten» Veranlagung ein Leben lang schlank bleiben.

Von Deborah Bischof am 19. November 2021 - 09:00 Uhr
Mehr für dich
© 2021 Schweizer Illustrierte
© 2021 Schweizer Illustrierte
Logo von Ringier Axel Springer