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Zum Tod des berühmten Kinderarztes

Das waren Remo Largos wichtigste Anliegen für unsere Kinder

Remo Largos Schaffen wirkt auch nach seinem Tod weiter – in all den Eltern und Fachpersonen, die seine Bücher gelesen haben und sich im Alltag mit Kindern seine Anliegen zu Herzen nehmen. In einem Interview vom vergangenen Februar verriet der Kinderarzt und Forscher die zwei wichtigsten Dinge, die Mädchen und Buben helfen, sich optimal entwickeln zu können.

Remo Largo 30.01.2009Remo Largo, ProfessorKinderarzt und Fachbuchautorin der Bibliothek seines Hauses in Uetliburg--- Remo Largo, Kinderarzt, Uetliburg SG 2009#Remo Largo, paediatrician, Uetliburg SG 2009

Seine Stimme ist verstummt, sein Spirit lebt in den Familien weiter: Kinderarzt Remo Largo.

Dukas

Eine geduldige und liebevolle Erziehung stand für Remo Largo, 76, im Zentrum seines vielseitigen Schaffens. Sein Anliegen war «der Versuch, zu erklären, was das Kind ist. Eltern und Fachleute zum Kind zurückzuführen», wie er einst in einem Interview sagte, das gestern im Nachruf in 10 vor 10 auf SRF zu sehen war. Der am Mittwoch verstorbene Kinderarzt, langjährige Leiter der Abteilung für Wachstum und Entwicklung am Kinderspital Zürich, Forscher und Autor von Standardwerken wie «Babyjahre» und «Kinderjahre» und zuletzt «Das passende Leben» machte sich Sorgen um die heutigen Kinder. In der SRF3-Gesprächssendung Focus vom Februar sagte er, was in der Schule falsch läuft, was die Probleme an Wunschkindern und modernen Kleinfamilien sind, und warum die Schweiz in Sachen Elternurlaub «peinlich» und «ein Entwicklungsland» ist. Und er verriet, welche zwei Dinge – nebst Liebe und Geborgenheit – besonders wichtig sind für unsere Kinder.

«Ein Kind sollte mehrere Stunden pro Tag mit Gleichaltrigen zusammen sein.»

Remo Largo
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Kinder brauchen Gspändli

In der Radiosendung betonte der Entwicklungsforscher immer wieder, wie wichtig für Kinder andere Kinder sind. «In den vergangenen 300'000 Jahren sind Kinder mit anderen Kindern aufgewachsen, das ist in uns drin.» Doch in unserer heutigen Gesellschaft mit den typischen Kleinfamilien fehle dieser Kontakt in hohem Masse. «Wenn man zwei Fünfjährige vergleicht, von denen eins in die Krippe ging und eins in einer Kleinfamilie betreut wurde, ist das Krippenkind sozial und sprachlich viel kompetenter.»

Remo Largo empfahl: «Ein Kind sollte mehrere Stunden pro Tag mit Gleichaltrigen zusammen sein. So lernt es zu sprechen, sich in andere Kinder einzufühlen, sich anzupassen, mit Konflikten umzugehen, Beziehungen und Freundschaften zu schliessen.»

«Als ich ein Bub war, hat niemand geschaut, was ich mache, bis ich abends um 18 Uhr wieder heimkam.»

Remo Largo

Freiraum statt Frühförderung

Diese gemeinsame Zeit mit ihren Gspändli sollten die Kinder möglichst selbstbestimmt gestalten können. Hier sind wir beim nächsten Problem, wie Remo Largo sagte: «Die Freizeit ist ja bei vielen Kindern durchgeplant: mit Fussballverein, Ballett, Judo – und dort sagen wie in der Schule Erwachsene, was die Kinder zu tun haben.»

Er selber sei als Bub am Mittwoch nach dem Mittagessen mit anderen Kindern nach draussen gegangen und habe den ganzen Nachmittag im Wald verbracht, sagte Remo Largo. «Niemand hat geschaut, was ich mache, bis ich abends um 18 Uhr wieder heimkam.»

Bevor wir also unsere Kinder für ein weiteres fixes Programm in einem Verein oder ein anderes Angebot, das es fördern soll, anmelden, denken wir zurück an den verstorbenen Entwicklungsforscher und jahrzehntelang tätigen Kinderarzt – und verzichten darauf. Lassen wir die Kinder stattdessen mit Freunden abmachen. Das bedingt zwar manchmal etwas mehr Zeit zum Organisieren. Aber sie ist gut investiert – wie wir von einem wissen, der es wirklich wusste.

Von Christa Hürlimann am 05.02.2020
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