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  4. So erleben die Kids von Prominenten den Corona-Wahnsinn

Generation Corona

«Mein grosses Abenteuer war plötzlich vorbei»

Schwierige Jobsuche, geplatzte Reiseträume und ein Alltag, der plötzlich ziemlich eintönig ist. Vier Jugendliche und ihre prominenten Eltern über ihr Leben mit der Pandemie.

Generation Corona, Lili Mueller, Tochter von Sandra Studer, SI 08/2021

Jobsuche statt Reisefreiheit: Lili und ihre Mutter Sandra Studer in ihrem Ferienhaus im Val Müstair GR.

David Biedert

«Meine Mutter ist nicht jemand, der unnötig Panik schiebt»

Bis zum Abend des 15. März 2020 ist Lili Müller, 20, noch überzeugt davon, dass sie tags darauf ein Flugzeug nach Bali besteigt. Stattdessen fliegt sie von Vietnam aus zurück nach Zürich.

Ein halbes Jahr hat die Tochter von Moderatorin Sandra Studer, 52, nach der Matura gejobbt, um sich gemeinsam mit einer Freundin ihre Traumreise nach Thailand, Vietnam und Bali finanzieren zu können. Die Mädchen sind als Backpackerinnen unterwegs und bekommen nicht viel davon mit, wie die Pandemie sich breitmacht. Ihre Eltern hingegen schon. Sandra Studer moderiert die SRF-Show «Darf ich bitten?» bereits ohne Publikum. Als in der Schweiz der Lockdown verkündet wird, ist für sie und ihren Mann Luka Müller, 56, klar: «Wir müssen Lili nach Hause holen.» Fieberhaft suchen sie Flüge, finden auf den letzten Drücker einen und rufen ihre Tochter an.

Lili ist erst mal enttäuscht. «Ich habe so lange gespart. Und plötzlich war mein grosses Abenteuer vorbei.» Aber sie weiss auch: «Meine Mutter ist nicht jemand, der unnötig Panik schiebt.» Zu Hause erwartet sie eine komische Situation: eine mehr oder weniger arbeitslose Mutter, ein Vater im Homeoffice und die Geschwister Gian, 23, Student, sowie Nina, 14, und Julia, 12, Schülerinnen, im Fernunterricht. «Und ich hatte einfach gar nichts zu tun!», sagt Lili. Sie macht das Beste aus der Situation und nutzt den Lockdown nicht nur für mehr Sport, sondern auch, um sich auf den mehr oder weniger leeren Strassen auf die Autoprüfung vorzubereiten. Danach kann sie zurück in ihren alten Job in der Gastronomie. «Da habe ich gesehen, dass meine Tochter richtig krampfen kann!», sagt Sandra Studer. Nach den Sportferien beginnt Lili ihre Ausbildung an der Hotelfachschule. «Ich hatte sehr viel Glück», sagt sie. «Auch wenn eine Bali-Reise halt nach wie vor auf meiner Bucket List steht.» 

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«Der Musikkeller ist mein Zufluchtsort geworden»

Generation Corona, Janis Furrer, Sohn von Sven Furrer, SI 08/2021

Das Musik-Produzieren hat ihn von Corona abgelenkt. Janis und sein Vater Sven Furrer auf ihrer Terrasse in Baar ZG.

David Biedert

Die Langeweile sei für viele seiner Freunde das Schlimmste, erzählt Janis, 18. Der Sohn von Comedian Sven Furrer, 49, steht kurz vor der Matura. Seine Abschlussarbeit hat er bereits fertig: ein Musikalbum. Trap-Beats, Melodie, Songtexte – alles selbst produziert mit Computer und Mini-Keyboard. Die Arbeit dazu startete Janis während des ersten Lockdowns. «Der Musikkeller ist während Corona mein Zufluchtsort geworden», sagt er. Mehrere Monate war die Kanti geschlossen, Homeschooling war angesagt. «Anfangs dachte ich: Das ist ja cool. Zu Hause chillen und mich auf dem Computer einloggen. Doch ich merkte schnell, wie viel Selbstdisziplin das braucht.»

Präsenzunterricht sei deutlich effizienter, findet auch sein Vater. Sven Furrer und seine Frau Eveline, 47, sind beide ausgebildete Lehrer. «Für die erste Zeit im Lockdown erstellten wir für unsere vier Kinder Tagespläne, um ihnen eine Struktur zu geben. Das fanden sie nicht lustig, war aber wichtig.» Am meisten freut sich Janis auf die Zeit, wenn er wieder ins Eishockeytraining gehen und seine Freunde und Grosseltern regelmässig sehen kann. «Hoffentlich ohne Maske.» Weil er diese nun auch im Schulunterricht ständig tragen muss, habe er die Angewohnheit entwickelt, sich ohne Maske im Gesicht rumzuzupfen.

«Es ist schon verrückt: Mein 13-jähriger Bruder hat einige seiner neuen Lehrer noch gar nie ohne Maske gesehen.» Dennoch bleibt Janis, was die Zukunft angeht, optimistisch. «Ich bin ein gelassener Typ.» – «Da sind wir uns ähnlich», sagt der Vater schmunzelnd. Die Unterhaltungsbranche liege am Boden. «Doch man findet immer einen Weg.» Der Weg von Janis führt nach der Matur ohne Feier erst mal in die RS. 

«Keine Chance. Es hagelte Absagen.»

Generation Corona, Sari Späni, Tochter von Regula Späni, SI 08/2021

Fitnesstraining per Zoom statt Fussball im Klub: Sari und ihre Mutter Regula Späni zu Hause in Jona SG. 

David Biedert

Es hat zwei Seiten für Sari Bürer, 20, als im Juni 2020 die Abschlussprüfungen der Wirtschafts-Berufsmittelschule abgesagt werden. «Zum einen war der Druck weg. Zum anderen wollte ich ja zeigen, dass ich den Stoff beherrsche.» Im Herbst sollte das Studium an der Fachhochschule folgen. Aber alle Studienplätze sind bereits belegt. Also versucht Sari, für ein halbes Jahr einen Job zu finden, um die Zeit bis zum nächsten Semesterbeginn zu überbrücken. «Keine Chance. Es hagelte Absagen.»

Gleichzeitig wird das Leben der gesamten Familie auf den Kopf gestellt. Die Eltern, Moderatorin Regula Späni, 56, und Kommentator Stefan Bürer, 57, sind mit Job-Ausfällen konfrontiert. Saris Bruder Gian, 19, der in den USA Junioren-Eishockey spielt, wird in einer Nacht-und-Nebel-Aktion nach Hause geholt. Niklas, 13, ist auch öfter daheim, zuerst wegen Fernunterricht, dann wegen des Wegfallens von Hobbys. «Anfangs wars ja ganz schön, mal alle zusammen zu sein. Aber irgendwann wurden wir alle dünnhäutig, und es krachte viel öfter», erzählt Sari.

«Wenn Mami meinte, ich solle mich doch noch da und dort bewerben, nachdem ich schon x Absagen kassiert hatte, fand ich das nicht so lustig.» Inzwischen hat die KV-Absolventin einen Job beim Teehersteller Sirocco bekommen – für ein Jahr, sodass sie nächsten Herbst ihr Studium beginnen kann. Ihr Bruder Gian trainiert mit dem HC Sierre und konnte sich in einen Marketing-Lehrgang einschreiben. Regula Späni kann durchatmen: «Vorerst sind alle versorgt. Verglichen mit anderen, sind wir in einer privilegierten Situation – aber dass unsere Kinder durch so was durch müssen, hätten wir vor einem Jahr nicht für möglich gehalten.» 

«Schwieriger, Frauen kennenzulernen»

Generation Corona, Emmanuel Wicki, Sohn von FDP-Staenderat Hans Wicki, SI 08/2021

Vorlesungen schauen auf dem elterlichen Sofa in Hergiswil NW. Emanuel und sein Vater, FDP-Ständerat Hans Wicki.

David Biedert

Ohne Corona hätte Emanuel Wicki, 21, im letzten Jahr kaum so viel Zeit im Elternhaus in Hergiswil NW verbracht. «Weil alle meine Vorlesungen online gestreamt werden, kann ich diese auch hier auf dem Sofa verfolgen.» Eigentlich wohnt der Sohn von FDP-Ständerat Hans Wicki, 57, in einer Vierer-
Jungs-WG in Schlieren ZH. Er studiert Maschinenbau im vierten Semester an der ETH. «Der Campus ist offen, wir können dort unter Restriktionen auch lernen.»

Was aber fehle, sei das «Kopflüften». «Der sportliche Ausgleich ist mega wichtig. Deshalb haben wir uns in der WG eine Sportecke eingerichtet.» Zudem vermisse er die Spontaneität, etwa nach der Uni zusammen ein Bierchen zu trinken. – «Diese Generation ist durch Corona sehr seriös geworden», sagt Hans Wicki. Das richtige Studentenleben – so wie er es selber führte – falle weg. Immer spreche man davon, die Älteren zu schützen: «Dabei sperren wir die Jungen seit einem Jahr mehrheitlich ein!» Emanuel fühlt sich zwar nicht unfair behandelt, «doch angesichts der niedrigen Zahlen fällt es mir teilweise schwer, alle Restriktionen nachzuvollziehen».

Einige Kollegen hätten das Virus gehabt – mit mildem Verlauf. «Klar schützen wir uns. Aber es gibt auch mal ein WG-Essen mit sechs statt fünf Leuten.» Dennoch sei die Welt klein geworden. «Es ist schwieriger, Frauen kennenzulernen», sagt der Single. Die Online-Apps seien kein Ersatz zum Flirten im Ausgang. «Alles ist digital, nur nicht im Gesundheitswesen – dort kommuniziert man noch per Fax», ärgert sich derweil sein Vater. Der Sohn nickt. Er will bald auch politisieren. Bei den Jungliberalen? «Nein», sagt er und schmunzelt, «bei der Erwachsenen-FDP!» 

Von Sandra Casalini und Jessica Pfister am 28.02.2021
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