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#nochella

Coachella 2019: Kaum Stars, kaum Stoff

Es ist wieder Coachella-Zeit und wir kriegen Gänsehaut. Und das nicht nicht wegen des Line-ups, sondern wegen des ungeschriebenen Gesetzes, das besagt: «Sei sexy! Lass Bauch und Beine frei, trage Mikro-Jeansshorts, Häkel-BH und Mini-Rucksack!» Nö, danke. Wir haben Spass an Mode und dazu gehören ehrlich gesagt Klamotten.

THERMAL, CALIFORNIA - APRIL 13: _____, Paris Hilton and Alessandra Ambrosio attend the Levi's Brand Presents Neon Carnival with Bondi Sands and POKÉMON: Detective Pikachu on April 13, 2019 in Thermal, California. (Photo by Cassidy Sparrow/Getty Images for Neon Carnival)
LA QUINTA, CALIFORNIA - APRIL 13: Models Shanina Shaik, Sara Sampaio, Jasmine Tookes and Romee Strijd seen at Revolve Festival during Coachella Festival on April 13, 2019 in La Quinta, California. (Photo by Christian Vierig/Getty Images)
LA QUINTA, CALIFORNIA - APRIL 14: Kendall Jenner is seen wearing blue off shoulder dress, gloves with print, green sock boots at Revolve Festival during Coachella Festival on April 14, 2019 in La Quinta, California. (Photo by Christian Vierig/Getty Images)
Ein Spielplatz für alle, deren Körper ihr Kapital ist: Die Models Shanina Shaik, Sara Sampaio, Jasmine Tookes und Romee Strijd auf dem Revolve Festival während des Coachellas. 2019 Christian Vierig

Die Datenbanken sind kahl. Und das heisst nicht, dass sie leer sind. Wenn man den Suchbegriff «Coachella 2019» durch die virtuellen Fotoalben jagt, dann werden lange Beine ausgespuckt. Dazu nackte Bäuche und Arme. Glatt und gebräunt. Auf den grinsenden Köpfen der Menschen hocken zwei Knödel. Tanzen tun die Fotografierten in der Regel nicht, sie posieren. Sie campen nicht im Regen, sie suchen nach dem besten Insta-Spot. Das Coachella als medienträchtigstes Festival der Welt schwemmt Victoria’s-Secret-Models und Influencer in unsere Insta-Feeds und Mode-Rubriken, die uns einen ganz bestimmten Stil diktieren: Viel Gehäkeltes drängt sich in den Vordergrund, viel Denim, viel Glitzer, viel sehr wenig. Sexy sein gehört heute zum Festivalpass wie früher der Schlamm.

Plump, plumper, Coachella

Nun ist das Coachella für die VIPS natürlich anstrengend. Der Plan ist so straff wie ein gut in Szene gesetzter Influencerkörper: Rund ums eigentliche Festival in der kalifornischen Wüste schmeissen Firmen bunte Poolparties mit aufblasbaren Schwänen, Blumenozeanen und einer perfekt ausgeleuchteten, gebrandeten Fotowand. Pool ist gut, vielleicht kommt der Grossteil in Bikinis. Fotowand ist wichtig für die Hauptaufgabe der Gäste: Zeigen, dass man da war und gut aussah. Gut aussehen heisst, sich einem übersexualisierten Dresscode zu unterwerfen. Hat man die eine Party erfolgreich attendet, heisst es umziehen, Handy laden und neues Bindi aufkleben. Denn entweder wartet der nächste lukrative Event oder es geht tatsächlich um das Coachella selbst, wo es dann gilt, sich anzustellen. Nicht fürs Line-up, nein, in die Schlange fürs obligatorische Bild vorm ikonischen Riesenrad. Ja, die Schlange gibt es wirklich. Keiner will mehr bei Acts wie Ariana Grande, Childish Gambino oder Katy Perry in der ersten Reihe tanzen. Was auch unpraktisch wäre. Schliesslich kam eine Kendall Jenner in Kitten Heels. Influencerin Olivia Culpo in Mules. Im Moshpit liesse es sich da nicht gut aushalten. Ausser man könnte eine geile Insta-Story draus machen.

Kylie Jenner kam auch vorbei. Laut Instagram. In einem transparenten Super-Mini mit noch kleinerer Bag. Es gab eine Zeit, da sass man zwischen den Konzerten mit Bier am Boden rum und fühlte sich frei. Kylie könnte weder anständig sitzen, noch scheint sie mehr mitführen zu müssen als zwei Tic Tacs. Bella Hadid dagegen machte blau. Sie kam gar nicht erst, wie so viele. Wo war Kate Bosworth? Zoé Kravitz? Die A-Riege Hollywoods wurde abgelöst von Models und Influencern. Und nicht mal da kamen die Grossen. Wo war Chiara Ferragni? Vielleicht ist sexy vor einem Riesenrad hocken für die auch nicht mehr das Non plus ultra. Warten wir das zweite Wochenende ab.

Nun hat natürlich jeder seine eigene Vorstellung von sexy. Unserer entsprechen die knappen, zuckersüssen Hippe-Techno-Looks nicht. Es gibt so viele coole Frauen da draussen, warum erwischen die Fotografen auf den Open-Airs immer nur die freizügigen? Weil alle anderen vor der Bühne stehen und tatsächlich die Konzerte hören? Vielleicht. Wäre auch besser so. So beschleicht uns das Gefühl, man dürfe ein Open-Air nur besuchen, wenn man schön ist. Wenn man die grellen Zuckerwatte-Looks gut und gerne trägt. Wenn man aussieht wie ein Influencer-Model-Klon. Wir haben uns jedenfalls mal auf den Strassen umgeschaut und festivaltaugliche Looks aufgespürt, die viel nonchalanter sind als der ganze Lolita-Coachella-Wahnsinn. Denn sind wir ehrlich: So gutes Wetter wie in Palm Springs ist bei uns auch selten. 

Für unsicheres Wetter

COPENHAGEN, DENMARK - AUGUST 09: Lucy Williams wearing denim dress button shirt is seen outside Baum und Pferdgarten during the Copenhagen Fashion Week Spring/Summer 2019 on August 9, 2018 in Copenhagen, Denmark. (Photo by Christian Vierig/Getty Images)
Lucy Williams. 2018 Christian Vierig

Gegen Beinzeigen spricht rein gar nichts. Natürlich darf man dazu auch Baum und Arme zeigen, wenn man das möchte. Die etwas erwachsenere Variante ist ein Jeanskleid mit robusten Boots – mit Jeansjacke für etwaige Kälteschübe.

Bei Schlamm: Wanderschuhe statt Gummistiefel

BERLIN, GERMANY - JULY 05: Sonia Lyson wearing multi color striped dress Zara, bag Jimmy Choo, tracking boots Blanca Miro x Edited is seen during the Berlin Fashion Week July 2018 on July 5, 2018 in Berlin, Germany. (Photo by Christian Vierig/Getty Images)
Sonia Lyson. 2018 Christian Vierig

Schutz gegen nasse Füsse muss sein. Damit einem die ausserdem nicht kaputtgetanzt werden, schützen Hiking Boots ganz wunderbar. Wallende Kleider dazu sind ein schöner Stilbuch und waren schon immer ein fester Bestandteil der Festival-Stilbibel. Wer sagt aber, dass immer alles beige sein muss? Leuchtende Farben sind doch viel besser: so findet man sich in der grauen Masse schneller wieder.

Wenn es frisch ist: Lässig in Oversize

STOCKHOLM, SWEDEN - AUGUST 31: Blanca Miro Scimieri wearing a belt bag, oversized navy knit, striped pants, Vans outside House of Dagmar on August 31, 2017 in Stockholm, Sweden. (Photo by Christian Vierig/Getty Images)
Blanca Miro. 2017 Christian Vierig

Die Vorteile: Bewegungsfreiheit, Kälteschutz durch den Strickpulli und nächtelange Tanzgarantie dank Vans. Cooler kann man eigentlich nicht erscheinen. Und ein besseres Statement gegen die Übersexualisierung der Festivallooks kann man auch kaum setzen.

Hawaiihemden sind heisser als das Wetter 

PARIS, FRANCE - SEPTEMBER 26:  Veronia Heilbrunner wears floral print shirt, black shorts, a silver bag, during Paris Fashion Week Womenswear Spring/Summer 2019, on September 26, 2018 in Paris, France.  (Photo by Edward Berthelot/Getty Images)
Veronika Heilbrunner. 2018 Edward Berthelot

Es müssen nicht unbedingt die Gucci-Sneakers sein, aber: Wer diesen Sommer so richtig auffahren will, kombiniert die Sporthosen des Boyfriends (die eigenen gehen natürlich auch) mit einem Hawaiihemd. Weisse Socken und Turnschuhe dazu – fertig. Geschmackloser gehts nicht? Darum geht es irgendwie. Wir lieben Anti-Looks schliesslich.

Wer auch bei Wolken Shorts tragen will

PARIS, FRANCE - MARCH 01: Emili Sindlev is seen wearing red cardigan during Paris Fashion Week Womenswear Fall/Winter 2019/2020 on March 01, 2019 in Paris, France. (Photo by Christian Vierig/Getty Images)
Emili Sindlev. 2019 Christian Vierig

Zack, Strumpfhose drunter. Der Cardigan kann easy ausgezogen und um die Hüfte gebunden werden, die starken Farben schreien nach Aufmerksamkeit. Und das ganz ohne Haut.

Endlich Schlamm – der Klassiker

LONDON, ENGLAND - SEPTEMBER 15: Camille Charriere wearing dress with print, black boots, leopard print bag is seen outside ALEXACHUNG during London Fashion Week September 2018 on September 15, 2018 in London, England. (Photo by Christian Vierig/Getty Images)
Camille Charriere. 2018 Christian Vierig

Der Schlamm ist unser Freund. Ein weit geschnittenes Kleid, sagt: «Entspannt euch doch bitte einfach mal!» Und darum geht es doch eigentlich auf Festivals.

Von Linda Leitner am 12. April 2019