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  4. Bella Hadid und ihr Y2K-Bad-Taste-Look: Absichtlich seltsam aussehen will gelernt sein

Bad Taste als heissester Scheiss

Liebe Bella, ist dein Look Kunst oder kann das weg?

Uns ist bewusst: Die Mode der 2000er ist inzwischen Vintage. Das, was die Generation Z nun so vergöttert, erscheint ihren Vorgängern wie die tragische Karikatur einer hängengebliebenen Trance-DJane. Baggy-Hüfthosen, schmale Sonnenbrillen mit bunten Gläsern, Strass – trägt man wieder. Aber Supermodel Bella Hadid ist optisch manchmal so neben der Spur, dass man nicht umhin kommt, sich zu fragen: Muss man für schlechten Geschmack besonders guten haben?

NEW YORK, NEW YORK - DECEMBER 30: Bella Hadid is seen on December 30, 2021 in New York City. (Photo by Gotham/GC Images)

Model Bella Hadid in New York. Ihr Look: yay oder nay?

GC Images

Letztens war eine Freundin zu einer Bad Taste Party (zu deutsch: Feier des schlechten Geschmacks) eingeladen. Über den Sinn von Bad Taste kann man streiten, denn Geschmack ist subjektiv. Wenn man aber Gast sein soll, muss man wohl oder übel liefern. Sie war verzweifelt. Ich ob der beratenden Funktion ebenfalls. Nun ist es schliesslich so: Alles, was mal als hässlich galt, wird antizyklisch wie warme Semmeln wieder in unsere Warenkörbe gespült. Da wären Ugly Sneakers. Über die kann man heute nur müde lächeln. Da sind Wandersandalen (hat Chanel classy gemacht) und Crocs (das hat unter anderem Justin Bieber versucht). Gerade klumpen sich Ugg Boots wieder an den Füssen einflussreicher Menschen fest.

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Meine Freundin schlug als Verkleidung ein Hawaiihemd vor. Zu cool fand ich. Trägt man ja inzwischen im Sommer ganz unironisch und sieht gut aus. Bunte Leggings sagte sie. Bitte nein, Leggings sind die neuen Jeans, erwiderte ich. Man kam nicht voran, weil gerade das vermeintlich Üble heutzutage seinen Charme hat, wenn man es richtig trägt (oder vermarktet). Man war ratlos. Kurz darauf rutschte ein Bild von Model Bella Hadid vom Insta-Himmel in meinen Feed – mit einem Look, der die Macht besass, zu verstören. Und den ich gerne für die Party empfohlen hätte.

Betörend verstörend

Nun habe ich durchaus verstanden, dass die Generation Z die 2000er wieder aufleben lässt. Unter dem strassbesetzten Namen Y2K (die 2000er betreffend) glitzert ein grelles und knappes Comeback ausgewaschener Low-Rise-Jeans, ultrakurzer Faltenröcke, bauchfreier Spaghettiträger- und Bandeau-Tops, Blocksträhnen und seltsam kleiner Sonnenbrillen. Dass ein 25-jähriges Topmodel da ganz vorne mitmischt, ist nicht verwunderlich. An der sieht eh alles gut aus, denkt man. Schliesslich ist sie athletisch wie ein Dressurpferd, das Gesicht schlichtweg nicht von dieser Welt. Aber nein, das was sie da trägt, sieht nicht gut aus. Obwohl im Trend. Das ist mal ne Leistung. Das ist irgendwie faszinierend.

Ist es das Paris-Hilton- oder Kim-Kardashian- oder Verona-Pooth-Phänomen? Die haben schliesslich alle viel Geld damit gemacht, möglichst dumm zu wirken, was wiederum ziemlich schlau ist. Wenn Bella Hadid nun also eine Skijacke zur gelben Sonnenbrille und unfertigem Fussel-Schal im Paparazzi-durchzogenen New York trägt, dann aus Gründen. Sex und Lotter sell. Um einen so seltsamen Look zu komponieren, braucht man vielleicht einfach richtig viel Stil. Oder... Naja, über Geschmack lässt sich wie gesagt streiten. 

Sexy Badfluencer

Der Erfolg gibt Bella Hadid durchaus Recht. Auf Instagram segnen rund 1,5 Millionen Fans mit flammenden Likes ihre Looks ab. Offenbar macht sie einiges richtig. Sehet und staunet! Nachmachen? Auf eigene Gefahr. Ist nämlich wahrlich nicht einfach.

Von lei am 11. Januar 2022 - 12:30 Uhr
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