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  4. Corona-Impfung ohne Nebenwirkung: Wirkt sie? Was sagt das übers Immunstystem?

Dann lieber Fieber?

Keine Impf-Nebenwirkungen = schlechtes Immunstystem?

Schüttelfrost, Gliederschmerzen und eine Beule am Arm. Alles unschön. Wer nach einer Covid-19-Impfung leidet, der darf sich damit trösten, dass das ein Zeichen für die gewünschte Immunreaktion ist. Der Umkehrschluss liegt nahe: Passiert nach dem Piks rein gar nichts, ist da irgendwas schiefgelaufen. Dann hat der Körper keine Kraft, sich zu wehren? Oder wirkt gar die Impfung nicht?

Syringe piercing skin, conceptual image.

Na, schon geimpft?

Getty Images/Science Photo Libra

Derzeit ist rund 44% der Schweizer Bevölkerung vollständig geimpft. Die erste Runde ging bei den meisten sang- und kla(n)glos über die Bühne, die zweite aber, die hat es in sich, so heisst es. Im Umfeld der Autorin wurde geächzt und gestöhnt. Tagelang gelegen. Geschwitzt. Gezittert. Gekotzt. Geschlafen. Nur geschlafen. Die Müdigkeit! Schlapp müsse man sein, wurde ihr – ja, eingeimpft. Dann kam ihr zweiter Shot und sie wartete. Und wartete. Und es passierte... nichts. Ihre Mutter hatte noch erzählt, ältere Menschen hätten weniger mit Nebenwirkungen zu kämpfen, da das Immunsystem schon nicht mehr so arbeiten wolle. Das konnte nun nichts anderes bedeuten, als: 36 sein heisst steinalt sein. Oder?


Das ganze Fieber, der Schüttelfrost, die Abgeschlagenheit und die Schmerzen an der Injektionsstelle werten Be- beziehungsweise Getroffene also oft als durchaus positiv. Die Nebenwirkungen nämlich gelten gemeinhin als Zeichen dafür, dass die mit der Impfung bezweckte Immunreaktion stattfindet und der Körper Antikörper bildet. Er begibt sich in eine Schonhaltung.

Halt, stopp!

Das stimme so allerdings nicht, so Dr. Veenu Manoharan, Dozentin für Immunologie an der Cardiff Metropolitan University, in einem Artikel der Plattform The Conversation. Hier erklärt sie den Unterschied zwischen angeborener und adaptiver Immunantwort und entkräftet damit zudem die Befürchtung, dass ohne eine spürbare Impfreaktion auch keinen Immunschutz infolge einer Impfung aufgebaut werde.

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Die gängigen, oft besprochenen Smalltalk-Symptome wie Fieber seien ganz typische Entzündungszeichen und schlicht Ausdruck einer Aktivierung des angeborenen Immunsystems. Eine dauerhafte, spezifische Immunität gegen das Spike-Protein, die der heilige Gral des ganzen Impfung-Wahns sei, werde jedoch nur durch eine Aktivierung des adaptiven Immunsystems erreicht. Eben die wird durch Komponenten des angeborenen Immunsystems in Wallung gebracht und ist letzten Endes für die Bildung von T-Zellen und Antikörpern verantwortlich. Teilweise ist es möglich, dass das adaptive Immunsystem eine vom angeborenen Immunsystem angeschobene Entzündung verstärkt. Das wird dann als die so oft besprochenen Nebenwirkungen erfahren. Aber keine Angst: Bei wieder anderen läuft dieser Prozess unterschwellig, im Verborgenen ab. Heisst: Die spüren nix. Keine spürbaren Symptome. Nada.

Fazit: So herrlich individuell jeder einzelne Mensch ist, so ist auch seine Impf-Reaktion. Rückschlüsse auf dessen Immunantwort lassen sich keine ziehen. Auch ohne Reaktion bildet der Körper heiter Antikörper. Es kann sogar der umgekehrte Fall eintreten, nämlich dass gelitten wird wie blöd, während die Antikörperbildung noch moderat ist. Und ja, die Alten trifft es weniger als die Jungen. Körperlich kurz vor der Rente steht man mit Good Vibes nach dem Pieks dennoch nicht.

Von lei am 22.07.2021
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